Soester Altstadt der Zukunft

Linke wollen Dominikanerstraße neu „bauen“

neue Dominikanerstraße Soest
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So könnte die Dominikanerstraße mal aussehen: Links stehen schmucke Stadthäuser, wo sich heute nonh das Parkhaus befindet. Rechts ist der alte Kaufhof zu schicken Wohnungen umgebaut. Und mittendrin schlängelt sich der Soestbach.

Die Dominikanerstraße mit Parkhaus und Kerber-Ruine zählt zu den eher hässlichen Ecken der an vielen Stellen schönen Soester Altstadt. Die Linke im Soester Stadtrat legt jetzt Ideen und Skizzen vor, aus der Straße eine Vorzeige-Adresse zu machen.

Soest – So soll es aussehen: Offener Soestbach, schmale Straße, Stadthäuser – und dafür weg mit dem tristen Parkhaus. „Vier Monate haben wir an dem Entwurf gearbeitet“, sagt Linken-Fraktionschef Winfried Hagenkötter. Schließlich sei es nicht allein um Architektur und Stadtbild gegangen, sondern auch um Klima, Demografie und Soziales. Vor allem aber: Man wolle „nicht Klein-Klein“, sondern einen Vorstoß, der die Soester Altstadt auf Jahrzehnte nach vorn bringen soll.

Da wäre zunächst einmal die Beseitigung des uralten Kardinalfehlers in der Dominikanerstraße. Vor 50 Jahren, als so ziemlich alles dem Autoverkehr untergeordnet wurde, kamen die Soester auf die schlichte Idee, den Soestbach an dieser Stelle einfach aufzugeben. Weil man schlechterdings einen Bach nicht so ganz beseitigen kann, ohne nasse Füße zu kriegen, hat man einfach einen „Deckel“ draufgepackt – die heutige Dominikanerstraße.

Gut fürs Klima: Offener Soestbach

Der Betondeckel soll runter und das Stück Soestbach hergerichtet werden – genau so, wie es heute schon davor und dahinter aussieht, wo sich der Soestbach längst zum Schmuckstück in Soest gemausert hat.

Damit wären die Linken gleich beim Klima und bei ihrer Kritik an den - wie sie es nennen – lieblosen und halbherzigen Bemühungen bei der Aktion „Stark Mitte Soest“. Hagenkötter: „Das ist viel zu wenig, was die Verwaltung vorgelegt hat.“ Hier ein zusätzlicher Blumenkübel, dort ein Brunnen und etwas Grün an den Fassaden dürften kaum genügen. Ein paar hundert Meter Bach mit kühlendem Wasser wäre da eine ganz andere Hausnummer.

Auf Sicht würde auch die Handvoll Läden, die heute im Parkhaus-Parterre geöffnet haben, nicht mehr gebraucht. Der Einzelhandel werde sich auch nach Corona und vor allem wegen des sich eher verstärkenden Onlinehandels zurückziehen. Der Autoverkehr soll ohnehin reduziert werden; Parkhäuser wie das am Bahnhof seien schon jetzt die bessere Wahl.

Heute wie ausgestorben

Damit trotzdem Leben in der Stadt bleibt oder (besser gesagt) wieder mehr Leben einzieht, böte sich die Dominikanerstraße als attraktives Wohnviertel an. Also weg mit dem Parkhaus und dem daneben liegenden Parkplatz und her mit einer schicken Reihe Stadthäuser.

Was für eine Lage: In der (nach Feierabend) heute wie ausgestorbenen Straße am offenen Bach mitten in der Altstadt. Gegenüber in der Kaufhaus-Ruine könnte und sollte ebenfalls gewohnt werden. Der Block steht seit Jahren halb verwaist dar. Unten könnte man sicherlich das Erdgeschoss weiter dem Handel überlassen, doch darüber sollten Wohnungen entstehen. Bricht man die alte Betonfassade auf, blickt man auf schöne große Fenster und Balkone.

Wie das morgen oder übermorgen aussehen kann, dafür hat der Soester Architekt Bernd Grüttner Entwürfe gezeichnet. Der Baumeister, der unlängst mit seinem Glasturm(-Entwurf) für den Petriplatz gleichermaßen provozierte wie nachdenklich stimmte, arbeitet seit geraumer Zeit als sachkundiger Bürger bei der Linken mit. Sein Credo bei der Dominikanerstraße: „Das Zentrum, die Mitte, ist nicht nur Ausdruck des wirtschaftlichen, sondern aller gesellschaftlichen Strukturen einer Gemeinde. Hier konzentrieren sich die städtebaulichen und architektonischen, politischen, kommerziellen und kulturellen Bereiche in einer verdichteten, architektonischen Form zur Stadtmitte. Stadtmitte ist das sichtbare Zentrum dieses Gemeinwesens.“

„Eine Super-Idee“

„Demnächst werden wir unsere Pläne an die anderen Fraktionen schicken“, sagt Grüttner. Bislang habe man nur Stadtbaurat Matthias Abel Entwurf und Konzept zukommen lassen.

Einer ist jetzt schon begeistert. Wir haben Volker Stelzig von der Idee berichtet. Der Soester ist Landschaftsplaner und hat sämtliche Soestbach-Abschnitte renaturiert. Ob es ihn reizen würde, sich nun auch das letzte Teilstück mitten im Herzen der Altstadt vorzunehmen? Stelzig zögert keine Sekunde: „Eine Super-Idee!“ Sie böte der Dominikanerstraße mit dem „blöden Parkplatz“ eine ganz neue Perspektive und würde das Viertel gehörig aufwerten. Kurzum: „Da rennen Sie bei mir offene Türen ein.“

Dabei denkt die Linke nicht nur in Sachen Dominikanerstraße groß. „Es gibt etliche Bereiche, die sich in einem desolaten Zustand befinden“, findet Hagenkötter: Der Hansaplatz, die Stiftstraße Ecke Modehaus Kress, der Grandweg(parkplatz), der Parkplatz am ehemaligen Hallenbad und die Stellfläche hinter der Ressource. In Sachen lebendige Innenstadt gebe es noch jede Menge Luft nach oben. Denn nur 6000 Menschen leben hier. Hier biete sich genug Platz für mehr Wohnungen; im Gegenzug könnte so mancher Acker draußen vor den Toren der Stadt Acker bleiben.

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