Mitarbeiter werden heute informiert

Soester Klinikum in der Krise: Bürgermeister optimistisch - weitere Millionen-Spritze

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Klinikum Stadt Soest

Das Klinikum Stadt Soest steht anscheinend vor weiteren drastischen Sparmaßnahmen. In einer dürren Pressemitteilung, die das Ergebnis der Ratssitzung vom 27. Januar zusammenfasst, ist von einem Konsolidierungskurs die Rede.  Wie genau der aussehen soll, darüber will die Geschäftsführung die Mitarbeiter am Dienstagnachmittag informieren. 

  • Fürs Erste hat der Stadtrat ein weiteres Gesellschafter-Darlehen über 2,3 Millionen Euro bewilligt, um den Betrieb im Klinikum am Laufen zu halten.
  • Nach der geplatzten Fusion kündigt das Klinikum Stadt Soest einen Konsolidierungskurs an.
  • Details sollen am Dienstagnachmittag zuerst den Mitarbeitern mitgeteilt werden. 
  • Einsparungen und Einschnitte sind zu erwarten.

Mitglieder des Stadtrats und des Aufsichtsrats haben am Montagabend drei Stunden lang die Lage erörtert. "Es ist sehr ernst", heißt es übereinstimmend von Teilnehmern, die namentlich nicht genannt werden möchten. Das Grundproblem des städtischen Krankenhauses: Es ist schnell gewachsen, aber mit ihm nicht die Erlöse. Es gehe nun darum, alles auf den Prüfstand zu heben und die Geschäftspolitik des Krankenhauses neu zu justieren.

Klinikum in der Krise: Das sagt Soests Bürgermeister

"Unser Ziel ist es, das Krankenhaus wieder schnell in die wirtschaftliche Spur zu bringen", sagt Soests Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer gegenüber dem Anzeiger. Der Rathaus-Chef zeigte sich optimistisch, dass dies wegen der "guten Substanz des Hauses und der hervorragenden Mitarbeiter" gelingen werde. So gesehen seien die frischen 2,3 Millionen Euro ein "Vertrauensvorschuss". Man erwarte nun im ersten Halbjahr die nötigen Details und Vorschläge, wie die Konsolidierung im Einzelnen aussehen werde.

Einen guten Eindruck, so schildern andere Ratsmitglieder, habe der neue Geschäftsführer des Klinikums, Sven Freytag, am Montagabend beim Stadtrat und beim Aufsichtsrat hinterlassen. Obwohl er erst am 2. Januar in Soest begonnen habe, sei es ihm gelungen, "Tabula rasa" zu machen und die wichtigsten Ursachen für die wirtschaftliche Schieflage zu identifizieren. Man traue ihm die nötigte Kreativität zu, aus der schwierigen Lage herauszufinden. "Er versteht sein Handwerk."

Geheime Sitzung: Teilnehmer überrascht

Gleichwohl zeigten sich Teilnehmer der geheimen Sitzung überrascht, dass jetzt erneut ein Darlehen in siebenstelliger Höhe werde. Das habe man zwar geahnt und niemals ausgeschlossen; doch der frühe Zeitpunkt für  das Nachschießen mit frischem Geld nach dem ersten Darlehen vor knapp zwei Jahren und die Höhe des neuen Kredits  seien so nicht erwartet worden. Auf jeden Fall sei die Finanzspritze für das Klinikum im "breiten Konsens" vereinbart worden; auf jegliche Parteipolitik und  Polemik sei in der mehrstündigen Debatte verzichtet worden. 

Bürgermeister Ruthemeyer formuliert es so: "Der Stadtrat hat seine Verantwortung wahrgenommen und mit dem 2,3-Millionen-Gesellschafter-Darlehen den Weg geebnet, den Konsolidierungs-Kurs zu beginnen." 

Nach der Sitzung hatten Stadt und Klinikum eine erste knappe Pressemitteilung herausgegeben. In ihr heißt es wörtlich: "Nachdem eine Krankenhausfusion in Soest in der vergangenen Woche durch eine negative Aussage des Bundeskartellamtes verhindert wurde, wird das Klinikum Stadt Soest einen Konsolidierungskurs einleiten, um die eigene Ertragskraft zu sichern. Der Rat der Stadt Soest hat dieses Vorgehen durch ein entsprechendes Votum am Montag, 27. Januar 2020, befürwortet. Das Klinikum zieht damit die Konsequenzen aus weiteren strukturellen Maßnahmen im Gesundheitswesen, die sich ergänzend zu der bekannt knappen Liquiditätslage des Hauses ergeben haben."

Klinik auf Konsolidierungskurs: Noch keine Details

Wie genau das im Einzelnen aussehen soll, darüber gibt es zunächst keine Informationen. 

Frank Beilenhoff, Pressesprecher des Klinikums, verweist auf Nachfrage unserer Zeitung auf die Geschäftsführung und damit den neuenGeschäftsführer Sven Freytag, der das schwere Erbe des strauchelnden Krankenhauses erst vor wenigen Wochen angetreten hatte. 

Ihm sei bewusst, so Beilenhoff, dass diese Pressemitteilung  oberflächlich sei. Die Geschäftsführung wolle nicht der Mitarbeiterversammlung vorgreifen, die spontan für den  späten Nachmittag  einberufen sei.

Dort soll dann auch den Beschäftigten erläutert werden, was genau sich hinter dem sogenannten "Konsolidierungskurs" verbirgt, sprich,  wo genau jetzt noch der Rotstift angesetzt werden soll, um die Klinik finanziell über die Runden zu bringen.

Erst vor einer Woche hatte das Bundeskartellamt einer Fusion der beiden Soester Krankenhäuser eine Absage erteilt

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