Kreis Soest

Patienten müssen oft auf Medikamente warten

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Es wird knapp mit den Medikamenten, auch wenn Apotheker Alhasan Rabia noch ein wenig vom Schilddrüsen-Medikament L-Thyrox hat.

Neu ist die Problematik nicht, aber in Zeiten von Covid-19 haben sich die Lieferengpässe für verschiedene Medikamente offenbar noch verschärft. Das gilt nicht nur für viele Apotheken, sondern auch für Krankenhäuser.

Kreis Soest – Fürs Klinikum Stadt Soest erklärte Sprecher Frank Beilenhoff, dass es in den vergangenen Wochen im pharmazeutischen Bereich, ähnlich wie bei einigen Artikeln im Einzelhandel, offensichtlich zu Hamsterkäufen bei Medikamenten gekommen sei, denen zumindest vorübergehend eine Wirksamkeit bei der Behandlung von Corona-Patienten nachgesagt worden sei. Darüber hinaus sei es auch immer schwieriger geworden, den benötigten Nachschub bei Anästhetika zu bekommen, die zur Durchführung von Narkosen gebraucht werden. Generell gelte allerdings, dass die Apotheke im Klinikum alle im Betrieb benötigten Medikamente auch bekomme – allerdings werde immer mehr Zeit für die Recherche erforderlich, um herauszufinden, welcher Großhändler noch liefern kann. 

Hamsterkäufe auch bei Arzneien

Das Marienkrankenhaus erhält seine Medikamente, ebenso wie das Werler Mariannenhospital und alle anderen Einrichtungen, die zum Katholischen Hospitalverbund gehören, vom Johannes-Hospital in Dortmund. Dort schlagen sich Ulrich Sommer, Leiter der Apotheke, und seine Mitarbeiter bereits seit rund vier Jahren damit herum, dass es zunehmend schwieriger wird, die von den Krankenhäusern georderten Pharmaka im Handel zu bekommen. Auch er bestätigt Hamsterkäufe, nimmt aber auch die Politik in die Pflicht, die nun erkennen müsse, dass die weitgehende Auslagerung der Medikamentenproduktion nach China und Indien zu gravierenden Problemen beim Nachschub geführt habe. Und: „Die Verteilung der Medikamente erfolgt derzeit nicht nach dem tatsächlichen Bedarf der einzelnen Krankenhäuser, sondern danach, wer zuerst ordert“. 

Jeden Morgen Detektivarbeit leisten

In der Werler Bären-Apotheke, die Zweigstellen am Möhnesee und in Witten betreibt, beginnt der Arbeitstag daher jeden Morgen damit, rund eine Stunde lang einen Überblick darüber zu bekommen, welche Bestellungen der Handel bedienen kann und welche nicht. Wird eine „Defekten-Meldung“ angezeigt – es kann gar nicht oder erst später geliefert werden oder nicht in der gewünschten Menge oder der gewünschten Dosierung – beginnt die mühsame Suche nach Alternativen. Immer wieder gehört dazu auch der Austausch mit den Kunden und deren Ärzten, die ihren Patienten das Medikament verschrieben haben. 

Viel Zeit und Nerven 

„Wir versuchen dann gemeinsam, eine andere Möglichkeit der Therapie zu finden, für die Medikamente auf dem Markt verfügbar sind“, beschreibt Apotheker Stefan Weber die mühsame Detektivarbeit, die in vielen Apotheken längst zum Tagesgeschäft gehört und ihn und seine Mitarbeiter viel Zeit und noch mehr Nerven kostet. Engpässe gebe es unter anderem bei Blutdruck- und Schilddrüsenmitteln, Diabetika, Urologica und Psychopharmaka. Solche Erfahrungen kann sein Soester Kollege Karsten Hufnagel, der in Soest unter anderem die Apotheke am Brüdertor betreibt, bestätigen. Zwar habe sich die Situation zuletzt leicht entspannt, aber er rechne nicht damit, dass sich Grundlegendes zeitnah ändern werde. 

Problem jetzt öffentlich bekannt

Immerhin: „Corona hat dazu beigetragen, dass das Problem einer breiten Öffentlichkeit bewusst geworden ist“, sieht er einen positiven Effekt der Pandemie bei diesem Thema. Er habe durchaus den Eindruck, dass die Politik das Problem erkannt habe. „Aber es wird sicher noch einige Jahre dauern, hier im Land eine Produktion aufzubauen, die genügend Kapazitäten hat, um die Versorgung mit Medikamenten wieder nachhaltig zu sichern“, sieht Hufnagel keine reelle Chance für schnelle Lösungen.

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