Geheimtipp Georg Paul im Soester Museum

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Die "Triadischen Tänze" der Vor-Bauhaus-Zeit regten Georg Paul zu diesem Gemälde an. 

Soest – Georg Paul (1901– 1980), dessen Retrospektive am Sonntag im Museum Wilhelm Morgner eröffnet wird, gilt selbst unter informierten Kunstfreunden als Geheimtipp

Er hat zwar den selben Nachnamen wie der in Soest bekannte Bruno Paul (1874– 1968), ist aber mit diesem weder verwandt noch verschwägert. Die Pauls haben auch beide mit dem Bauhaus zu tun – aber jeweils nur mittelbar. Während Bruno Paul, der künstlerisch Extrovertierte, als Vorläufer des Bauhauses gilt und es als Stararchitekt zu Ruhm und Ehren brachte, wirkte Georg Paul als Rezeptionist der Bauhaus-Malerei eher nach innen. 

Seine künstlerische Tätigkeit als Maler musste sich wegen zwei aufeinander folgenden Diktaturen, in denen er lebte, im Verborgenen abspielen. Mit der umfangreichen Retrospektive will der Kunstverein Kreis Soest einen Beitrag zum Bauhaus-Jubiläumsjahr leisten und gleichzeitig auf einen immer noch fast unbekannten Künstler aufmerksam machen. Der Kreiskunstverein wurde durch verschiedene Hinweise, durch Freunde und Bekannte auf Georg Paul aufmerksam. Dr. Dorit Litt kuratierte die Schau, die vorwiegend aus Stücken aus Familienbesitz besteht. 

Rund 80 Gemälde zeigen, wie Paul sich künstlerisch von der figürlichen Darstellungen zur Abstraktion entwickelte. Entscheidende Impulse bekam er während seines Studiums i an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst, die damals von Bruno Paul geleitet wurde. Vielleicht war das der einzige Berührungspunkt der beiden Pauls. 

Die Moderne war sein großes Thema. Damit setzte er sich auch nach den Studienzeit intensiv auseinander. Dann kamen die Nazis an die Macht und brandmarkten die Moderne und alles, was dazu gehörte, als „entartet“ . Georg Paul durfte zwar weiter als Gebrauchsgrafiker arbeiten, nicht jedoch als freier Künstler, tat es jedoch heimlich. 

Ein Großteil von Arbeiten aus diese Zeit vernichtete ein Bombenhagel auf Berlin. Nur wenige erhaltene Werke zeigen Georg Pauls Nähe zur Neuen Sachlichkeit. Nach dem Krieg konnte er mit Ausstellungen zunächst kurz an die Moderne anknüpfen. Aber schon bald musste er sich wieder zurückziehen, denn in der jungen DDR wurden Bauhaus-Ideen abgelehnt. 

 Seinen Lebensunterhalt und den seiner Familie sicherte Georg Paul als Lehrer an einer Oberschule in Merseburg. Zumindest im Kunstunterricht und als Leiter und Bühnenbildnern des Dramatischen Zirkels hatte er die Möglichkeit, seinen Schülern die Theorie der Klassischen Moderne zu vermitteln. Erst 1973, als sich die politischen Verhältnisse und Vorgaben für Künstler geändert hatten, konnte Paul wieder ausstellen. Und auch  die Galerie am Sachsenplatz in Leipzig vermittelte wieder Werke von ihm an die großen DDR-Museen. 

1980 beteiligte sich Georg Paul an der großen Ausstellung „Merseburg und seine Künstler“ im Schloß, bevor er am 23. Oktober nach langer Krankheit und dem Nachlassen seiner Schaffenskraft in der Stadt starb, in der er mit seiner Familie untergekommen war. 31 Jahre nach dem Tod des Künstlers wurde die erste Retrospektive im Kulturhistorischen Museum von Merseburg or ganisiert.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 3. Februar, um 11 Uhr im Museum Wilhelm Morgner in Anwesenheit der Künstler-Tochter Hildegard Rojewski und ihres Mannes Klaus eröffnet. Die in Soest bekannte Kuratorin Dr. Dorit Litt, die sich intensiv mit Pauls Werk beschäftigt hat, spricht zur Einführung. Am Sonntag, 16. März, um 15 Uhr bietet Litt eine Kuratorenführung an.

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