Gartenserie mit Klaus Fischer

Kolhkopf-Killer im Garten: Die Drehherzmücke richtet schlimme Schäden an

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Wo eine schöne Blumenkohlrose sein sollte, sieht man nur noch faulige Leere: Die Drehherzmücke hat zugeschlagen.

Es war in dieser Woche ein kleiner Schock für unseren Gärtner Klaus Fischer: Sein Blumenkohl ist in diesem Jahr herzlos. Der Romanesco (Pyramidenkohl) ist es auch. Und ebenso der Brokkoli. 

  • Die Drehherzmücke kann im Garten schlimme Schäden anrichten.
  • Das Insekt frisst die Herzblätter von jungen Kohlpflanzen und zerstört die Triebspitze.
  • Es gibt aber Kohlsorten, die unempfindlich gegen die Drehherzmücke sind.

Soest - Nein, damit ist nicht gemeint, dass der Blumenkohl kein Mitleid mit mir hat. Vielmehr redet man von herzlos, wenn der Blumenkohl keine Blume entwickelt, also den eigentlich weißen (oder grünen) Kopf.

Zehn Kohlpflanzen habe ich jetzt herausgerissen und schweren Herzens auf dem Kompost entsorgt. Wer der Übeltäter ist, der mir die Herzlosigkeit eingebrockt hat, weiß ich genau: die Drehherzmücke. Dabei habe ich gedacht, alles richtig gemacht zu haben, nachdem im vergangenen Jahr die Blumenkohlernte sehr gut war. 

Ich habe das Beet gewechselt, den Boden gründlich vorbereitet und die jungen Kohlpflanzen gleich nachdem ich sie ins Beet gesetzt hatte, mit einem engmaschigen Netz (Maschenweite 0,8 Millimeter) insektensicher eingehaust. Trotzdem hat es die Drehherzmücke geschafft, ihre Eier an den Jungpflanzen abzulegen. Sie ist winzig mit gerade mal zwei Millimetern Länge. Ihre Eier sind kleiner als 0,1 Millimeter, also praktisch für mich unsichtbar.

Drehherzmücke: Maden nur einen Millimeter lang

Die Maden bringen es auch nur auf etwas mehr als einen Millimeter Länge. Trotzdem schädigen sie durch ihren Fraß an den Herzblättern der Pflanze, der zentralen Triebspitze, diese so sehr, dass der von uns so begehrte Kopf, also besagte „Blume“, nicht mehr ausgebildet wird. Der Kohl bildet zwar enorme Blätter und sieht sehr kernig aus. Biegt man diese Blattrosette aber auseinander, schaut man nur in eine verkorkte oder oft sogar faulige Mitte ohne irgend einen Kopfansatz. 

Zwar bildet die Kohlpflanze später Seitentriebe, besonders aus dem Wurzelbereich, an denen sich doch noch kleine „Blumen“ entwickeln. Aber diese haben allenfalls das Format eines kleinen Röschens. Eigentlich muss man die Pflanze als Totalverlust abschreiben. Ich habe sie deshalb durch Pak Choi, eine chinesische Kohlsorte, und Chinakohl ersetzt, die beide unempfindlich gegen die Drehherzmücke sind. 

Unempfindlich gegen die Drehherzmücke: Chinakohl hat noch eine Chance

Chinakohl kann jetzt noch direkt ausgesät werden, Pak Choi sollte als Jungpflanze ins Beet gesetzt werden. Beide Kohlsorten, die auch als Salat zubereitet werden können, vertragen die große Hitze des Hochsommers nicht, entwickeln aber bis zur Ernte im Herbst noch stattliche Köpfe. Ich vermutet, dass ein Drehherzmückenweibchen unters Netz geschlüpft ist, wenn ich es mal zum Unkrautjäten oder Ernten von Salatköpfen lüften musste. 

Ein Weibchen reicht aus, um bis zu 25 Pflanzen mit Eiern zu „impfen“. Da die Insekten so winzig sind, können sie keine weiten Strecken fliegen, sie sind also ziemlich ortsfest. Da die letzte Brut der Mücke im Boden überwintert, besteht demnach auch im folgenden Jahr die Gefahr für den Kohl durch diese Fliegen. Will man also auf Nummer sicher gehen, sollte man mindestens zwei Jahre lang auf den Anbau von Blumenkohl, Romanesco und Brokkoli verzichten und somit der Drehherzmücke ihre Nahrungsgrundlage zu entziehen. 

Das hilft gegen die Drehherzmücke: Netz sollte genutzt werden

Gleichwohl sollte man bei einem erneuten Anbau auf die oben angeführten Vorsichtsmaßnahmen, besonders das Abdecken mit dem Netz, nicht verzichten. Das schützt übrigens auch hervorragend gegen andere Schädlinge am Kohl wie die Kohlfliege oder den Kohlweißling. Auch Möhren, Zwiebeln und Porree werden durch ein solches Netz gut gegen Möhren-, Zwiebel- und Lauchfliege geschützt, deren Larven diese Gemüsesorten mit unappetitlichen schmutzigen Fraßgängen durchziehen. Die Netze sollten bis zur Ernte die Pflanzen abdecken.

Garten-Experte Klaus Fischer weiß immer was zu tun ist, wenn es mal im Garten nicht so läuft. So hat er auch einen Tipp, was gegen Giersch hilft. Und auch wenn Tomaten an Braunfäule leiden, weiß der Garten-Experte Rat.

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