Polizei klärt auf

Statistik: Darum lebt es sich sicherer im Kreis Soest

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Spektakulärer Fang: Im April nahm die Polizei im Kurpark Bad Sassendorf einen 81-jährigen Serieneinbrecher fest.

Kreis Soest - Die Kriminalitätsstatistik der Kreispolizeibehörde weist in fast allen Bereichen niedrigere Fallzahlen auf, gleichzeitig steigt die Aufklärungsquote. „Wir leben sicher im Kreis soest“, lautet daher das Fazit von Benjamin Aufdemkamp, Leiter der Direktion Kriminalität.

Am Mittwoch präsentierte die Polizei ihre Zahlen der Öffentlichkeit. „Wir haben gute Erfolge erzielt“, sagt Jochen Brauneck, Chef der Kreispolizei, vor allem mit Blick auf die drastisch gesunkene Zahl von Wohnungseinbrüchen.

Auch insgesamt ist die Zahl von Straftaten vom Höchststand 2014 mit 18.738 Delikten auf 16.175 im vergangenen Jahr gesunken. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote von 55 auf 58 Prozent. Besonders erfolgreich waren die Beamten bei der Bekämpfung der Straßenkriminalität. „Dieses Thema interessiert uns ganz besonders“, betont Aufdemkamp. Während die Zahl der Straftaten in den Kernbereichen der Straßenkriminalität (Raub, sexuelle Übergriffe, Diebstahl und Sachbeschädigungen) von 5115 (2014) auf 4648 (2018) sank, stieg die Aufklärungsquote um vier Prozentpunkte von 18 auf 22. Das ist nach Ansicht des Kripochefs „sehr erfreulich“ und sorge für „ein gutes Gefühl, das die Bürger im Kreis Soest haben können“. Nachholbedarf gibt es allerdings im Bereich der gefährlichen Körperverletzung auf Straßen, Wegen und Plätzen. Hier wurde – wenn auch nur knapp – mit 231 Fällen ein Fünfjahres-Höchststand erreicht. Insgesamt zeige der Rückgang der Kriminalität aber, „dass es richtig ist, was wir hier machen“.

Äußerst zufrieden blicken Benjamin Aufdemkamp (links) und Jochen Brauneck auf die Polizeistatistik des letzten Jahres.

Ob die Entwicklung in den kommenden Jahren so erfreulich bleibt, sei ungewiss. Dahinter stecke „kein Automatismus“. Der Erfolg hängt nicht zuletzt von der personellen Ausstattung ab. Das Land stellt zwar zunehmend junge Menschen ein. Die sind aber erst im nächsten oder übernächsten Jahr voll einsatzfähig.

"Bei der Präsentation der Statistik 2019 wollen wir wieder mit einem breiten Grinsen hier sitzen", Jochen Brauneck

Was die Situation im Kreis Soest betrifft, ist sich Brauneck zumindest sicher: Die Mischung von offenen und verdeckten Konzepten passt. Mit anderen Worten: Präsenz zeigen, aber gleichzeitig im Verborgenen Taten aufklären. Die Polizei arbeite weiter daran, gut zu bleiben oder noch besser zu werden. „Bei der Präsentation der Statistik 2019 wollen wir wieder mit einem breiten Grinsen hier sitzen“, kündigt Brauneck an. 

Das düstere Geschäft mit der Scham

Die Schattenseiten des Internets werden auch im Kreis Soest immer offensichtlicher. 150 Fälle von Betrügereien registrierte die Polizei im Vorjahr. Oft geht es dabei um kostenpflichtige Updates, die scheinbar nötig sein sollen. In einem Fall wurde so ein Opfer aus Welver um 2500 Euro erleichtert. Die Bezahlung für die Entschlüsselung der PC beziehungsweise der Dateien wird meist über Ukash, Paysafecard, iTunes - Cards oder auf ein Bitcoin- Konto gefordert.

Nach Zahlung der geforderten Summe ist es tatsächlich nur in wenigen Fällen auch zur Entsperrung der Rechner gekommen.

Vermehrt erhalten Geschädigte E-Mails von unbekannten Tätern meist in englischer Sprache, die diese so verändern, dass sie den Anschein erwecken, der Mail- Account der Geschädigten wurde „gehackt“. Als Absender Mail-Adresse wird den Geschädigten in den meisten Fällen ihre eigene E-Mail Adresse angezeigt. In diesen E-Mails wird den Nutzern vorgetäuscht, der PC sei gehackt und dabei festgestellt worden, dass die Inhaber intime Seiten besucht hätten.

Teilweise habe man die angeblich besuchten Seiten per Screenshot oder auch Aufnahmen über die Webcam gesichert, die die Nutzer bei angeblichen sexuellen Handlungen vor dem Bildschirm zeigten. Für die angebotene Diskretion und eine damit verbundene Nichtweitergabe an Freunde und Bekannte, werden unterschiedlich hohe, meist dreistellige Euro-Beträge, gefordert.

Wer im Netz unterwegs ist, kann Adressat für Cyberkriminalität werden.

„Die Dunkelziffer ist hoch, und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt“, weiß Polizeichef Jochen Brauneck. Da helfe nur Aufklärung. Inzwischen hat die Polizei ein eigenes Sachgebiet für diesen Bereich gegründet, besetzt mit fünf Spezialisten. Das sei zwar erst der Anfang, doch die Polizei habe das Thema auf dem Schirm und wappne sich entsprechend. Opfern rät Brauneck, sich nicht zu schämen, sondern den Weg zur Polizei zu suchen. Es gehe nicht darum, jemanden bloß zu stellen.

Erweiterter E-Mail-Kopf verrät den Absender

Als Ermittlungsmöglichkeit dient die vom Täter versandte original E-Mail. Dies setzt voraus, dass die Opfer die Mail, die in den meisten Fällen nicht mit Schadsoftware versehen ist, nicht löschen. Einer Installation von Schadsoftware, in einer Mail angehängt, oder in Links versteckt, entgeht man, indem man die Anhänge nicht öffnet bzw. nicht auf dortige Links klickt. Über den erweiterten Kopf (Full Header) dieser E-Mails können Informationen für weitere Ermittlungsmöglichkeiten in Erfahrung gebracht werden. Beispielsweise kann aus diesem die IP-Adresse des Endgerätes der versandten Mail festgestellt werden, wenn auch erfahrungsgemäß der dazugehörige Server meist im Ausland steht. Weiterhin wird aus dem Full- Header meist die tatsächliche Absende-Mailadresse sowie der Internetanbieter, wo diese Adresse angelegt wurde, ersichtlich.

Opfer – die andere Seite der Kriminalität

In der polizeilichen Kriminalstatistik werden Opfer dann erfasst, wenn es sich um Straftaten handelt, die das Leben, die sexuelle Selbstbestimmung, die körperliche Unversehrtheit oder die persönliche Freiheit beeinträchtigen sowie bei Raubdelikten. Als Opfer erfasst wurden im Jahr 2018 bei 2949 Delikten insgesamt 3447 Menschen, davon sind 1412 weiblich (41 %) und 2035 männlich (59 %). Die Zahl der nichtdeutschen Opfer betrug 716 (20,8 %). Bei den unter 21-jährigen Opfern waren 347 weiblich (40,2%) und 474 männlich (59,8%).

Opferschutz

Da Personen, die Opfer von Straftaten geworden sind, besondere Aufmerksamkeit verdienen, sind bei der Kreispolizeibehörde Soest zwei Beamte hauptamtlich im Bereich des Opferschutzes eingesetzt. Die beiden Beamten nehmen mit den Opfern Kontakt auf, weisen auf Opferrechte hin und vermitteln im Bedarfsfall Hilfeleistungen und/oder stellen Kontakte zu Opferhilfsorganisationen her. Im Jahr 2018 wurden 635 Opfernachsorgegespräche (18,4 % der Fälle) geführt.

Häusliche Gewalt

Delikte der „Häuslichen Gewalt“, bei denen Körperverletzungsdelikte im Rahmen einer häuslichen Gemeinschaft, zum Beispiel unter Eheleuten begangen werden, sind bei der Polizei besonders im Fokus. Gewalt im „sozialen Nahraum“ ist ein Phänomen, von dem überwiegend Frauen und Kinder als Opfer betroffen sind. Obwohl sich das Anzeigeverhalten in den zurückliegenden Jahren bereits deutlich verändert hat, dürfte das Dunkelfeld groß sein, da gemutmaßt werden kann, dass eine Vielzahl von Straftaten nicht bei der Polizei angezeigt wird. Häusliche Gewalt ist ein gesellschaftliches Problem. Regelmäßig ist die Polizei die erste staatliche Instanz vor Ort. Bereits seit einigen Jahren stehen Delikte der Häuslichen Gewalt in der besonderen Aufmerksamkeit der Polizei. Neben den strafrechtlichen Ermittlungen sind gefahrenabwehrende Aspekte zu beachten. 

Abwehr

Zum Schutz vor Häuslicher Gewalt sind gefahrenabwehrende Maßnahmen wie die Wohnungsverweisung und das Rückkehrverbot in jedem Einzelfall zu prüfen. Da innerhalb der Häuslichen Gewalt unter–schiedlichste Straftatbestände berührt sein können, lässt die Polizeiliche Kriminalstatistik keine detaillierten Aussagen zur Deliktshäufigkeit zu.

Gefährderansprachen

Im Jahr 2018 wurden insgesamt 486 Strafanzeigen mit Bezügen zur „Häuslichen Gewalt“ erfasst. In 332 Fällen gab es so genannte Gefährderansprachen, bei denen eine Warnung ausgesprochen wird. In 218 Fällen wurden gegen die Beschuldigten Wohnungsverweise mit einem zeitlich befristeten Rückkehrverbot ausgesprochen. 217 Geschädigte, die Opfer „Häuslicher Gewalt“ wurden, konnten durch die Kollegen des Opferschutzes an Beratungsstellen vermittelt werden.

Einbrecher haben’s schwerer

Auch, wenn die Einbruchszahlen in den vergangenen drei Jahren stetig gesunken sind, so geht die Kreispolizeibehörde Soest noch immer mit einer Ermittlungskommission gegen die Einbrecher vor. Die Ermittlungskommission Muräne ist seit vier Jahren fester Bestandteil der Arbeit der Kriminalpolizei. Die Präventionsarbeit der Polizei zahlt sich aus. So scheitern immer mehr Einbrecher an der Gebäude-Außenhülle. „Die Menschen machen sich mehr Gedanken und stellen sich zunehmend die Frage: Wie kann ich mein Haus besser schützen?“, sagt Kripo-Chef Benjamin Aufdemkamp.

Einbrecher scheitern immer häufiger an Sicherungsmaßnahmen.

Trotz zurückgehender Zahlen im ganzen Land, sollten die Bürger weiter vorsichtig sein und die Tipps der Kriminalprävention befolgen. Für die meisten Opfer ist nicht der Verlust von Wertgegenständen das Problem, sondern das Bewusstsein, dass ein Fremder die Wohnung durchsucht hat. „Mit einer landesweiten Aktionswoche im Herbst und den immer wieder erwähnten Hilfestellungen unserer Sicherheitsexperten wollen wir das Thema bei der Bevölkerung präsent halten“, so Aufdemkamp.

Drei Drogentote

Im Deliktsbereich Betäubungsmittelkriminalität kann die Polizei nur sehr begrenzt auf Hinweise aus der Bevölkerung hoffen. Eine Veränderung der Anzahl der bekannt gewordenen Fälle weist nicht gleichzeitig auf eine positive oder negative Veränderung im „BTM-Milieu“ hin.

In der Regel ist ein Anstieg der Fallzahlen im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität auf eine Intensivierung der Ermittlungs- und Kontrolltätigkeit der Polizei zurück zu führen.

Die intensiven Ermittlungen des zuständigen Kommissariats 3 führten im Jahr 2018 bei 1292 Fällen zu einer Aufklärungsquote von 94,12 Prozent.

Da Abhängige harter Drogen ihre Sucht oft durch die Begehung von Straftaten finanzieren (so genannte indirekte Beschaffungskriminalität), können durch eine intensive BTM-Sachbearbeitung auch Diebstahlsdelikte aufgeklärt oder verhindert werden. Im Jahr 2018 wurden 357 Tatverdächtige (5,32 % der ermittelten Tatverdächtigen gesamt) als Konsumenten harter Drogen erfasst. Drei Erwachsene starben im Jahr 2018 an übermäßigem Drogenkonsum.

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