Große Unklarheit

Corona-Weihnachten im Zelt statt in der Kirche?

An den Türen zum Patroklidom weisen Schilder auf richtiges Vrhalten hin.
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An den Türen zum Patroklidom weisen Schilder auf richtiges Verhalten hin.

Weihnachten und Kirche - das gehört für viele Menschen einfach zusammen. Doch im Corona-Jahr ist alles anders. Die Kirchen denken bereits jetzt darüber nach, wie sie das Fest feiern sollen.

Soest - Nie waren die Soester Kirchen voller als zu Weihnachten. Wer zu Heiligabend einen Sitzplatz in der Petrikirche oder im Dom ergattern wollte, ging am besten schon eine Stunde vorher hin. Hunderte Menschen drängten sich zum „Soester Gloria“ auf den Petrikirchhöfen. Schon Tage zuvor war in der Hohnekirche kein Platz mehr beim Krippenspiel zu bekommen. So war es bisher.
Und jetzt? Macht in diesem Jahr allen Ritualen eine Strich durch die Rechnung – vor allem, weil die Coronazahlen im Kreis Soest steigen?

Tatsache ist, dass in Soest Protestanten wie Katholiken seit Wochen Szenarien planen, wie Weihnachten trotz der Pandemie würdig gefeiert werden kann. Das Problem, das beide großen Kirchen haben: Sie müssen planen, können aber die Inzidenzzahlen, die dann herrschen, nur ahnen. „Wir fahren auf Sicht“, beschreibt es Pastor Ludger Eilebrecht.

Das Erzbistum Paderborn und die Evangelische Kirche von Westfalen haben Handreichungen mit Vorschlägen herausgegeben, wie’s gehen könnte. Scheune und Schützenhalle, ja sogar im Freien, überall könne Weihnachten gefeiert werden, heißt es – Hauptsache, der entsprechende Schutzabstand kann eingehalten werden. Eine Entscheidungen muss jede Gemeinde treffen.

Weihnachten im Corona-Jahr: Gemeinde mietet Fußballstadion

In Sundern habe eine Gemeinde ein Fußballstadion gemietet, um mit Abstand feiern zu können, berichtet Hans-Albert Limbrock, Sprecher von 28 Gemeinden des Kirchenkreises Soest-Arnsberg. In Soest seien aber die meisten Gemeinden noch nicht so weit.

Die Pfarrgemeinden der Niederbörde planen, einen Weihnachtsgottesdienst ohne Gläubige, aber mit allem Drumherum zu feiern und die Feier auf DVD zu brennen. „Die wollen wir vor allem an ältere Menschen weitergeben, die dem Weihnachtsgottesdienst dann zuhause im Sessel verfolgen können“, sagt Limbrock.

In Richtung „Gottesdienste aus der Retorte“ planen auch die Katholiken im Pastoralen Raum Soest. „Wir haben mit der Nutzung digitaler Medien gute Erfahrungen gemacht – vor allem in Möhnesee und im Dom“, sagt Eilebrecht. „Wir hatten tolle Zugriffszahlen.“

Völlig unklar ist, was mit Veranstaltungen wie Martinszügen, Nikolausfeiern und Sternsinger-Aktionen passieren soll. „Wir müssen uns wohl schweren Herzens von traditionellen Bildern verabschieden“, meint Eilebrecht. Zu Weihnachten sei das natürlich deutlich schwieriger als zu Ostern.

Aber die Gläubigen hätten mit einem deutlichen „Weniger“ die Chance, zum Wesentlichen eines Festes vorzudringen. Die Kommunion- und Firmfeiern im neuen Rahmen hätten das in jüngster Zeit gezeigt

Die katholische Patrokli- und die evangelische Petrigemeinde in Soest wollen Weihnachten ökumenisch feiern. Da steht schon fest, und Propst Röttger und Pfarrer Roeger wollen im November Näheres verkünden.

„So hat die Pandemie doch auch noch was Gutes, wenn sie zur Ökumene beiträgt“, meint Eilebrecht.

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