Gastro-Großhandel ist wichtiges Glied in der Lieferkette

Ausnahmezustand: Lieferanten bereiten sich auf Öffnung von Außengastronomie in Soester Altstadt vor

Kisten mit frischem Salat packt Marc Chwialkowsky beim  Gemüsegroßhändler Mersch im Soester Norden.
+
Kisten mit frischem Salat packt Marc Chwialkowsky beim Gemüsegroßhändler Mersch im Soester Norden.

Andreas Bracht, Martin Schulte und Uli Padberg stehen zwar an keinem Kochtopf oder Zapfhahn, ohne sie würden aber in Soester Lokalen viele Küchen kalt und Gläser leer bleiben. Das Trio ist im heimischen Gastro-Großhandel tätig – und damit ganz nah dran, wenn die Außengastronomie in der Altstadt wieder öffnen darf

Soest – .„Die Herausforderung ist für uns ähnlich groß wie für unsere Kunden“, beschreibt Bracht, bei der Früchte Mersch GmbH im Soester Norden zuständig für den Ein- und Verkauf, die aktuelle Situation in seinem Betrieb. Heißt: Was in der Gastronomie wirklich gebraucht wird an frischen Zutaten, ist angesichts großer Fragezeichen erst einmal schwer bis unmöglich einzuschätzen. Trotzdem müssen für den Neustart Bestellungen getätigt und dann die Ware natürlich auch geliefert werden. Für Bracht und die Mitarbeiter in dieser besonderen Situation alles andere als Routine.

„Wir haben zwar den Betrieb nicht komplett runter gefahren in den vergangenen Monaten, alleine schon, weil wir auch auf Wochenmärkten aktiv sind, aber auch wir müssen jetzt sehen, wo wir unsere Waren her bekommen“, erklärt Bracht. Obwohl das Unternehmen viele Produkte aus der Region bezieht, sind einige Lieferanten nicht gerade um die Ecke beheimatet. „Wir bekommen zum Beispiel Ware aus Holland und Spanien“, so Bracht – da braucht alleine der Transport seine Zeit.

Dennoch ist er zuversichtlich, die branchenüblichen kurzen Intervalle zwischen Bestellungen von Obst und Gemüse und der Lieferung in der kommenden Woche wie vor Corona gewährleisten zu können. „Normalerweise wird am Abend nach Küchenschluss bestellt, und wir bringen die Ware am nächsten Vormittag“, erklärt Bracht. Er wolle zwar nicht ausschließen, dass dieses Tempo in Einzelfällen zunächst auch mal nicht komplett gehalten werden könne, aber grundsätzlich werde sich das wieder einspielen.

Diese Zuversicht teilt auch sein Kollege Martin Schulte vom Gastroservice Rüther in Erwitte. „Wir raten unseren Kunden dazu, im Zweifelsfall lieber weniger zu bestellen und dafür dann öfter, wenn sie neue Ware brauchen“, betont Schulte die Wichtigkeit von Flexibilität. So könne angesichts vieler Unwägbarkeiten halbwegs realistisch kalkuliert werden. „Wir sitzen da mit den Betrieben in einem Boot und müssen zusehen, gemeinsam mit ihnen so gut wie möglich durch diese schwierigen Zeiten zu kommen.

Und: Viele Betriebe hätten auch in den vergangenen Monaten „To-go-Angebote“ gemacht und dafür natürlich auch Ware benötigt. Da sei es, so Schulte, jetzt kein größeres Problem, die Mengen wieder höher zu fahren. „Von 0 auf 100 wird das aber sicher nicht geschehen“, glaubt er.

Uli Padbergs Kernkompetenz sind flüssige Nahrungsmittel: Er ist einer Geschäftsführer der Sauerland Getränke GmbH, die ihre Kundschaft in der Gastronomie und der Veranstaltungsbranche hat. Zwar halten sich seine Produkte länger als Obst und Gemüse, aber während der vergangenen Monate sind gewaltige Mengen an Bier und nicht alkoholischen Getränken verdorben statt Durst zu löschen. „Deshalb legen auch wir Wert darauf, unsere Kunden nur mit den Mengen zu beliefern, die sie auch tatsächlich benötigen“, erklärt Padberg. „Dann fahren wir lieber öfter, auch wenn das die Kosten steigert“.

So hält er es übrigens auch selber mit dem Nachschub: Statt „zügeweise Bierfässer“ und Kisten mit Getränkeflaschen ordert er zunächst lieber kleinere Mengen. „Wenn das alles hoffentlich gut läuft und mehr gebraucht wird, werden wir das ohne Probleme hinkriegen“, ist der Getränkespezialist ganz sicher, dass kein Kneipen- oder Restaurantbesucher in den nächsten Wochen durstig nach Hause gehen muss.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare