Kunstverein und Stadt zeigen Künstlerpaar in Westfalen

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Die Viegener-Ausstellung wird im Kunstsaal vorbereitet von (von links) Inga Schubert-Hartmann, Vorsitzende des Kreiskunstvereins, Viegener Sohn Florian und seiner Frau Christa sowie Beiratssprecher Dieter Gallenkamp. Die beiden überdimensionalen Porträts begrüßen die Besucher am Eingang des Kunstsaals.

Soest - So hat man die beiden noch nie gesehen: Annemarie und Eberhard Viegener, die sich gegenseitig anschauen, auf zwei jeweils 2,10 Meter hohen Gemälden aus dem Jahre 1956. Die Porträts des Paares begrüßen den Besucher am Eingang der Ausstellung „Sterne haben gläserne Flügel“.

Diese wird anlässlich des 125. Geburtstags von Eberhard Viegener am Pfingstsonntag im Kunstsaal eröffnet.

Die Schau ist keineswegs nur ein Huldigung an den Soester Eberhard Viegener (1890-1967), den seinerzeit weithin bekannten Künstler, der noch 1960 zum Professor ernannt wurde. Vielmehr erinnert die Ausstellung ebenso an die Künstlerin Annemarie Viegener (1916-2003), die seine Muse, Schülerin und Ehefrau war.

Es geht um die Beziehung der beiden zueinander und zum Publikum, das stets regen Anteil an Leben und Werk des Paares nahm.

Wegen der Renovierung des Morgner-Hauses wird die Retrospektive im Kunstsaal gezeigt – dafür haben sich Kreiskunstverein und die Stadt Soest als Kooperationspartner Werke aus eigenen Beständen und aus Privatbesitz zusammengetragen, die zum Teil noch nie öffentlich zu sehen waren. Einige wichtige Werke steuerten Viegener-Sohn Florian und seine Frau Christa bei.

Die Erben machten Bilder zugänglich, die lange wie versteckt waren und nie gezeigt wurden. Auf diese Weise kann die Schau mit rund 35 Exponaten einen Überblick geben über die entscheidenden Schaffensperioden Eberhard Viegeners, über seinen künstlerischen Einfluss auf Annemarie, über ihre Emanzipation von seiner Kunstauffassung und ihre spätere eigene Entwicklung.

Neben dem frühesten Werk aus dem Jahre 1919 von Eberhard hängen Exemplare seiner Lackbilder, die ihn zum Wegbereiter des Kubismus und der Neuen Sachlichkeit machten.

Annemarie ist mit ihrem typischen Bild „Eva in der Toskana“ von 1989 vertreten – einem Pendant zu Tischbeins Gemälde „Goethe in der Campagne“ und zu dem Bild „Der Dichter Theodor Däubler“ ihres Mannes. Beispiele aus späteren Jahren zeigen, wie ihre zahlreichen Reisen ihre Kunst beeinflusst haben.

Das Künstlerpaar war über Westfalen hinaus bekannt. Am auffälligsten für Außenstehende war der Altersunterschied von 26 Jahren zwischen dem renommierten Maler und der ehemaligen Ausdruckstänzerin.

Als sie sich 1944 kennenlernten, hatte sie ihren Traum vom Tanzen wegen eines Unfalls aufgeben müssen. Er hatte bereits eine künstlerische Karriere hinter sich. Als seine Schülerin stand sie zunächst in seinem Schatten, behauptete sich am immer mehr und entwickelte nach seinem Tod eine eigene künstlerische Handschrift.

Fotos – auch darunter einige unbekannte – ergänzen die Erinnerungsrevue. - bs

Eröffnung Pfingstsonntag, 24. Mai, um 11 Uhr im Kunstsaal, Klosterstraße. Zur Begrüßung spricht Bürgermeisterin Christiane Mackensen, die Einführung gibt Inga Schubert-Hartmann. Angela und Gero Troike übernehmen die musikalische Umrahmung. Bis 28. Juni.

Erinnerung an Annemarie

Am 30. Mai wäre Eberhard Viegener 125 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass laden Stadt Soest und Kreiskunstverein um 17 Uhr zu einer „Talkrunde“ in den Kunstsaal ein, bei der sich Zeitzeugen an Eberhard, vor allem aber an Annemarie erinnern. Anekdoten, Erfahrungen und Berichte von Begegnungen machen die früheren Zeiten wieder präsent. Alle, die zur Erinnerung an die besondere Persönlichkeit beitragen möchten, sind willkommen. Die Moderation übernimmt Museumsleiterin Dr. Annette Werntze.

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