Ursula Schulze zur Wiesch wird Soester Tafel verlassen

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Frau Schulze zur Wiesch verlässt die Tafel.

Soest - Ursula Schulze zur Wiesch gehört fast von Anfang an zur Tafel. Nun hat sich die Koordinatorin entschlossen, aufzuhören und in den Ruhestand zu gehen. Ein Schritt, der ihr nicht leichtfällt.

„Sie ist das Gesicht der Soester Tafel!“ Das sagt der Vorsitzende Michael König über die langjährige Mitarbeiterin, die in der Organisation die Fäden fest in der Hand hält. Sie wehrt sich gegen das Wegschmeißen und setzt sich dafür ein, den Wert von Lebensmitteln zu erkennen und zu schätzen.

 Hier Menschen, die im Überfluss leben, und dort Alleinerziehende, Familien, Rentner, die kaum satt werden – dagegen möchte Ursula Schulze zur Wiesch etwas tun. Sie erinnert sich noch an die Anfänge vor gut 20 Jahren: In der „Niere“ – der früheren Gaststätte am Busbahnhof – standen mittags 20 bis 30 Essen auf den Tisch. Heute – im Thomägemeindehaus – sind es 100. Dazu kommt die Tütenausgabe: Die Kunden stehen Schlange, um abzuholen, was andere spenden. Die 63-Jährige weiß: Wer zur Tafel kommt, dem geht es nicht nur darum, den Kühlschrank aufzufüllen, sondern häufig auch darum, nicht allein zu sein. Das Haus ist ein gut besuchter Treffpunkt. 

Stammgäste haben ihren festen Platz und lassen es sich am liebsten in Gesellschaft schmecken. Mancher schaut schon morgens um 9 Uhr rein, holt sich einen Kaffee und freut sich, wenn er jemanden zum Plaudern trifft. „Es hat einfach immer Spaß gemacht. Es gab nichts Schöneres“, antwortet Ursula Schulze zur Wiesch auf die Frage, warum sie der Tafel bis heute treu blieb. „Es war mir schnell klar, wie sinnvoll diese Aufgabe ist“, berichtet sie. 

Sie weiß noch, wie sie zu Beginn staunte, welch gewaltige Massen ausgemusterter Lebensmittel anfallen: palettenweise Zucchini, die nicht das perfekte Grün haben, Gurken, die nicht krumm genug sind, Kartoffeln, die aus der Kiste gefallen sind, Sellerie, der nur deshalb komplett aussortiert wird, weil einige Knollen schadhafte Stellen haben... „Wer soll das verstehen?“, fragt sie. 

Begeistert ist sie vom gesamten gut aufgestellten Team, das Hand in Hand arbeitet. „Da ist die ganze Bandbreite vertreten“, betont sie. Ob der Pastor im Ruhestand, die Kollegin an der Nummernausgabe, die Rentnerin, die nach dem Berufsleben noch etwas Nützliches leisten wolle, die 1,50-Euro--Jobberin, die gern wieder eine feste Stelle hätte, der Langzeit-Arbeitslose oder die junge Frau, die nach der Schulzeit eine Auszeit nehme und viele mehr – alle packten mit an, einer stehe für den anderen ein. „Das ist einfach toll“, sagt Ursula Schulze zur Wiesch. „Geht nicht, gibt’s nicht. Erst einmal gucken, das kriegen wir hin“, lautet die Devise. 

Irgendwie findet sich immer eine Lösung – egal wie viele Gartenbesitzer gleich bergeweise frisch geerntetes Obst liefern, wie viele Kartons Pudding „zur Abholung bereitstehen“, wie viele Räder Käse in die Kühlung gerollt werden. Nur einmal wurd’s etwas schwierig: Da galt es, im Sommer 240 Eistorten zu verteilen. Doch auch das wurde bewältigt. 

Ursula Schulze zur Wiesch, zweifache Oma, sagt Tschüss – aber erst, wenn die Nachfolge geklärt ist und sie genau weiß, dass der Betrieb reibungslos weiterläuft. Wer zieht demnächst in ihr Büro ein? Wer die Position übernehme, der müsse „mit Menschen können“, antwortet Michael König. Im Mai soll die Stelle besetzt werden.

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