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Bloß nicht essen: Diese Beeren sehen verlockend aus, sind aber giftig

Kermesbeeren sind giftig
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Die prallen Früchte der Kermesbeere sehen verlockend aus und erinnern an Brombeeren. Die Samen in ihnen sind allerdings giftig.

Ins Auge fallen die dunklen, fleischigen Kermesbeeren. Vernaschen sollte man sie aber nicht, rät Gartenexperte Klaus Fischer.

Soest – Geht man mit offenen Augen durch Stadt, Feld und Flur, entdeckt man immer wieder Neues. In einem Vorgarten sahen wir jetzt eine Fläche, auf der dicht an dicht Pflanzen standen, die fast 1,5 Meter hoch waren. Ins Auge aber fielen sie durch dunkle, fleischige Beeren etwa in der Farbe von Brombeeren. In senkrecht stehenden Ähren befanden sich etliche hundert dieser Beeren, die zugegebenermaßen zum Vernaschen verlockend wirkten.

KermesbeerePhytolaccaceae
FamilieKermesbeerengewächse
OrdnungNelkenartige

Dieser Vorgarten zeigte das, was ganz typisch für diese Pflanze und diese Jahreszeit ist. Die Kermesbeere (Phytolacca) hat sich hier breit gemacht. Es handelt sich dabei um eine große Staude, die sich teilweise sogar zu einem bis zu zwei Meter hohen Busch auswachsen kann.

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Kermesbeere: Vor Jahrzehnten eingewandert

Bei uns kommen zwei Arten der Kermesbeere wild vor, die amerikanische und die asiatische. Damit ist auch schon viel über ihrer Herkunft gesagt. Diese Kermesbeeren sind bei uns vor Jahrzehnten eingewandert und verbreiten sich immer weiter von Süden nach Norden. Unterscheiden kann man die beiden Arten durch die Wuchsform ihrer Blüten- und Fruchtstände. Bei der asiatischen Form, die bei uns dominiert, stehen Blüten und Fruchtstände aufrecht, während sie bei der amerikanischen nach unten hängen.

Diese Unterscheidung ist durchaus wichtig, denn Kermesbeeren gelten als giftig, wobei die amerikanischen eine höhere Giftkonzentration besitzen. Wichtig ist das für Familiengärten, in denen kleine Kinder spielen. Bei denen kann der Verzehr schon weniger Beeren, die wirklich sehr verlockend aussehen, zu Übelkeit, Magenbeschwerden, Krämpfen, Erbrechen und Durchfall führen.

Bei Erwachsenen machen sich solche Beschwerden erst bei höherer Dosis bemerkbar. Dabei sitzen die meisten Giftstoffe (Saponine und Lectine) in der Wurzel und in den Samen, die sich allerdings in den Beeren befinden. Das Gift reichert sich im Laufe der Vegetationsperiode in der Pflanze an. Da die asiatische Kermesbeere deutlich weniger Giftstoffe besitzt, sollten wir diese Art für den Garten bevorzugen, wenn wir sie anpflanzen wollen.

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Kermesbeere: Boden sollte immer feucht sein

Die Kermesbeere sieht attraktiv aus. Ihre Blütenstände sind ab Juni anfangs weiß und gehen dann im Laufe der Blühperiode von unten nach oben in einen dunkelroten bis schwarzen Farbton über, bis schließlich im September die gesamte Ähre mit den prallen Beeren besetzt ist. Kermesbeeren kommen mit fast jedem Boden zurecht und stehen gerne in der Sonne bis zum Halbschatten. Da sie mächtig wachsen, benötigen sie auch im Frühling einen kräftigen Dünger. Außerdem sollte der Boden immer feucht sein. Gerade jetzt im September sind sie ein wahrer Blickfang, wenn uns die vielen Beeren anlachen.

Wir sollten aber nicht die problematischen Seiten dieser Pflanze aus den Augen verlieren. Neben der Giftigkeit ist es ihr ungestümer Ausbreitungswille. Wer sich Kermesbeeren in den Garten holt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er diese Pflanze nicht mehr los wird.

Vor allem Vögel, die auf die attraktiven Beeren fliegen, sorgen für die rasche Verbreitung der Kermesbeere, da sie deren Samen unverdaut ausscheiden, der dann munter keimt und loswächst. Jungpflanzen lassen sich noch relativ leicht aus dem Boden ziehen. Ältere Exemplare aber bilden eine tiefe Pfahlwurzel, die wir ausgraben müssen, weil sie sonst immer wieder neu ausschlägt. Kermesbeeren verdrängen durch ihr ungestümes Wachstum viele andere Pflanzen. Man vermutet sogar, dass sie Stoffe ausscheiden, die das Keimen anderer Pflanzen und deren Wachstum unterdrücken. Deshalb gehört die Kermesbeere inzwischen zu den so genannten invasiven Neophyten. Will man verhindern, dass sie sich im Garten und dessen Umgebung ausbreitet, muss man die Beerenstände rechtzeitig vor ihrer Reife entfernen, bevor die Vögel sie als leckere Futterquelle entdeckt haben.

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