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Corona im Kreis Soest: Erster Gastronom in Soest geht freiwillig in den Lockdown

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Von: Klaus Bunte

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Jason Prickett, Gastronom aus Soest, macht das, was die Politik vielleicht im Moment zu wenig tut. Er zeigt Haltung und übernimmt Verantwortung. Trotz strenger 2G-Regel und Impfung haben sich Leute in seinem Lokal infiziert. Er meint, das könne überall und jederzeit wieder passieren und zieht jetzt ganz klare Konsequenzen.

Soest – Jason Prickett kommt einem möglichen Lockdown zuvor: Er verkündet er in einem kurzen Video auf Facebook, dass sein Pub ab sofort und bis auf Weiteres geschlossen ist. „Die Pandemie wird nicht besser, sondern verbreitet sich schneller und rasanter, als man es nicht vorstellen kann. Alleine in den letzten beiden Wochen wurde ein Viertel meiner Gäste und Bekannten positiv getestet – obwohl sie geimpft sind. Daher haben sie zum Glück auch nur leichte Symptome. Daher habe ich beschlossen, den Pub vorerst zu schließen. Ich bitte um Verständnis, ich kann mir all das nicht mehr anschauen und die Verantwortung nicht mehr tragen. Ich bin mir sicher, dass ein Lockdown kommt, ich bin nicht mehr bereit zu warten und übernehme die Verantwortung selber.“

Er habe bestimmt zehn Tage mit der Entscheidung gerungen, berichtet der gebürtige Brite, der in der Ulricherstraße einen englischen Pub betreibt. Endgültiger Auslöser sei eine Veranstaltung in seiner Lounge gewesen: „Die Teilnehmer waren alles Leute, die ich persönlich kenne, alles war 2G-konform, so wie der Betrieb im übrigen Lokal auch. Aber einer hatte einen Impfdurchbruch und hat hier andere angesteckt. Dazu kommen weitere Gäste, die mir mitteilten, dass sie sich irgendwo trotz Impfung infiziert hatten. Ich habe die letzten Tage nur noch damit verbracht, andere Gäste zu benachrichtigen, die sich in deren Nähe aufgehalten haben könnten.“

Jason Prickett irish pub corona
Britischer Humor: Dieses Gerippe hatte Jason Pricket beim letzten Lockdown als „letzten Gast“ ins Fenster gesetzt. © Klaus Bunte

Gastronom in Soest geht in den Lockdown: „Mein Kopf ist woanders“

Die Situation mache ihn, den man eigentlich als Steh-auf-Männchen bezeichnen kann, selber depressiv, meint er. Normalerweise würde er die Zeit jetzt damit verbringen, den Pub völlig überzogen weihnachtlich zu schmücken, was ihm jedes Jahr aufs Neue eine geradezu kindliche Freude bereitet. „Aber mein Kopf ist woanders, ich bin nicht mit dem Herzen dabei, sondern stets mit dem Gedanken, dass ich ohnehin bald wieder schließen muss.“

Am Samstagabend war ein vorerst letztes Mal geöffnet, es sei noch einmal schön gewesen, „aber es kamen auch Gäste vom Weihnachtsmarkt herein, die bereits reichlich angetrunken waren und die kaum unter Kontrolle zu halten waren. Wie soll ich das verantworten?“ Alle wichtigen News zur Corona-Pandemie im Kreis Soest lesen Sie hier.

Gastronom in Soest geht in den Lockdown: „Das ist niederschmetternd“

Erst zum 1. Juli hatte er wieder geöffnet, „und ich hatte die ganze Zeit damit gerechnet, dass ich nur einen finanziellen Grundstock aufbaue, um die nächste Pause zu überbrücken. Das ist niederschmetternd. Ich spreche für viele Kollegen, wenn ich sage, wir haben immer gedacht, die Gastronomie ist zwar ein hartes Geschäft, aber wir betreiben es aus Leidenschaft. Wenn uns dieses Geschäft Stück für Stück genommen wird, dann geht uns auch die Freude daran verloren.

Immerhin: Auf Facebook bekommt er ausschließlich Zustimmung: „Das Letzte, was man jetzt braucht, sind dumme Sprüche, aber die Rückmeldungen haben mich in meiner Entscheidung bestätigt.“ Er hoffe, dass die Lage zum neuen Jahr wieder eine Öffnung erlaube. Kenntnis darüber, dass andere Gastronomen seinem Beispiel folgen, habe er nicht.

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