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Kirmes-Bummel mit deutlich kleinerer Gästeschar - Stadt dankt Pflegepersonal

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Von: Gökcen Stenzel

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Fröhliche Gästeschar mit Jägerken und Bördekönigin. Zwischen ihnen steht Staatssekretär Edmund Heller, neben ihnen Gina Lückenkemper und Eckhard Ruthemeyer.
Fröhliche Gästeschar mit Jägerken und Bördekönigin. Zwischen ihnen steht Staatssekretär Edmund Heller, neben ihnen Gina Lückenkemper und Eckhard Ruthemeyer. © Peter Dahm

Beinahe war es wie immer. Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer hatte für Donnerstagmorgen ins „Solista“ und zum anschließenden Bummel geladen, und etliche Vertreter der heimischen Politik und Wirtschaft waren dem Ruf gefolgt.

Soest - Staatssekretär Dr. Edmund Heller überbrachte die Grüße „seines“ Gesundheitsministers Karl-Josef Laumann, der mit seiner Erlaubnis die Allerheiligenkirmes letztlich erst ermöglicht hatte. Gefreut hat das die gesamte Gästeschar, zu der auch die Sponsoren Catharina und Frank Cramer sowie die Kirchenmänner Dr. Christian Welk und Propst Dietmar Röttger gehörten.

Und da kommt das „beinahe“ ins Spiel. Denn die Gästeschar war deutlich kleiner als in den Jahren vor Corona – den neuen Spielregeln geschuldet. Zu denen gehörte auch hier, dass der Zugang kontrolliert wurde, erst danach gab es die begehrten Kirmesbändchen für den Tag.

Kirmes-Bummel in Soest: Ehrengäste beim Empfang

Zum Bummel gehört aber in jedem Fall der Rummel – und auf den ging es dann schon am frühen Vormittag. Der Start in die Fahrgeschäfte gehört dem Riesenrad, einfach weil sich da beinahe jeder noch hinein traut. Landespolitiker Heiner Frieling, Bürgermeister Malte Dahlhoff, Bankchef Bernd Wesselbaum und IHK-Chef Andreas Rother beispielsweise. Dicht gefolgt vom Werner Bürgermeister Lothar Christ und Jens Wieners vom Brauhaus Zwiebel.

Netzwerken und gute Gespräche führen, das geht beim Rundgang ebenfalls, zum Beispiel beim ersten oder zweiten Bier und dem obligatorischen Bullenauge. Hierbei waren die Sportler Gina Lückenkemper und Falk Wendrich allerdings raus. Letzterer trinkt selten mal einen Wein, und die Spitzenläuferin trinkt während der Saison gar keinen Alkohol. Sie ist Mitte November noch einmal für einen Monat im Trainingscamp in Florida, kommt zu Weihnachten zurück in die Heimat.

Und sonst? Stadtwerke-Chef André Dreißen hatte Geburtstag und nahm Applaus und Glückwünsche entgegen. Gibt Schlimmeres am Kirmesdonnerstag.

Kirmes-Bummel in Soest: Covid hat Arbeit im Krankenhaus stark verändert

Schrecklich. Das Wort fällt öfter im Gespräch mit Oliver Metzig. Schrecklich sei es gewesen, Coronakranke pflegen zu müssen, ohne ihnen wirklich helfen zu können. Der Zustand etlicher Patienten verschlechterte sich von Tag zu Tag, Menschen wie Metzig standen ohnmächtig daneben. Einige starben, ohne von ihren Angehörigen Abschied genommen zu haben. Diese Erfahrungen haben sich dem Pfleger eingebrannt; der Niederenser arbeitet im Marienkrankenhaus und dort auf der Covid-Station, seit diese eingerichtet wurde.

Seine Kollegin Saskia Theimann ergänzt, dass sie froh ist, dem Virus nun nicht mehr ohnmächtig ausgesetzt zu sein. „Wir wissen inzwischen viel mehr über die Wirkweise von Therapien und können ganz anders helfen als noch vor einem Jahr.“ Beide betonen, dass sich trotz steigender Infektionszahlen das aktuelle Geschehen im Krankenhaus nicht mit dem aus dem Vorjahr vergleichen lasse – den Impfungen sei Dank. So würden inzwischen weit weniger Patienten an Beatmungsgeräten liegen wie noch vor einiger Zeit.

Die beiden gehörten zu den insgesamt 13 Pflegekräften aus den Soester Hospitälern und Pflegeheimen, die stellvertretend für alle anderen beim Kirmesempfang der Stadtspitze als Ehrengäste geladen waren.

Denn der Kirmesdonnerstag steht nicht nur im Zeichen des Pferdemarkts. Traditionell empfängt die Stadtspitze an diesem Morgen geladene Gäste zum Kirmesbummel. „Auf diese Weise möchten wir Ihnen allen Dank sagen für Ihren Einsatz und Ihr Engagement, das Sie bewiesen haben“, sagt Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer in seiner Begrüßung in Richtung Pflegekräfte.

Haben die Pfleger je Angst gehabt, sich zu infizieren und selbst schwer zu erkranken? „Angst ist das falsche Wort“, antwortet Saskia Theimann. „Aber man kann schon von Respekt sprechen.“ Die Wickederin ist froh, dass die Erkenntnisse über Covid praktisch täglich wachsen, das helfe, die Gefahren realistischer einzuschätzen. Inzwischen sei Corona „eine Infektionskrankheit wie viele andere, mit denen wir umgehen müssen. Sie wird nicht wieder verschwinden, sondern langsam unsere neue Normalität prägen.“ Mit Covid-Leugnern oder Impfgegnern geht die junge Frau sehr gelassen um. Die ließen sich ohnehin von keinem Argument überzeugen. Seit aber immer mehr Menschen Infizierte und Erkrankte in ihrem Bekanntenkreis hätten, würden die Stimmen, die von Verschwörungstheorien sprechen, doch leiser.

Apropos Normalität. Kirmes gehört für die beiden seit früher Jugend dazu, und die Freude, in diesem Jahr zu den Ehrengästen zu gehören, ist ihnen anzusehen.

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