Leser zu Millionen-Defizit am Klinikum  Soest: Es werden wieder Entschuldigungen gesucht

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Das Klinikum hat in den vergangenen Jahren erheblich investiert: Unter anderem entstand das neue Bettenhaus Richtung Westen.

Soest – Mit Enttäuschung, Zweifeln und reichlich Kritik an der Geschäftsführung und dem Aufsichtsrat haben Anzeiger-Leser auf unseren Bericht über die Rekord-Schieflage am Klinikum Stadt Soest reagiert.

„Immer wenn es sehr ruhig um das Klinikum wird, kommt anschließend so eine Meldung wie jetzt! Es wird mal wieder von der Geschäftsführung und vom Vorsitzenden des Aufsichtsrates nach Entschuldigungen für dieses wirtschaftliche Desaster gesucht. Dies geht seit Jahren so!“, heißt es in einem der Leser-Kommentare. Ein anderer Schreiber verlangt: „Was hier fehlt, ist mal eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema: Ein sichtlich überforderter SPD- Aufsichtsrat, ein Geschäftsführer, der immer bessere Zahlen prognostiziert als sie dann kommen und eine verunsicherte Belegschaft... Fusion erst nein, dann ja zu welchen Bedingungen? So einfach wie Herr Maibaum das mitteilen lässt, ist es leider nicht.“

Der Anzeiger hatte am Freitag berichtet, dass im Geschäftsbericht des Klinikums für 2018 ein Rekord-Defizit von 1,7 Millionen Euro aufgelaufen ist. Erheblich dazu beigetragen hat offensichtlich der Einbruch der Patientenzahlen im letzten Quartal 2018.

Da im Schnitt pro Behandlungsfall Kosten von 3 500 Euro abgerechnet werden, hatten die Verantwortlichen des Klinikums den Ausfall auf rund 1,4 Millionen Euro beziffert.

Doch nicht jeder Leser teilt solche Berechnungen. Wenn 400 Patienten nicht kommen, entstünden auch keine Kosten, heißt es da. Doch diese Betrachtungsweise blendet freilich aus, dass der Großteil der Kosten auch ohne Vollauslastung der Betten weiterläuft – vor allem fürs Personal.

Zu denken gibt einem Leser, dass sich das Klinikum bundesweit in großer Gesellschaft von Krankenhäusern befindet, die ebenfalls mit Verlusten zu kämpfen haben. Er schreibt: „Bildung und Gesundheit sollten uns etwas wert sein und nicht unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. Geld ist da – es geht nur in die falschen Taschen!“

Schließlich enthalten die Leser-Kommentare noch einen Hinweis auf weitere Verluste: Neben dem im Geschäftsbericht für das Klinikum aufgeführten Minus von 1,7 Millionen Euro kommen über 300 000 Euro für die Defizite der beiden Tochtergesellschaften Service GmbH und Vitales in Unna hinzu. Diese Zahlen sollen in der Ratssitzung am Mittwoch zur Sprache kommen, bestätigt ein Mitglied des Aufsichtsrats. Im Rat werde es um das gesamte Konzernergebnis aus Klinikum und den beiden Töchtern gehen.

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