Leidenschaftliche Debatte

Millionen-Defizit: Klinikum-Schieflage macht den Soester Stadtrat ratlos

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Das Klinikum Stadt Soest 

Fusion? Weiter wachsen? Glaube an Zukunftskonzept? Die Ideen-Liste ist lang, doch ein echter Durchbruch gelang bisher nicht 

Soest – Mehr als eine Stunde hat sich der Stadtrat jetzt Zeit genommen für seine Sicht auf das stadteigene Klinikum. Den drei kleinen Parteien  Bürgergemeinschaft, FDP und Junges Soest ist das Vertrauen in die Geschäftsführung bereits abhanden gekommen. 

Die spannende Frage, die aber alle umtreibt, lautet: Wie geht es jetzt nach dem Zwei-Millionen-Euro-Verlust aus dem Vorjahr weiter?

Am ehesten liefert Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer noch eine Antwort: „Wir haben im vergangenen Jahr das Zukunftskonzept beschlossen.“ 

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Das soll die Wirtschaftlichkeit des Krankenhauses stärken und bis 2022 dafür sorgen, dass das Klinikum – gleichsam als Plan B – auch allein klarkommt und seine Verpflichtungen aus eigener Kraft bewältigen kann, falls es nicht zu der beabsichtigten Fusion mit dem Marienkrankenhaus und dem Katholischen Hellwegverbund kommt (Plan A). 

"Keine Unternehmen"

Bereits für das vergangene Jahr ist dieses Konzept „Klinikum 2022“ in die Wirtschaftsplanung mit eingeflossen; doch an den Zahlen für 2018 ist die Wirkung nicht ablesbar. 

Dazu Ruthemeyer: „Wie schaffen wir es, die selbst auferlegten Ziele zu erreichen?“ Auf jeden Fall sei die „Geschäftsführung gefordert“, aus dem Konzept Realität werden zu lassen. 

„Krankenhäuser sind keine Wirtschaftsunternehmen“, hatte zu Beginn der Debatte der sichtlich unter Anspannung stehende Klinikum-Chef Oliver Lehnert dem Rat erläutert. „Wir produzieren keine Autos“, vielmehr kümmere sich sein Haus „seit über 100 Jahren“ um den gesundheitlichen Versorgungsauftrag der Stadt. 

Er verwies erneut auf die schwierigen Rahmenbedingungen (Erlös-Deckelung, Personalkosten, Mindestkonzept Pflege) und kündigte an, in das rote Zahlen schreibende Fitness-Center in Unna („Vitalis“) „sicherlich noch viel Arbeit stecken zu müssen“, damit es nicht weiter ein Kostengrab bleibt. 

SPD-Fraktionschef und Klinikum-Aufsichtsrats-Vorsitzender Roland Maibaum („Ich habe mich nicht um den Job beworben, er ist mir angetragen worden“) bezeichnete das Krankenhaus als „erfolgreichen Versorger“ und rügte „neoliberale“ Betrachtungsweisen, Kliniken müssten Finanzerträge erwirtschaften. 

Nicht wirtschaftlich

Genau das könnten sie in vielen Bereichen – namentlich Kinderstation, Geburtshilfe, Geriatrie – eben nicht, weil die Kassen die Kosten nicht komplett deckten. Am schärfsten ging Michael Burges (FDP) mit dem Klinikum-Geschäftsführer ins Gericht. 

Der habe wiederholt nicht die von ihm selber angekündigten Ergebnisse gebracht. Anstatt das von der Stadt gewährte Zwei-Millionen-Euro Darlehen pünktlich 2020 zurückzuzahlen, drohe der Stadt womöglich eine erneute Finanzspritze für ihr Krankenhaus: „Ein Fass ohne Boden.“ 

Mit seiner Behauptung, das Betriebsklima im Klinikum sei „extrem schlecht“, stand Burges indes allein da. Solche Behauptungen seien „niederschmetternd“, konterte Anne Richter (Grüne).

Und auch Bürgermeister Ruthemeyer warnte, solche Sichtweisen in die Öffentlichkeit zu tragen; derzeit gebe es eher „wechselseitige Fluktuationen“ beim Personal zwischen den beiden Soester Krankenhäusern.

Guter Ruf

„Das Klinikum genießt einen guten Ruf“, befand Ingo Dietscheidt (CDU), die Mitarbeiter seien motiviert, ihnen gebühre uneingeschränkt der Dank des Stadtrats. Dietscheidt prophezeite, wegen der schwierigen Rahmenbedingen und der „Handschellen“ des Gesetzgebers, der größere Kliniken wolle, „werden die Verluste zunehmen“. 

Die einzige Lösung: „Der Weg zur Fusion mit dem Marienkrankenhaus muss konsequent zu Ende gegangen werden.“ 

Anne Richter indes hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es mit dem gestarteten Zukunftskonzept gelingen könnte, das Klinikum auf Vordermann zu bringen und zu vergrößern.

Freilich; „Diese Kraftanstrengung kostet viel Geld.“ Durch Schlechtreden aber werde sich die Situation nicht ändern. Das Haus zähle mit seiner Medizin zu den besten im Land.

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