"Es ist die Ruhe vor dem Sturm, wir erwarten eine Welle"

Coronavirus: Marienkrankenhaus und Klinikum Soest fühlen sich bestens gewappnet

+
Weiträumig abgesperrt ist auch der Außenbereich rund um die Zimmer des Klinikums, in dem Corona-Patienten versorgt werden.

Die ersten Corona-Patienten sind bereits in den Soester und Werler Krankenhäusern in Behandlung, einige haben auch schon wieder den Heimweg antreten können.

Soest/Werl – Niemand liegt zur Zeit auf der Intensivstation und muss beatmet werden, so berichten die örtlichen Klinik-Ärzte. Und dennoch: Die Situation, so sagen sie, könnte sich rasch zuspitzen. 

Dr. Heiner Hof, Leitender Oberarzt für Lungenheilkunde im Marienkrankenhaus, und Tobias Franke (Kaufmännischer Direktor) formulieren es so: „Es ist die Ruhe vor dem Sturm, wir erwarten die Welle.“ 

Dafür seien sie gut vorbereitet, die Verfahrensabläufe seien eingespielt, wenn mehr (bestätigte) Corona-Patienten ins Haus kommen. 15 vollwertige Beatmungsplätze sind hergerichtet. Derzeit aber müssen sie sich nur um einen infizierten Patienten kümmern, er ist „klinisch stabil“. 

+++ Lesen Sie hier unseren Corona-Ticker aus dem Kreis Soest +++

+++ Lesen Sie hier unseren Corona-Ticker aus NRW +++

Coronavirus in Soest: Klinikum-Patienten durften schon nach Hause

Dr. Thomas Keweloh ist Chefarzt im Klinikum Soest und leitet dort das Hygiene-Team. Die ersten zwei positiv getestete Corona-Patienten konnten bereits wieder entlassen werden. 

Die Krankheit bei ihnen ist so milde ausgefallen, dass sie sich zu Hause schonen können, natürlich unter Quarantäne. Derzeit gibt es im Klinikum nur einen Verdachtsfall, der Patient ist am Mittwochmorgen aufgenommen worden. 

Doch in Soest ist alles vorbereitet für den Fall, dass die Zahlen nach oben gehen. Im Klinikum sind im Erdgeschoss zum Park hin acht Isolier-Zimmer hergerichtet, bei Bedarf können schnell weitere acht „Einzel“-Zimmer hinzugefügt werden. 

Vor fast 50 Jahren, als das damalige Stadtkrankenhaus im Westen am Senator-Schwartz-Ring gebaut wurde, hatten die damals Verantwortlichen entschieden, diesen Trakt gleich als Isolierstation anlegen zu lassen. 

Hier gibt es also bereits Zimmer, die einen Vorraum als Schleuse haben und die mit Lüftungsanlagen ausgestattet sind, die leichten Unterdruck erzeugen, sodass Keime im Raum bleiben und nicht auf die Flure gepustet werden. 

Coronavirus in Soest: Weg in den Krankenhäusern ist durchgeplant

Im Marien wie im Klinikum ist genauestens organisiert, wie Verdachts-Patienten ins Haus kommen und welchen Weg sie nehmen. Im Marienkrankenhaus ist eigens der Kioskbereich nahe des Haupteingangs umgebaut worden, damit Infizierte nicht über die zentrale Notaufnahme einziehen und dort gleich ihre Erreger verteilen. 

Hier im „Kiosk“ werden die Patienten untersucht, und es wird entschieden: Können sie nach Hause oder geht es auf die Station, womöglich auf die Intensivstation? Für den Weg dorthin steht extra ein separater Aufzug parat. 

Kommen die Patienten mit dem Rettungsdienst, werden sie noch in der Einfahrtschleuse von einem Arzt untersucht. Weil aber auch (einige wenige) Patienten auf eigene Faust und ohne Absprache oder Untersuchung durch den Hausarzt losmarschieren, steht an der Eingangspforte ein medizinisch geschulter Türsteher, der aufpasst, dass bloß kein Infizierter kreuz und quer durchs Krankenhaus wetzt.

Coronavirus in Soest: "Wichtig ist eine saubere Diagnose"

Im Klinikum ist neben der Krankenwagen-Einfahrt ein separater Isolier-Raum eingerichtet worden. Wer positiv auf den Corona-Virus getestet worden ist oder als Verdachtsfall mit entsprechenden Symptomen gilt, bekommt eine Schutzmaske aufgesetzt, bevor er zu den Isolier-Zimmern und vorab zum Röntgen geleitet wird. „Wichtig ist gleich am Anfang eine saubere Diagnose“, sagt Keweloh. 

„Bis jetzt sind alle Mitarbeiter fit – Ärzte wie Schwestern und Pfleger“, heißt es aus den örtlichen Krankenhäusern. Entscheidend für die gelöste und gute Stimmung sei, dass man sich die Zeit in den vergangenen Tagen und Wochen genommen habe, sich auf die Situation vorzubereiten.

Coronavirus in Soest: Gewappnet für Vielzahl von Patienten

Um gewappnet zu sein für Corona-Patienten in größerer Zahl, haben sowohl das Klinikum Soest als auch das Marienkrankenhaus ihre sonstigen Kapazitäten drastisch heruntergefahren. Im Marien sind die Betten derzeit nur zu 45 Prozent ausgelastet, Tobias Franke beziffert die augenblickliche Patientenzahl auf 145. 

Ganz ähnlich die Lage im Klinikum: Jedes zweite Bett ist auch hier unbelegt. „Die Notfall-Versorgung bleibt stabil“, erläutert Thomas Keweloh. Wer wegen eines akuten Krebsleidens dringend operiert werden muss, bekommt die Behandlung. Wer ein neues Hüft- oder Kniegelenk benötigt, muss warten. Derweil verlassen sich alle Verantwortlichen in beiden Kliniken darauf, dass der Staat einspringen wird und die wirtschaftlichen Ausfälle durch diese Stand-By-Strategie erstattet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare