Behörde vorbereitet

Coronavirus: Kreis Soest hat sogar chinesische Artisten im Blick

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Artisten des Chinesischen Nationalzirkus.

Wenn ein chinesischer Zirkus in der Soester Stadthalle seine Manege aufbaut, ist das eigentlich nicht ganz so besonders. In diesen Tagen schon. Das Coronavirus und die Angst davor lassen sogar das Gesundheitsamt aktiv werden, bevor  die Zirkusleute aus der Volksrepublik ihre Kunststücke zeigen.

Kreis Soest - Wenn am  Samstag, 1. Februar, der chinesische Nationalzirkus in der Soester Stadthalle seine Kunststücke zeigt, hat der Kreis Soest auch darauf ein Auge. „Wir sind für den Fall der Fälle bestens gerüstet“, sagt Wilhelm Müschenborn, Pressesprecher des Kreises, und erklärt nicht zuletzt an diesem Beispiel, wie ein Virus namens Corona schon seit Tagen die Fachleute im Kreishaus beschäftigt.

„Wir haben Kontakt mit dem Management aufgenommen und uns versichern lassen, dass alle Artisten schon seit dem 15. Dezember in Deutschland sind“, sagt Müschenborn. 

Auch der Frage, ob zwischenzeitlich einzelne Artisten ausgetauscht wurden, gar gegen Kollegen aus besonders betroffenen Provinzen in China, sei man nachgegangen. Ergebnis: negativ.

Pläne für den Krisenfall

Nur ein Beispiel für das, was im Hintergrund passiert, wenn eine Epidemie die Bevölkerung bedrohen könnte. Sollte im Kreis Soest oder in der Nachbarschaft tatsächlich das Coronavirus auftauchen, ist schon genau festgelegt, was zu tun ist. 

Betrifft es die Nachbarschaft, etwa den Kreis Warendorf, wird – je nachdem, wie wahrscheinlich es ist, dass das Virus seinen Weg in den Kreis Soest findet – ein Lagezentrum eingerichtet. 

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Mit am Tisch sitzen dort unter anderem Vertreter des Gesundheitsamtes, die ärztliche Leitung des Rettungsdienstes und zuständige Führungskräfte aus der Verwaltung. 

Das sagt das Infektionsschutzgesetz

Zunächst geht es dann darum, die Situation einzuschätzen, Informationen auszuwerten und weitere Maßnahmen vorzubereiten. Taucht das Virus im Kreis Soest selber auf, gelten die Vorschriften des Infektionsschutzgesetzes. 

„Handelt es sich um einen bestätigen Fall einer Infektion mit dem Coronavirus, greifen Maßnahmen gemäß der Empfehlungen des Robert Koch-Institutes für die Hygienemaßnahmen und Infektionskontrolle bei Patienten mit Schwerem Akutem Respiratorischem Syndrom (SARS)“, erklärt Müschenborn. 

Diese beinhalten unter anderem die Isolierung der Patienten in einem Isolierzimmer mit Vorraum und Schleusenfunktion und die Verwendung von geeigneten Atemschutzmasken.

26 Isolierbetten im Kreis Soest

Die Kapazitäten für derartige Krankenbetten sind naturgemäß beschränkt. Vier Krankenhäuser im Kreis Soest, jeweils die beiden in Soest und Lippstadt, erfüllen diese Voraussetzungen. Insgesamt stehen Plätze für 26 Patienten zur Verfügung, die den Vorschriften des Robert-Koch-Instituts genügen. 

In der Verwaltung wird man bei einer bestätigten Infektion einen Schritt weiter gehen. Das Lagezentrum wird durch einen Krisenstab ergänzt, die Aufklärung der Bevölkerung wird intensiviert, ein Bürgertelefon eingerichtet, um Panik vorzubeugen und hilfreiche Tipps zu geben, wie man sich vor einer möglichen Ansteckung schützen kann.

Nur wenige Zirkusbesucher haben Sorgen

Und der Zirkus? Der tritt natürlich auf morgen in der Soester Stadthalle. Der Vorverkauf sei gut gelaufen, sagt Raoul Schoregger. Zwar hätten vereinzelt Gäste angefragt, ob man denn auch wirklich sicher sein könnte, dass die Artisten gesund seien, das seien aber absolute Ausnahmen gewesen. Einige Anrufer hätten sich auch nur versichern wollen, dass der Zirkus tatsächlich auftritt. Schoregger ist Europaproduzent des Chinesischen Nationalzirkusses, seit 20 Jahren im Kulturaustausch mit der Volksrepublik tätig und mehrmals im Jahr selber in China. Er kennt das Land gut und auch die Politik dort. Natürlich könne man darüber sagen was man wolle, „aber dort funktionieren Sachen, von denen hier ein Gesundheitsamt nur träumen kann. Wenn der Staat einer Millionen Menschen sagt: 'Ihr bleibt jetzt mal eine Woche zuhause in eurer Wohnung', dann machen die das natürlich auch.“

Chinesische Delegation sagt Termine ab

Erst kürzlich, so erklärt Schoregger, sei eine Delegation aus China in Deutschland gewesen, um die Truppen des Nationalzirkusses zu besuchen. „Die waren kaum gelandet, da kam der Anruf aus dem chinesischen Kulturministerium. Alle Geschäftstermine wurden abgesagt, die Delegation durfte die Zeit bis zum Rückflug quasi im Hotel absitzen. Man wollte jeden Kontakt zu den Artisten verhindern um einer Ansteckung, sei sie auch noch so unwahrscheinlich, vorzubeugen. Die Delegationsmitglieder kamen allesamt nicht einmal aus der Nähe einer der Städte, in denen das Virus aufgetreten ist.“ .

Erfahrungen aus der SARS-Epidemie

Schoregger macht sich vielmehr Sorgen um künftige Produktionen. Demnächst soll es eigentlich mit einer weiteren Truppe, die momentan noch in China ist, nach Ungarn gehen. Von allen anderen Reisebeschränkungen einmal abgesehen, müsse man „über Visa im Moment gar nicht reden“, sagt er. Irgendwann werde es dann auch wirtschaftlich schwierig für ihn und die Artisten. Aber er ist zuversichtlich und hat so seine Erfahrungen. 2002/2003 bei der SARS-Epidemie habe man vor den gleichen Problemen gestanden und den Zirkus gebe es immer noch und das Publikum auch. In Soest am Samstagabend.

Das sagt das Robert Koch-Institut

In Deutschland sind erste Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus (2019-nCoV) bestätigt worden. Die Betroffenen stammen aus Bayern. 

Das Robert Koch-Institut (RKI) erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein. 

Mit einem Import von einzelnen Fällen nach Deutschland muss gerechnet werden. Auch einzelne Übertragungen in Deutschland sind möglich. 

Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland durch die neue Atemwegserkrankung aus China bleibt derzeit weiterhin gering. Diese Einschätzung kann sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern. 

Unter www.rki.de/ncov sind Informationen zusammengestellt, unter anderem Hinweise zu Diagnostik, Hygiene und Infektionskontrolle und Antworten auf häufig gestellte Fragen.

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