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Standgebühren für Schausteller auf der nächsten Kirmes sollen kräftig steigen

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Von: Achim Kienbaum

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Damit die nächste Kirmes für den Soester Haushalt nicht allzu teuer wird, will die Verwaltung die Standgebühren für die Schausteller anheben.
Damit die nächste Kirmes für den Soester Haushalt nicht allzu teuer wird, will die Verwaltung die Standgebühren für die Schausteller anheben. © schröder

Die Allerheiligenkirmes steht für ungezählte Momente und Erinnerungen von Besuchern, die mit Geld gar nicht zu bezahlen sind – was auch für die positive Imagewerbung für die Stadt gilt. In Cent und Euro kann dagegen ziemlich genau beziffert werden, was Schausteller und Kämmerer das Fünftagespektakel kostet. Diese Rechnung ist schon im vergangenen Jahr für die Stadt nicht aufgegangen – und im kommenden Jahr droht der Spaß für den Soester Haushalt noch teurer zu werden. Um das wenigstens halbwegs zu verhindern, sollen die Schausteller mit höheren Standgebühren zur Kasse gebeten werden.

Soest – Wenn's im Rathaus ums Geld geht, hat in aller Regel der Hauptausschuss ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Auf dessen Tagesordnung für die nächste Sitzung am Donnerstag, 20. April, um 18 Uhr im Ratssaal findet sich denn auch unter Punkt 7 das Thema „Gebührenanpassung Allerheiligenkirmes 2023“ – und eine Kalkulation, die deutlich macht: Die Standgebühren der Schausteller decken die Kosten für die Bereitstellung der Kirmesinfrastruktur nicht einmal annähernd.

Im vergangenen Jahr klaffte bereits eine Lücke von knapp 164 000 Euro zwischen den Erträgen aus den Standgeldern und den Aufwendungen für die von der Stadt erbrachten Leistungen. Das hatte unter anderem damit zu tun, dass die Erträge aus den Standgeldern 2022 im Vergleich zur letzten Kirmes vor Corona in 2019 um fast 65 000 Euro niedriger ausfielen – vor allem wegen Auswirkungen der Pandemie.

So sank von 2019 auf 2022 nicht nur die Zahl der Bewerbungen dramatisch (von 1580 auf 672), auch die Zahl der zugelassenen Schausteller sank in diesem Zeitraum um 70, von 424 auf 354. Zusammen zahlten sie im vergangenen Jahr 703 000 Euro an Gebühren. Für die nächste Kirmes wird mit einer ähnlich großen Zahl an Schaustellern gerechnet, aber mit deutlich höheren Kosten.

Die Folge: Das Defizit wird, ohne eine Anhebung der Gebühren, bei der Kirmes 2023 auf rund 226 000 Euro wachsen – ein Betrag, den die Stadt nicht alleine schultern will. Sie schlägt deshalb vor, die Standgebühren so zu erhöhen, dass im Ergebnis die Hälfte des erwarteten Defizits, also 113 000 Euro, von den Schaustellern getragen wird, die andere Hälfte will sie selbst übernehmen.

Dabei, so ist der Ausschuss-Vorlage ebenfalls zu entnehmen, sollen die Betriebe nicht nach der Rasenmähermethode alle gleich stark zur Kasse gebeten werden.

Schausteller-Präsident will „Volksfest für alle“

Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes und bekennender Fan der Allerheiligenkirmes, sieht eine Erhöhung der Standgebühren für seine Kollegen kritisch.

Die Kosten würden zwar auch auf anderen Volksfesten im Land steigen, dennoch sieht er in Soest „spezielle Gründe für die Steigerung“. Hier seien die Standgelder ohnehin schon vergleichsweise hoch. Jetzt noch weiter an der Schraube zu drehen könne Schausteller, die gezwungen seien, sehr genau zu kalkulieren, „ins Grübeln bringen“.

Schließlich habe die Branche viele weitere Probleme wie gestiegene Energiekosten und Personalmangel. Höhere Standgebühren über eine Erhöhung der Preise an die Kundschaft durchzureichen, hält Ritter für falsch: „Der Besuch eines Volksfestes muss auch für Familien erschwinglich bleiben, die wenig Geld haben.“

Stattdessen sollen die Gebühren für die Nutzung des Wohnwagenplatzes zwar für alle Schausteller, die dort ihre Wagen anmelden, von aktuell 198 auf 224 Euro angehoben werden. Auf dem Pferdemarkt sollen die „Gebührenanpassungen“ aber ausschließlich von den Ausschank- und Imbissbetrieben bezahlt werden.

Weitgehend geschont werden sollen auch die Spezialisten und Händler auf der Kirmes – ähnlich wie für ihre Kollegen auf dem Pferdemarkt gelte auch für sie, so die Verwaltung, dass „aufgrund rückläufiger Bewerberzahlen eine Gebührenanpassung nur in eingeschränktem Umfang möglich“ sei.

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