Nach mehreren Zwischenfällen

Klinikum: Sicherheitsdienst unterstützt Nachtschwester

Klinikum Soest. Nachts patrouilliert hier ein Sicherheitsdienst.

Soest - Im Klinikum Stadt Soest ist seit wenigen Tagen ein Sicherheitsdienst unterwegs, der nachts die Mitarbeiter unterstützt, Ruhe und Ordnung durchzusetzen. Nach einer Reihe von Zwischenfällen hat sich das Krankenhaus zu dieser Verstärkung entschlossen, um nicht zuletzt Patienten einen angenehmen und störungsfreien Aufenthalt zu bieten.

„Wir schaffen ein wenig Ordnung“, sagt Klinikum-Geschäftsführer Oliver Lehnert. Er nennt ein paar Beispiele, wo in den vergangenen Wochen durch das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen Störungen aufgekommen seien: Da halten sich mal auf einem Patientenzimmer 20 bis 30 Familienangehörige auf, ohne dass ein Ende der fröhlichen Zusammenkunft absehbar wäre. Da klopfen nachts Angehörige ans Fenster, um in den Patientenstuben übernachten zu können. Da würden auch mal Ärzte und Schwestern aggressiv angegangen; Hintergrund seien nicht selten sprachliche Verständigungsschwierigkeiten. In Einzelfällen habe man bereits die Polizei für eine Deeskalation zur Hilfe holen müssen.

„Das Verständnis für das System Krankenhaus ist offensichtlich nicht überall auf der Welt das gleiche“, sagt der Klinik-Chef. Er hat sich mit dem Ordnungsamt und örtlichen Sicherheitsdiensten kurzgeschlossen. Seit dem vergangenen Wochenende sind nun nachts von 20 bis 7 Uhr ein oder zwei Security-Mitarbeiter vor allem im Bereich der Kinderstation und der Geburtshilfe unterwegs; hier sind die meisten ausländischen Patienten untergebracht.

Sicherheitskräfte sprechen arabisch

Um nicht in eine falsche Schublade sortiert zu werden, sagt Lehnert: „Es geht hier nicht um Vorbehalte oder Vorurteile gegenüber Flüchtlingen und Asylsuchenden.“ Doch Ruhe, Rücksicht, feste Abläufe und Ordnung seien nun mal die Basis für alle medizinische Versorgung und Pflege. „Wir sind ein Krankenhaus, und das wollen wir auch bleiben.“ Weil das nicht von allen so gesehen werde, bitte man eben die Sicherheitskräfte um Unterstützung. Die sprächen Arabisch und könnten sich im Konfliktfall der auffälligen Kandidaten annehmen. Inzwischen hat das Klinikum auch seine Hausordnung auf Arabisch und in weitere Sprachen übersetzen und aushängen lassen.

„Das ganze Haus scheint durchzuatmen“, fasst Lehnert seine ersten Erfahrungen mit den externen Security-Helfern zusammen. Schwestern und Ärzte hätten im bisweilen stressigen Klinik-Alltag weder Zeit noch Nerven, sich auf Reibereien oder langwierigen Diskussionen (mit Händen und Füßen) einzulassen.

Schwierige Situationen gebe es aber nicht nur im Umgang mit fremden Kulturen. Gerade Mitarbeiter in den Ambulanzen berichten im mer öfter von ungeduldigen, manchmal sogar aggressiven und unverschämten Patienten – vor allem, wenn die getrunken haben oder mit Psychosen ins Haus kommen.

Auch hier sollen die neuen Aufpasser demnächst schnell zur Stelle sein, wenn Not am Mann ist. Im ganzen Haus sind die Nummern der Security ausgehändigt worden.

Von unschönen Szenen in der Notaufnahme weiß auch das Marienkrankenhaus zu berichten. Nach Auskunft von Sprecherin Karin Riedel werde deshalb ein Deeskalations-Training vorbereitet, um die Mitarbeiter zu wappnen. Im Umgang mit Flüchtlingen dagegen habe das Marienkrankenhaus noch keine schlechten Erfahrungen gemacht und sehe deshalb keinen Handlungsbedarf.

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