"Too Good To Go"

Essen – zu schade zum Wegwerfen

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Gudrun Dröge vom "Kochpott"

In Dortmund sind mehr als 50 Lokale und Hotels gelistet, die ihre übrig bleibenden Mahlzeiten günstig verkaufen. In Soest gibt es nur eines. 

Soest – Einmal installiert, fällt der erste Blick in die App ausgesprochen ernüchternd aus: Nur ein Treffer für Soest. Dabei ist die Idee doch prima. Die hier gelisteten gastronomischen Betriebe bieten an, was voraussichtlich übrig bleibt. Und statt es wegzuwerfen, wird es zu einem geringeren Preis kurz vor Ladenschluss zum Mitnehmen verkauft. Too Good to Go halt – zu schade, um es wegzuwerfen. Über eine Landkarte oder eine Liste kann man sich anschauen, wer in der Region daran teilnimmt. Auf der Soester Karte leuchtet genau ein einziger roter Punkt. Es ist der „Kochpott“ am Markt.

Wenige heimische Punkte

Beim Herauszoomen tauchen auch nur jeweils ein weiterer Punkt in Werl, Arnsberg, Neheim und Lippstadt auf – ein Bioladen, die Kantine der Bezirksregierung, ein Supermarkt und ein Hofladen. Zum Vergleich: Über Dortmund prangt eine dicke „50+“. Also mehr als das 50-Fache von Soest, während die Einwohnerzahl „nur“ circa das Zwölffache Soests beträgt. „Seit vier Jahren mache ich das“, verrät Gudrun Dröge, die im „Kochpott“ im selbigen rührt. 

Früher verpflegte sie am Olympiastützpunkt in Dortmund als „Galeerenköchin“ den deutsche Ruder-Kader, dann eröffnete sie gegenüber vom Hotel Stadt Soest eine kleine „Suppenküche“ , die rasch aus allen Nähten geplatzt sei. Am aktuellen Standort am Markt sei irgendwann ein Mitarbeiter der Betreiber der App aufgetaucht. Der sei durch Soest gegangen, habe jedoch überall, wo er fragte, einen Korb bekommen. Außer bei ihr.

"Nicht nachvollziehbar"

Für Gudrun Dröge nicht nachvollziehbar: „Lieber verkaufe ich das Essen doch zu einem kleineren Preis, als es wegzuwerfen.“ Am selben Vormittag mit der App bestellt und vorab über Paypal bezahlt (es stehen auch andere Bezahldienste zur Verfügung), teilt das Handy mit, die „Überraschungstüte“ für drei Euro könne zwischen 14 und 17 Uhr abgeholt werden. An diesem Tag sind zwei Suppen übrig, ein scharfer spanischer Eintopf und ein Grünkohleintopf.

Beide würden normalerweise das Doppelte kosten. Es hätte aber durchaus sein können, dass es für drei Euro eines der entsprechend teureren Hauptgerichte gegeben hätte. Und wenn es nun doch einen Besucheransturm gegeben hätte, sodass nichts übrig geblieben wäre? „Dann hätte ich rasch noch frisch was gekocht“, will Gudrun Dröge keinen Kunden abweisen. Nicht selbstverständlich, im Netz berichten User auch davon, wie sie mit leeren Händen heimgingen und ihnen das Geld zurücküberwiesen wurde. „To Go“ ist wörtlich zu nehmen, die Gerichte oder Waren sind ausschließlich zum Mitnehmen gedacht.

Manch ein Anbieter schreibt direkt in der App, man möge seine eigenen Behälter mitbringen. Gudrun Dröge füllt den Eintopf in ein Einwegpöttchen, merkt aber an: „Beim nächsten Mal können Sie aber gerne ein eigenes Gefäß mitbringen. Das spart Plastikmüll.“ Und sie würde sich wünschen, dass mehr Kollegen aus dem hiesigen Gastrogewerbe sich dieser Idee, die Lebensmittelverschwendung eindämmen soll, anschließen würden. Zu Recht: Der spanische Eintopf, so das Ergebnis des Selbstversuchs, wäre wirklich viel zu schade zum Wegwerfen gewesen.

App zur Lebensmittelrettung

„Too Good To Go“ ist eine App zur Lebensmittelrettung. Sie ermöglicht gastronomischen Betrieben, übrig gebliebene Speisen zu einem vergünstigten Preis an Selbstabholer zu verkaufen. So müssen Restaurants, Cafés, Supermärkte und Hotels Lebensmittel, die noch gut sind, nicht entsorgen. Die App ist mit Stand März 2019 in neun Ländern verfügbar. 2017 wurde sie mit dem Bundespreis Ecodesign ausgezeichnet.

Pro „geretteter“ Mahlzeit geht eine Provision an das Unternehmen mit Sitz in Berlin. Laut seiner Homepage wurden bisher mehr als 29 000 Mahlzeiten auf diesem Weg „gerettet“.

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