Paul Egidius: Der Künstler im Hintergrund

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Paul Egidius, hier vor einer Grafik von Federico Schiaffino, stellt Werke aus seiner Sammlung aus.

Es gibt Künstler, die eine flüchtige Idee skizzieren und sie liegen lassen. Es gibt Künstler, die wissen, wie ihr Werk aussehen sollen, aber nicht, wie sie das hinkriegen. Und es gibt Paul Egidius. Seit 50 Jahren hilft der Drucker aus Deiringsen internationalen Künstlern bei ihrer Arbeit.

Soest - Egidius schafft Druckwerke für Künstler, mit Künstlern und manchmal trotz Künstler. Letzteres würde er aber niemals laut sagen, dazu ist der Meister viel zu bescheiden. Schon angesichts der Ausstellung, die der Kreiskunstverein jetzt zu seinem 50. Berufsjubiläum im Kulturforum Neu-St. Thomä zeigt, verstummt er.

Dabei könnte der Drucker zu jedem einzelnen Werk einen ganzen Roman erzählen. Darin ginge es dann um kuriose Entstehungsgeschichten, eigenwillige Künstler, seine persönliche Beziehung zu den Werken und um technische Probleme. Aber diese wischte er im wahrsten Sinne des Wortes einfach weg – unkonventionell, akribisch, einfallsreich wie er ist. Immerhin gelingt es herauszufinden, welches Egidius‘ persönlich wichtigstes Bild ist: Das „Stillleben mit Radierzubehör“, sagt er.

 Der junge Egidius schuf es im Jahr 1971 gemeinsam mit dem Künstler Friedrich Meckseper (1936-2019). „Ich bin später sogar zu ihm nach Berlin gefahren, um das Bild signieren zu lassen“, erinnert sich der Drucker. Die Grafik zeigt die Werkzeuge, die ihn sein ganzes Berufsleben lang begleitet haben. 

Wie er arbeitet, das kann Egidius in Neu-St. Thomä, diesem besonderen Ausstellungsort, nicht vorführen. Aber er kann zeigen, wie unterschiedlich Drucke von ein und derselben Druckplatte nach farblichen Behandlungen aussehen können.

 Die Ausstellung lässt ahnen, welche fast unendlichen Möglichkeiten und Techniken die Grafik, vor allem die Radierung bietet. Paul Egidius nutzt nicht nur traditionelle Arbeitsmethoden, sondern entwickelt Techniken weiter und ganz neu. Gezeigt werden überwiegend limitierte Auflagendrucke und autorisierte Farbvarianten, die von der Auflage abweichen. Aber auch Ölbilder, Siebdrucke, Lithografien und Zeichnungen sind zu sehen, die nicht in Egidius‘ Werkstatt entstanden sind, wohl aber aus seiner Sammlung stammen. 

Der Drucker hätte gerne noch viel, viel mehr gezeigt. Aber selbst bei den eher kleinen Formaten von Grafiken ist der der Platz in der ehemaligen Menoritenkirche begrenzt. Um der Fülle Herr zu werden, wurden die Arbeiten thematisch zusammenhängend zwischen die Säulen platziert und ergeben immer wieder spannungsreiche Kontraste – vom Renaissancekünstlern Israhel van Meckenem d. J. (1440/45–1503) bis zum Soester Michel M., dessen Blatt sozusagen frisch aus der Presse kommt.

Die Ausstellung wird morgen (5. Julil 2020) um 11 Uhr mit einem Gespräch zwischen Paul Egidius, Wolfgang Walloch und Inga Schubert-Hartmann im Kulturforum Neu-St. Thomä eröffnet und ist bis zum 9. August täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Angela und Gero Troike musizieren.

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