Schon vor der ersten Sitzung:

Neuer Kreis-Unterausschuss sorgt sich ums interne Klima

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Streikende Schüler verschafften sich am vergangenen Freitag im Rahmen der „Fridays for future“-Bewegung in Soest Gehör.

Soest - Die Soester „Fridays for future“-Bewegung ist unüberhörbar: Am vergangenen Freitag machten 500 streikende Schüler ihrem Unmut Luft. Parallel stellten Schüler bei den „Juniorwahlen“ den etablierten Parteien ein schlechtes Zeugnis aus. Nun reagieren die heimischen Lokalpolitiker. Zum Teil ziemlich zögerlich.

Die Grünen mit Abstand stärkste Partei, dahinter CDU und SPD sowie „Die Partei“ – die Soester Gymnasiasten haben sich bei den Schul-Juniorwahlen eindeutig positioniert. 

Wie reagieren die Lokalpolitiker auf Juniorwähler? Wie auf die Demonstranten? Während sich der Umweltausschuss der Stadt bereits um einen Dialog bemühte und Schüler wie Vertreter des Klimatreffs Soest zur Ausschusssitzung einlud, scheint der Dialog auf Kreisebene nur holprig in Gang zu kommen. 

Eigentlich nämlich soll sich ein neue Unterausschuss des Kreises Soest auch um die Rettung des Klimas bemühen. Doch schon vor der konstituierenden Sitzung der neuen Runde für „Energie und Klima, Digitalisierung und Innovation“ hat das interne Klima den ersten Knacks weg. „Wir sind echt verärgert“, sagt Ilona Kottmann-Fischer als Fraktionssprecherin der Grünen. 

Der Grund: Man habe die Verwaltung und den designierten Unterausschuss-Vorsitzenden Matthias Ruthemeyer (CDU) per Antrag aufgefordert, schon bei der ersten Sitzung am Montag, 3. Juni, Vertreter der heimischen „Fridays for future“-Bewegung einzuladen. In einer Presseerklärung der Fraktion heißt es: „Die ,Fridays For Future‘ bieten nach Auffassung der Grünen beste Gelegenheit, dort hinzuhören, wo die Sorgen klar und unmissverständlich geäußert werden.“

Begegnung womöglich erst im Oktober

Von einem „richtigen Antrag“ der Grünen im Vorfeld will Dr. Jürgen Wutschka, Leiter des Ressorts Regionalentwicklung beim Kreis Soest, nichts wissen. Inzwischen sei aber ein solcher eingegangen. Der könne aber erst im Rahmen der konstituierenden Sitzung des Unterausschusses beraten und dann abgestimmt werden. 

Damit sei eine Einladung aber noch keineswegs sicher. Wutschka: „Stimmt der Unterausschuss für eine Einladung, dann wird darüber im Ausschuss für Regionalentwicklung entschieden.“ Dieser Ausschuss findet am 25. Juni statt. Stimmt auch der zu, dann könnten sich Politiker und „Fridays for future“-Aktivisten in der darauffolgenden Sitzung des neuen Unterausschusses am 9. Oktober erstmals begegnen – falls keine Sondersitzung zu einem früheren Zeitpunkt anberaumt werde.

Matthias Ruthemeyer als designierter Vorsitzender des neuen Unterausschusses hat das Ansinnen der Grünen zwar mitbekommen, sich aber gegen eine Einladung der heimischen Klimaschutz-Gruppe schon zur ersten Sitzung entschieden. „Wir sind der Meinung, dass ein Ausschuss die Arbeit eines Ausschusses machen und nicht zu einer Diskussionsrunde mit Außenstehenden werden soll. Wir haben die ,Fridays for future‘-Aktivisten deshalb zu uns in die Fraktionssitzung eingeladen: Da können sie sich vorstellen, da wollen wir dann auch mit ihnen diskutieren.“ Natürlich werde der Grünen-Antrag in der ersten Sitzung behandelt, das Stimmungsbild in der CDU-Fraktion aber sei eher ablehnend.

„Ziemlich schade“ findet Matthias Ruthemeyer im Übrigen, dass es sich beim neuen Ausschuss mit „den wichtigsten Zukunftsthemen im Kreis Soest“ nur um einen Unterausschuss mit beratender Funktion handelt. „Da wollen wir eigentlich bei so wichtigen Themen wie der E-Mobilität oder dem demografischen Wandel Pfeiler für die Zukunft setzen. Aber die Themen, darunter auch das Klima, haben leider nicht den Rahmen, den sie brauchten.“ Noura Hammouda von der heimischen Fridays for future“-Gruppe bestätigte auf Anfrage die Einladung de CDU in die Fraktionssitzung. „Lieber würden wir in die Ausschusssitzung kommen und direkt mit allen reden“, meinte sie. 

Deshalb sei es derzeit noch offen, ob die Gruppe die Einladung in die Fraktion annehme. Zu erleben sein werden die Aktivisten in der ersten Ausschuss-Sitzung am 3. Juni aber ohnehin: als Besucher einer öffentlichen Sitzung. Gespannt sein dürfen dann alle Beteiligten, mit welchen kreativen Aktionen die Jugendlichen diesmal überraschen.

Juniorwahl in grün

Ob Alde, Archi oder ConvoS: Überall schnitten die Grünen bei den Schul-Juniorwahlen am besten ab. Satte 44 Prozent oder 66 Stimmen verbuchten sie am Alde, erreichten damit deutlich mehr Schüler als die etablieren Parteien CDU (18 Prozent) und SPD (7) zusammen. Mit 27,6 Prozent oder 64 Stimmen lag die Umweltpartei am ConvoS ebenfalls vorne, hier erreichten SPD (15,9) und CDU (12,5) gemeinsam etwas mehr Schüler als die Grünen. Gut jeder Dritte Archi-Schüler wählte Grün, was 106 Stimmen entsprach. Weit abgeschlagen folgen die Volksparteien SPD (8,2) und CDU (7,9). Während die AFD am Archi so gut wie keine Rolle spielt, stimmten am Alde (5 Prozent) und ConvoS (7,8) deutlich mehr Schüler für die Partei. Zurück ins Bewusstsein der Schüler drängt sich die FDP: Mit 57 Stimmen oder 18 Prozent wurde sie am Archi zweitbeste Partei, an den anderen Schulen erreichten die Freien Demokraten 4 bzw. 6,5 Prozent. Mit Ergebnissen zwischen 3 und 6 Prozent spielten die Linken keine große Rolle bei den Wahlen. Sinn für Satire bewiesen Schüler, die die Partei „Die Partei“ wählten: 9,8 Prozent am Alde, 7 am Alde und 4,7 am ConvoS stimmten für den gepflegten Unsinn.

Klimadebatte: Zwei öffentliche Vorträge und ein „Worldcafé“

Wie kommen Klimaschüzer und Lokalpolitiker zusammen? Welche Möglichkeiten gibt es für Ratsmitglieder und andere Entscheidungsträger, sich über die aktuellen Trends beim Klima zu informieren und in Tuchfühlung zu kommen mit den heimischen Klimaschutz-Aktivisten? Im Juni gibt es zwei öffentliche und kostenfreie Veranstaltungen, in denen Dr. Udo Engelhardt vom „Klimatreff Soest“ über die Klima-Herausforderungen referiert und zur Diskussion einlädt. 

- Am Dienstag, 4. Juni, beginnt der Vortrag zum „Klima 2.0“ um 20 Uhr im Saal der Waldorfschule, Wisbyring 13a. Die Veranstaltung richtet sich an Eltern und Freunde der Waldorfschule, zudem an alle Interessierten und insbesondere diejenigen, die den zweiten Termin am 24. Juni nicht wahrnehmen können. 

- Am Montag, 24. Juni, referiert Dr. Udo Engelhardt auf Einladung des BUND Soest-Welver ab 19 Uhr im Saal des Soester Kulturhauses „Alter Schlachthof“. Wegen des Wippens am Großen Teich findet die Veranstaltung also nicht – wie von der Gruppe bereits angekündigt – am 25. Juni statt. Zu Gast sein wird ein Mandatsträger aus Münster, der über „Klimanotstands“-Auswirkungen spricht. 

- Wer kreativ mit dem Klima umgehen will, ist beim „Worldcafé“ der Soester SPD-Fraktion gut aufgehoben. Es steigt am 18. Juni ab 19 Uhr in der Begegnungsstätte Bergenthalpark. Willkommen sind „Mitglieder, Sympathisanten, Interessierte“.

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