Renaissancemusik dort, wo sie hingehört

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Koos van de Linde spielte Werke von Renaissance-Komponisten aus drei Generationen.

Soest -  Koos van de Linde zählt zu den besten Kennern der Ostönner Orgel. Jetzt gastierte der gebürtige Rotterdamer mit Renaissance-Musik in der Andreaskirche. 

Van der Linde war im Jahr 2003 beteiligt an der Restaurierung und Rekonstruktion dieser „ältesten bespielbaren Orgel Deutschlands", kennt sie also buchstäblich in- und auswendig. Jetzt spielte er  just jene Musik, die dorthin gehört – mit Renaissancemusik. Bekanntlich stammt ein Großteil der Orgelpfeifen aus der Spätgotik. 

Van de Lindes Programm umfasste etwa 150 Jahre und drei Generationen von Renaissancekünstlern und reichte vom Buxheimer Orgelbuch aus dem 15. Jahrhundert bis zum Meister Jan Peterszoon Sweelinck, der im 17. Jahrhundert schon an der Schwelle zum Barock stand. 

Erfreulicherweise moderierte van de Linde den Abend und erläuterte Programmauswahl und Bedeutung. So wurde auch deutlich, was es mit dem ungewöhnliche Titel „Von ,groß und voll’ bis ,süß und scharf ‘ auf sich hatte: Damit war unter anderem die Änderung des musikalischen Geschmacks und die Entwicklung neuer Klangideale gemeint, denen sich die Komponisten anpassten. 

Schnelle Figuren, individuelle Interpretationen und die eigenständigere Position der Orgel wie bei Sweelinck hatten im Laufe der Jahre die starre Formen, die Bindung an gregorianische Choräle und die eher unterstützende Funktion der Orgel abgelöst.

Der ausführliche Programmzettel gab Auskunft über den Interpreten und über die Schöpfer der Werke, deren Namen manchmal nur Kenner schon mal gehört hatten.  Koos van der Linde ist nicht nur Orgelsachverständiger und -forscher, sondern er hat auch ein Physikstudium hinter sich. Nach Jahren der Organisten- und Dozententätigkeit in Belgien und den Niederlanden arbeitet van de Linde heute als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arp-Schnitger-Institut für Orgel und ist selbstständig als Orgelsachverständiger und -forscher.

Der Ostönner Orgelsommer setzt Chris Bragg aus Schottland am 7. Juli um 17 Uhr fort.

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