Je größer der Laden, umso mehr Menschen dürfen rein

Kunden werden an Einkaufswagen abgezählt

In kleine Läden dürfen nur wenige Kunden. Jeder muss mindestens 10 Quadratmeter Platz haben.
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In kleine Läden dürfen nur wenige Kunden. Jeder muss mindestens 10 Quadratmeter Platz haben.

Soest - Wenn es nach Einzelhändlern in Soest und Werl ginge, sind die strengeren Corona-Regelungen, auf die sich Bund und Länder Mitte der Woche geeinigt haben, weitgehend überflüssig. Die meisten heimischen Händler haben den Zugang zu ihren Geschäften längst beschränkt. Ein Kunde pro zehn Quadratmeter darf in ein kleines Geschäft und einer pro 20 Quadratmeter in einen über 800 Quadratmeter großen Laden – so will es die Politik und so machen‘s die Händler.

Beispielhaft sind die Edeka-Märkte Sauer in Werl, Westönnen und Welver. In den mit 550 Quadratmeter kleinsten Laden in Westönnen dürften theoretisch 55 Kunden gleichzeitig betreten, genauso viele wie den 1100 Quadratmeter großen Markt in Werl. „Aber das würde zu eng. In den Läden stehen ja auch Regale und Verkaufsstände“, sagt Junior-Chef Maximilian Sauer. Darum sind in seinem kleinsten Markt nur 25 Kunden erlaubt, in den anderen entsprechend mehr. „Das ist ein entspanntes Einkaufen“, meint Sauer. Wenn es zu eng werde, fühlten sich weder Kunden noch Personal wohl.

Ein Einkaufswagen pro Kunde – das ist schon seit Wochen Pflicht in den Sauer-Märkten. Ab Montag, 14. Dezember, werden die Einlassbeschränkungen von zwei Personen kontrolliert, die auch die Wagen desinfizieren. Wegen des erwarteten Andrangs will Sauer seine Märkte in der Woche vor Weihnachten länger offen halten.

„1 200 Menschen!“ Hans Kanne, Geschäftsführer von Möbel Wiemer lacht. So viele Kunden dürften theoretisch in seinen 24 000 Quadratmeter großen Soester Möbelmarkt. „So viele Parkplätze haben wir ja gar nicht. Wenn tatsächlich so viele Leute zu uns kämen, müsste die Polizei schon auf der Niederbergheimer Straße den Verkehr regeln.“ Selbst an verkaufsoffenen Sonntagen bestehe nicht die Gefahr der Überfüllung. Kanne bleibt gelassen: Erst wenn sämtlich 500 Parkplätze besetzt seien, würde er sich Maßnahmen überlegen.

Ähnlich reagiert Guido Münstermann, Chef von Turflon in Werl. Selbstverständlich werde gezählt, wie es Vorschrift sei, aber: „2 600 Leute dürften auf unsere Verkaufsfläche von 53 000 Quadratmetern. Das sind zehnmal mehr als wir jetzt im Geschäft haben. Ich wüsste gar nicht, woher die kommen sollten“.

Weniger lustig findet Marcel Klapschinski, Leiter des Rewe in der Soester Innenstadt, die Sache. Vor dem 1 500 Quadratmeter großen Markt befindet sich unter dem selben Dach eine Bäckerei-Theke, eine Lotto-Toto-Annahmestelle, ein Zeitschriften- und ein Blumenhändler. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. „Was meinen Sie, was hier los ist, wenn sich da Schlangen bilden würden, weil der Markt mit 70 Leuten voll ist?“, fragt Klapschinski.

Außerdem wollte man die Regelung „je Kunde ein Einkaufswagen“ eigentlich vermeiden. Denn der Marktleiter ist davon überzeugt, dass auf diese Weise viele potenzielle Kunden abgeschreckt würden. „Viele kaufen einfach nur mal schnell ne Flasche Cola. Da nimmt man doch nicht extra einen Wagen“, sagt er. Er persönlich finde es hinderlich, wenn er mit seiner Partnerin einkaufe gehe und beide je einen Einkaufswagen schieben müssten.

„Wir müssen mal schauen“, sagt Klapschinksi, „vielleicht fällt uns ja noch eine bessere Regelung ein.“

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