Vorbild seit 20 Jahren

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Im Kindergarten Talitha Kumi feierten Kinder und Erzieher Geburtstag – mit Pippi Langstrumpf und ein paar Bösewichten.

Soest - „Mit Gottes Hilfe hoffen wir, den Bau vollenden zu können, damit die Kinder der Stadt Soest darin Geborgenheit und Liebe erfahren. All dies zur Ehre Gottes, Soest, im März 1997.“ 20 Jahre ist es her, dass der Vorstand des Evangelischen Kindergartenvereins Soester Süden diese Schlussworte für die Urkunde zur Grundsteinlegung verfasst hatte. Nun wurde der runde Geburtstag gefeiert.

Am 18. August 1997 öffnete Talitha Kumi erstmals seine Pforten. Sein Name leitet sich aus dem Evangelium nach Markus ab und bedeutet wörtlich „Mädchen, steh auf“, für das fast 20-köpfige Team der Einrichtung jedoch eher „Kind, steh auf“. Am vergangenen Samstag nun wurde mit einem selbst verfassten Musical gefeiert. 

Dabei spielten, sangen und tanzten die Kleinen gemeinsam mit den Erzieherinnen die diversen Rollen in einem Stück rund um Pippi Langstrumpfs zehnten Geburtstag, und die beiden männlichen Kollegen spielten in dem Stück mit sichtlichem Vergnügen die bösen Einbrecher. Der Bau der Einrichtung fußte auf die Initiative des eingangs erwähnten 1995 gegründeten Trägervereins. 

Inga Schubert-Hartmann, seit zehn Jahren dessen Vorsitzende, blickt zurück: „Es gab damals einfach viel zu wenige Kindergartenplätze hier im Soester Süden.“ Lange war die Gegend bevölkert gewesen von den Angehörigen der belgischen Besatzungstruppen, die ihre eigenen Einrichtungen betrieben. Deren Abzug brachte viel neuen Wohnraum – und viele Familien mit Kindern. Schubert-Hartmann: „Der Kindergarten eröffnete direkt mit fünf Gruppen, was den Bedarf bewies.“ 

Zudem sei er als erster in Soest ökologisch ausgerichtet gewesen, indem von vornherein eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach installiert wurde – sie ist nach wie vor in Betrieb. Vorreiter sei er auch darin gewesen, dass er eine eigene Küche bekam, „das gab es damals in Soest noch nicht, da die meisten Kinder nur bis 12 Uhr blieben“, so die Vorsitzende. „Und heute essen 80 der 95 Kinder hier.“ 

Überschüsse aus der Kostenbeteiligung durch die Eltern werden auf ein gemeinsames und ausgewogenes Frühstück verwandt, „denn früher kamen einige Kinder ohne Frühstück, andere wiederum mit ungesunden Lebensmitteln und andere mit gesunden – die wollten dann immer gegen das ungesunde tauschen.“ Dennoch: Nutella darf auch mal auf dem Frühstückstisch landen, räumt Diana Gißel ein, die mittlerweile dritte Leiterin der Einrichtung. 

Hinzu komme der integrative Gedanke – elf der aktuell 95 Kinder haben ein Handicap – und der ökumenische. Schubert-Hartmann sagt weiter: „Zwar fußt der Kindergarten auf einem evangelischen Konzept. Aber wir sind heute weltoffen wie alle anderen auch – einer der Erzieher ist sogar Muslim, aber darauf kommt es uns nicht an. Wichtig ist allein, dass er ein guter Erzieher ist.“ 

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