Empfehlung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung

Pferdehaltung in Coronazeiten

John Sidney Royer hat auf der Five Star Ranch in Bad Sassendorf alle Tore zugemacht und ein Schild dran gehängt, warum das so ist: Die Corona-Verordnung, wonach Sportstätten bis auf Weiteres geschlossen sind, gilt auch für Reitställe.

Soest/Wickede - Der komplette Schulbetrieb, also der Unterricht auf Schulpferden, ist eingestellt. „Das eigene Pferd dürfen Reiter betreuen, aber keine Corona-Partys feiern“, sagt Royer. Auf der Five Star Ranch werden normalerweise Reitkurse angeboten, und die 15 Schulpferde gehen jedes an den Wochenenden normalerweise drei Stunden am Tag. 

Umsätze brechen weg

„Das sind wichtige Umsätze, die uns da wegbrechen“, sagt der Stallbesitzer, der mit seiner Frau Diana (beide sind Pferdewirtschaftsmeister) auch züchtet, Pferde verkauft, Kundenpferde ausbildet und bereitet. Außerdem kann man auf dem Anwesen auch Urlaub machen. Aktuell natürlich nicht. „Wir waren ausgebucht, aber das Osterferiengeschäft, darunter auch Reitkurse, ist weggebrochen“, klagt der Stallbesitzer. Die finanziellen Einbußen sind enorm. „Zum Glück gehört uns der Hof, sodass wir keine Pacht zahlen müssen, und die Beritt-Einnahmen laufen weiter, aber die Fixkosten eben auch: Jedes Pferd frisst täglich zehn Kilogramm Heu und zwei bis drei Kilo Kraftfutter“, rechnet er vor. „Das Heu wird knapp. Da ist es gut, dass die Pferde bald Gras auf unseren eigenen Weiden fressen können.“ 

Royers Pferde sind in Laufställen untergebracht und immer draußen – mit Unterständen und Tränken wie es vorgeschrieben ist. Unter Bewegungsmangel werden sie so schnell nicht leiden. Er hofft, dass die Verbotsphase schnell vorbeigeht. 

90 Pferde in Wickede-Wiehagen

Ähnliche Probleme haben die 13 herkömmlichen Betriebe, die sich im Kreisreiterverband der Reit- und Fahrvereine der Soester Börde zusammengeschlossen haben. Theodor Arndt ist deren Vorsitzender und Chef im Reitverein Birkenbaum in Wickede-Wiehagen. Dort stehen 90 Pferde, darunter rund 30 Schulpferde und -ponys. „Es sind viele ältere dabei, die gehen nur noch eine Stunde am Tag, andere gehen bis zu fünf Stunden – Ausritte und Dressur kombiniert“, erzählt der Stallbetreiber. Der Schulbetrieb ruht komplett, alle 30 Schulpferde haben erst einmal 14 Tage Pause auf der Weide. „Das machen wir sonst im Sommer“, sagt er, aber „gut trainierte Pferde kann man nicht einfach in die Ecke stellen. Gerade die Alten rosten schnell.“ 

Deshalb wurde schnell eine What´s-App-Gruppe geschaffen: Entsprechend den Richtlinien, die die deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) aufgestellt hat, treffen sie sich und bewegen die Pferde in kleinen Gruppen: „Das sind ältere Schülerinnen und Studentinnen, die zusammen täglich 15 Pferde reiten.“ Die zehn Pferdebesitzer kümmern sich selbst um ihre Tiere – natürlich auch sie mit großem Mindestabstand zu den anderen. 

Der Rest sind Gnadenbrotpferde, die weiterhin auf ihren Paddocks und Weiden stehen. Überflüssig zu sagen, dass auch im Birkenbaum (Ferien-)Reitkurse für 30 bis 40 Prüflinge ausfallen und damit Einnahmequellen wegbrechen. Da auch die Turniere gestrichen sind, kann Arndt derzeit nicht als Richter arbeiten. „Mit dem Geld habe ich in der Vergangenheit immer die Aushilfen bezahlt“, erzählt er. 

Schulpferdebetrieb auf dem Hof Isaak ebenfalls eingestellt

Ähnlich ist die Lage beim Zucht- & Ausbildungsstall Isaak in Soest-Epsingsen. Wilhelm Isaak hat den Schulpferdebetrieb mit allen zehn Pferden eingestellt und sieht zu, wie er die insgesamt 70 Pferde auf seiner Anlage bewegt bekommt: „Im Moment lassen wir sie in der Reithalle frei laufen“, erzählt er. 

„Wenn dann das Verbotsende absehbar ist, werden wir sie wieder antrainieren.“ Haupteinnahmequelle des Familienbetriebs sind die Schulstunden. Die Pferdebesitzer am Stall werden per E-Mail gemanagt, damit sie nicht alle gleichzeitig kommen. „Wir haben zwei Reitplätze, drei Hallen und Ausreitgelände. Die Reiter können sich also gut ausweichen und haben auch alle Verständnis“, sagt Isaak.

Das empfiehlt die Deutsche Reiterliche Vereinigung

  • Personen mit Krankheitssymptomen dürfen den Stall / die Reitanlage nicht betreten. .
  • Die allgemeinen Hygienemaßnahmen zum Infektionsschutz (auch Händewaschen) sind zu jeder Zeit einzuhalten. 
  • Ausschließlich die für die Versorgung und Bewegung der Pferde notwendigen Personen haben Zutritt. 
  • Bei Bedarf erstellt der Betriebsleiter einen Anwesenheitsplan und Anwesenheitszeiten. Er koordiniert auch Tierarzt- und Hufschmidtbesuche. 
  • Ein Mindestabstand von ein bis zwei Metern zu anderen Personen im Stall, in der Sattelkammer oder in anderen Räumen des Stalls muss immer eingehalten werden. 
  • Die Anzahl von vier Pferden pro Bewegungsfläche (20mx40m Fläche) wird als Obergrenze gesehen. 
  • Abstände zwischen den Pferden z.B. beim Auf- und Absitzen sind einzuhalten. 
  • Der Aufenthaltsraum bleibt geschlossen.

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