Soester Wirtin Ria Utecht seit 50 Jahren am Zapfhahn

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Rita Utecht sagt über ihre Zeit im "Go In": "Es gibt nur gute Erinnerungen."

Soest - Bananenmilch und dazu ein Käse-Schinken-Toast – einfach lecker. Das jedenfalls dachte das junge Publikum, das sich einst am Kungelmarkt die Spezialitäten des Hauses schmecken ließ. Milk-Shakes in unterschiedlichen Geschmacksnoten lagen vor 50 Jahren voll im Trend. Ria Utecht und ihr „Go In“ feiern Goldjubiläum.

Blickt die Wirtin auf die vielen Jahre seit der Eröffnung des Soester Kult-Lokals zurück, dann sagt sie: „Es gibt nur gute Erinnerungen. Wir hatten nie Ärger. Alles lief harmonisch.“

Lachend fügt die heute 78-Jährige hinzu: „Meine Stammgäste sind mit mir grau geworden.“ Das gilt zum Beispiel für das ein oder andere Pärchen, das sich im „Go In“ kennenlernte, später vor den Traualtar trat und auch dann noch immer wieder gern auf den Drehstühlen an der Theke oder auf den bequemen Polsterbänken Platz nahm. „Schön war die Zeit“, meint die gebürtige Soesterin und strahlt.

Pennäler von früher geben gern zum Besten, wie sie bei Ria und der langjährigen Mitarbeiterin Rosi schnell noch die Hausaufgaben abpinnten, während sich auf dem Plattenteller die neuesten Hits drehten. Die Top Ten der Charts dudelten rauf und runter. Abends hieß es: „Musikbox aus, Blagen raus!“ Dann kamen die reiferen Semester, und im Hintergrund liefen beliebte Titel fürs gesetzte Alter, die Ria Utechts Mann Rolf mit dem Tonband abspielte. 

Ria Utecht in jungen Jahren mit "Tante Änne", die viele Soester noch kennen

Licht aus Messing-Lampen mit Fransen, Polster in gedeckten Farben, dunkles Holz – so kennen die Gäste das „Go In“ seit Jahren. Sie mögen das gediegene Ambiente in Retro-Optik, das einen besonderen Charme ausstrahlt. Rita Utecht möchte, dass es im Gastraum gemütlich ist, so wie früher. Deshalb hat sie den Thekenbereich auch im ursprünglichen Stil erhalten. Sie freut sich über die vielen netten Gäste, die dem Treffpunkt im Kern der Stadt schon ewig die Treue halten.

Die Soester KuEine Gruppe von Agrarstudenten schloss sie besonders ins Herz. Für sie schmierte sie einst Bütterchen, damit die jungen Kerle nicht vom Fleisch fielen. „Fürs Bierchen reichte ihr Geld gerade noch“, schildert sie mit einem Schmunzeln, bei Ria kriegten sie auch was zu essen. Und die leckeren belegten Schnittchen haben sie nie vergessen. 

Als die gestandenen Ingenieure nämlich einmal am Fachhochschul-Ort ein Wiedersehen der Ehemaligen feierten, ging’s mit einem dicken Blumenstrauß zur Soester Stammpinte. Das „Go In“ sei ihre Welt, betont die Seniorin, die über der Gaststätte wohnt und abends gern noch einen Blick auf den Betrieb wirft. Sie denkt oft an ihren verstorbenen Mann, der seinerzeit mit der Idee, in Soest ein Lokal im Club-Stil einzurichten, neue Wege ging. 

Das Konzept ging auf und gab dem Leben der Eheleute eine Wende. Ria Utecht, die eine kaufmännische Lehre gemacht hatte, pflegte nun die Gastfreundschaft, sie ist seither Wirtin mit Herz und Seele. Rolf Utecht – eigentlich Fotokaufmann von Beruf – sorgte für den passenden Rahmen, beide setzen sich an der angesagten Soester Adresse gemeinsam dafür ein, dass sich alle, die zu ihnen kamen, rundum wohlfühlten. Das „Go In“ ist beliebt, auch heute – und viele freuen sich schon auf frische Waffeln und Tiroler Apfelstrudel in der Adventszeit.

Feier am 23. November 

Live-Musik stand bei Ria Utecht immer hoch im Kurs. Viele Soester erinnern sich noch daran, wie sie in den 80er-Jahren auch das Bistro im Jakobihof führte und zum Tanz in den Mai oder zum Konzert am Bördetag einlud. Musik spielte auch in ihrem Lokal „Viva“ (früher Walburger Hof) eine Rolle. Das „Go In“ öffnete im Oktober 1969. Am Samstag, 23. November, wird gefeiert. Ria Utecht lädt zur Party mit dem Acoustic-Affair Duo ein.

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