Kommentar zum Fahrradstreifen in der Jakobistraße

Soest - Wie können Fahrradfahrer durch die Jakobistraße am sichersten fahren? Der mittige Fahrradstreifen ist dem Bundeministerium in Berlin nicht recht. Ein Kommentar von Anzeiger-Redakteur Achim Kienbaum.

Nur der Gnade der frühen Geburt und dem Privileg, dass sie sich beim Marsch zum Berg Sinai außerhalb des Geltungsbereiches deutscher Rechtsprechung bewegten, haben es die Israeliten wohl zu verdanken, dass sie ohne juristische Probleme und mit zehn Geboten davonkamen. Das elfte Gebot wäre sonst ganz sicher „Du sollst Dich rechts halten!“ gewesen – und bestimmt hätte auch ein wackerer Beamter des Bundesverkehrsministeriums aus dem fernen Berlin mitten in der Wüste darauf geachtet, dass sich niemand gegen dieses Gebot versündigt.

So ein Glück wie die Israeliten haben die Soester leider nicht. Sie hatten sich zu früh darüber gefreut, dass mit der Verlagerung des Radstreifens in die Mitte der Jakobistraße eine ebenso unkonventionelle wie wirksame Möglichkeit gefunden worden war, Radfahrer im Straßenverkehr vor Verletzungen (oder Schlimmerem) zu schützen. Wo der gesunde Menschenverstand jubilierte, mussten sich die ministerialen Götter in der Kapitale einfach grämen: Ein Versuch, der vielleicht ja zu Ausnahmen von der Regel in der heiligen Straßenverkehrsordnung führen könnte, das darf einfach nicht sein.

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Bloß: Was sonst kann der Sinn eines Versuches sein, wenn er nicht zu Veränderungen führen darf? Was in Stein gemeißelt ist, muss auch in Stein gemeißelt bleiben – das mag in Sachen Straßenverkehr zu Zeiten Sinn gemacht haben, als Völker sich zu Fuß durch menschenleere Ödgebiete bewegten. Seitdem nicht mehr.

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