Stadt könnte Pläne verhindern

Angst vor "Extrablatt" in Soest - das macht Gastronomen und Politik Sorge

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Nur 70 Quadratmeter will die Stadt auf dem Markt für die Außengastronomie genehmigen. "Cafe Extrablatt" reicht das nicht.

Soest – Noch sind keine Verträge unterschrieben und noch ist nicht klar, ob es die nötigen Voraussetzungen für die Ansiedlung eines „Café Extrablatt“ in Soest überhaupt geben wird. Aber die Sorge davor ist bereits groß, sowohl bei vielen Gastronomen in der Altstadt als auch in Teilen der Politik.

„Ein Betrieb dieser Art und Größenordnung wird die attraktive Gastronomie-Szene, wie wir sie kennen und um die uns viele Städte beneiden, zerstören“, ist Thorsten Pälmer sicher. Der Inhaber des Hotels „Im Wilden Mann“ versichert, dass es ihm dabei weniger um eigene Umsatzeinbußen gehe, als um die generelle Aufenthaltsqualität in der Altstadt. 

„Alle Kaufleute hier leben nicht nur von den Soestern, sondern auch von auswärtigen Besuchern“, erklärt Pälmer. Seine Vorbehalte gegen die Ansiedlung einer Systemgastronomie wie das „Café Extrablatt“ seien vor allem darin begründet, dass kleinere und inhabergeführte Lokale und Cafés dann in ihrem Bestand gefährdet seien. 

Gerade diese Betriebe aber machten für viele Touristen und andere Besucher einen beträchtlichen Teil des „besonderen Charmes und Flairs“ der Soester Altstadt aus. Andere Gastronomen teilen Pälmers Bedenken durchaus, namentlich genannt werden möchten sie aber lieber nicht. 

Stadt: Nur 70 Quadratmeter auf dem Markt

Eine Stellungnahme der Stadt lässt vermuten, dass die Befürchtungen der Gastronomen unbegründet sein könnten. Nach einer „informellen Anfrage“ seien „Beratungsgespräche“ mit Vertretern von „Extrablatt“ und Immobilieneigentümer Max Kress geführt worden, erklärte Sprecher Thorsten Bottin gegenüber dem Anzeiger. Dabei sei es auch um das Thema Außengastronomie gegangen, für die Gastro-Kette ein entscheidendes Kriterium für eine Ansiedlung. Ein „formeller Antrag“ auf Sondernutzung, der für den Aufbau von Tischen und Stühlen auf dem Markt nötig wäre, sei aber nicht gestellt – und damit auch nicht geprüft – worden, so Bottin. 

Das dürfte daran gelegen haben, dass die Vorstellungen von Extrablatt und Kress sowie der Stadt meilenweit auseinander liegen. Nach Angaben von Carsten Dreyer, bei „Extrablatt“ zuständig für Immobilien, will das Unternehmen deutlich mehr als das übliche Minimum von 80 Plätzen für Außengastronomie auf dem Markt – und nennt als Begründung auch die Flächen anderer Betriebe in der Nachbarschaft.

Das ist der Haken

Die Stadt lässt dieses Argument nicht gelten. „Welche Fläche genehmigt werden kann oder wie groß diese Fläche sein kann, orientiert sich grundsätzlich nicht an der Größe eines Gastronomiebetriebs, an der Zahl der Sitzplätze im Innenbereich oder an der Größe anderer Gastronomiebetriebe mit Außenplätzen in der Umgebung“, betont Bottin. Und weiter: „Maßgeblich ist vielmehr, dass Rettungswege für die Feuerwehr, Aufstellflächen für das Anleitern bei der Brandbekämpfung und Fahrwege für den weiteren Verkehr frei bleiben, zum Beispiel Lieferverkehr.“ 

Auf dieser Grundlage könnten nicht mehr als 70 Quadratmeter für Außengastronomie auf dem Markt zur Verfügung gestellt werden, zuzüglich der zum Grundstück des Gebäudes Markt 13 gehörenden Fläche. 

Für „Extrablatt“ ist das viel zu wenig. Mehr als 60 Plätze dürften damit auf dem Markt für das Café nicht drin sein – also nicht „deutlich mehr“ als 80 Plätze, sondern deutlich weniger.

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