Soester Künstler in Wettringen: Alle gemeinsam, jeder individuell

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Angekommen sind die Künstler aus Soest in Wettringen (von links) Ada Klar, Nina Lieven, Marcel Häkel, Knut Kargel und Alexander Klar. In der vom Abriss bedrohten Kirche haben sie Ateliers eingerichtet.

Soest/Wettringen - „Ja, wir sind gut angekommen“ sagen die fünf Künstler aus Soest, die im Kreis Steinfurt auf Einladung des Wettingers Berthold Krümpel die Künstlergemeinschaft Wettringen gegründet haben. Sie fühlen sich wohl in ihrem neuen Zuhause.

In einem ehemaligen, vom Abriss bedrohten Kirchengebäude haben sie sich ihre Ateliers eingerichtet (der Anzeiger berichtete). „Es war Liebe auf den ersten Blick“, schwärmt Alexander Klar. „Als wir hier ankamen, auf diesem weitläufigen Gelände und vor dem imposanten Kirchengebäude standen, wurden bereits die ersten Umzugspläne geschmiedet.“ 

Die fünf Künstler, die seitJahren befreundet sind, hat der gemeinsame Umzug ins Unbekannte und die Anstrengung, Wohnateliers in dem alten Gemäuer zu installieren, zusammengeschweißt. Seitdem dient die ehemalige Kirche des St. Josefshauses Wettringen ihnen als inspirierende Wirkungsstätte und soll zum Atelier- und Ausstellungsort ausgebaut werden. 

Unter dem Motto „Op zondag naar de kerk“ stellen sich die neuen Bewohner den Wettringer Bürgern und Kunstinteressierten vor und laden zum Gespräch und Austausch über ihre Arbeit ein. So ähnlich sich die Fünf in ihrer Begeisterung für das Josefshaus sind, so unterschiedlich ist ihre Arbeitsweise. Marcel Häkel geht häufig in der Natur auf Entdeckung. 

„Dort begegne ich den Grundelementen, die in den Kreislauf meiner Arbeit einfließen“, sagt Häkel über seine Gemälde, Fotos und Skulpturen. „Das Wahrnehmen der kleinen Dinge gibt mir die Möglichkeit, in ihnen die wahre Größe und Bedeutung zu entdecken.“ Am anderen Ende des Gebäudes verarbeitet Knut Kargel Kunststofffolien. „Melted Collages“ nennt er die von ihm selbst erfundene Technik, bei der er mit Bügeleisen Folien zu Farbflächen verschweißt und diese teilweise übermalt. 

Daneben präsentiert der Absolvent der Kunstakademie Münster und Meisterschüler von Udo Scheel neue Ölgemälde, traditionell auf Leinwand gearbeitet. Ähnlich aufgespannt zwischen klassischen Techniken Zeichnung und Radierung und modernen Medien wie Objekten und Rauminstallationen liegt das Werk von Ada Klar. Gemeinsam haben ihre Arbeiten den ihr eigenen Blick auf die „Welt hinter dem Offensichtlichen oder die im Verborgenen liegenden Stimmungen und Seinszustände.“ 

Gleich nebenan ist das Atelier von Nina Lieven, die in Collagen, Bildern und Objekten das Zusammenspiel individueller und kollektiver Entwicklungen verarbeitet und deren geschichtliche Wiederholung in den Fokus nimmt. „Besonders faszinieren mich die auf den ersten Blick unvereinbar erscheinenden, doch nebeneinander bestehenden, Bedürfnisse und Gefühle.“ 

Im Atelier von Alexander Klar im ersten Obergeschoss sind dagegen konkret nur wenige Arbeiten zu sehen. An den Wänden hängen Skizzen und Konzepte. „Zwischenideen“ nennt er seine Produktionen, Denkanstöße, die weitergedacht werden können. „Ich betrachte Gesellschaftsphänomene, gehe Sprachauffälligkeiten auf den Grund – häufig bis zur Absurdität, einem Ort, wo für mich die Realität brüchig wird.“

Die fünf Künstler sind zurzeit in der Ausstellung „Kunst im Bunker“ in Soest vertreten. Ihre Ateliers im Josefshaus, Dorfbauernschaft 31 in Wettringen sind am zweiten und dritten Sonntag im September (11. und 18. September) von 15 bis 20 Uhr geöffnet. Info: www.kgw.st

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