Prozess vor der 6. Großen Strafkammer am Landgericht Arnsberg

So lautet das neue Urteil gegen den Soester Taxi-Räuber

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Soest/Arnsberg - Um mehr als ein Jahr ist die Gefängnisstrafe für den Soester Taxiräuber, der im Winter 2016/17 drei Fahrer ausgeraubt hat, aufgestockt worden. Das Landgericht verurteilte den 29-jährigen Soester Studenten nun zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung. Der Bundesgerichtshof war der Revision der Staatsanwaltschaft teilweise gefolgt, die eine härtete Strafe verlangt hatte.

Wie viel der aus Ghana stammende Angeklagte davon noch in der Hammer JVA verbüßen muss, ist offen. Seine Anwältin hat am Freitag erklärt, der Mann wolle so schnell wie möglich in seine Heimat abgeschoben werden: „Er hat schon für November einen Flug gebucht.“

Der Wunsch nach einer Rückkehr zur Familie wäre nachvollziehbar: In Ghana warten seine Lebensgefährtin und drei Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren sowie die Mutter des Angeklagten, die ihren Sohn finanziell stets unterstützt hat.

Spielschulden mit Überfällen "wettgemacht"

Weil das Geld dennoch nicht reichte, hatte er „allabendlich“ sein Glück im Casino auf der Hohensyburg versucht und Spielschulden mit den Überfällen kompensieren wollen.

Fast zwei Jahre liegt der Überfall auf die Taxifahrerin zurück. Doch aus ihrem Kopf bekommt die heute 56-Jährige die nächtliche Attacke nicht. „Ich habe noch heute Angst und schließe mich ein“, schildert die Lippetalerin dem Gericht. 

Wenn sie nachts einen Mann als Fahrgast aufnehmen solle, bitte sie gern den Fahrer im Taxi hinter ihr, den Kunden zu fahren. Doch oft genug habe sie diese Möglichkeit nicht.

Als der Überfall passierte, damals an dem eiskalten Januar-Tag 2017 nachts um kurz nach drei Uhr, „habe ich Todesängste gehabt“. Und die verschwanden keineswegs, als der Mann sich das Portemonnaie mit den 400 Euro geschnappt hatte und davongelaufen war. 

"So lange der Täter noch frei war, was es sehr schlimm"

„Im Portemonnaie lagen mein Ausweis, mein Führerschein, mein Personen-Beförderungsschein. So lange der Täter noch frei war, war es sehr schlimm.“ Warum auch immer spukte im Kopf des Opfers herum, der Mann könnte der Frau noch ein zweites Mal zusetzen, jetzt, wo er Namen und Adresse kannte. 

Erst als die Polizei den Studenten nach einem weiteren Taxiüberfall im Februar 2017 festnahm, „wurde es etwas besser“.

600 Euro Schadensersatz per Anruf bei der Bank

Verärgert hat die Taxifahrerin damals der Brief eines Rechtsanwalts, der im Namen des Beschuldigten 200 Euro Wiedergutmachung anbot. „Ich lass mich doch nicht kaufen“, sagt die 56-Jährige. 

Ihr Kollege, das zweite der drei Opfer, habe das Geld annehmen wollen, später aber erfahren, bei dem Räuber sei eh nichts zu holen. „Was für eine Dreistigkeit!“

Dreist schon deshalb, weil Taxifahrer nun wirklich nicht auf Rosen gebettet sind: Mindestlohn, nicht mal Nachtschichtzulagen. Bei den Opfern, so die Frau, stellte sich gar nicht die Frage, sich wegen der traumatischen Erfahrungen professionelle Hilfe zu besorgen oder sich krank schreiben zu lassen – sie mussten einfach weiter arbeiten, um über die Runden zu kommen.

Tattoo verbirgt die Narbe auf dem Unterarm

Inzwischen hat der Student eine neue Anwältin. Auch sie hat, weil so etwas bekanntlich Punkte vor Gericht gibt, mit der Taxifahrerin vor Gericht den Schaden noch mal abgerechnet: 400 Euro Beute, 90 Euro für die Wiederbeschaffung der drei gestohlenen Dokumente, 50 Euro für ein Tattoo auf dem Unterarm, um die Narbe durch den Messerschnitt zu verbergen.

Die Anwältin rundete auf, bot 600 Euro an und telefonierte noch im Gerichtssaal mit der Bank des Inhaftierten, das Geld umgehend zu überweisen.

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