Fahrradstraße kommt

Keine Untersuchung des Radstreifens auf der Jakobistraße

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Der einst revolutionäre Radstreifen in der Jakobistraße ist so gut wie Geschichte – hier soll eine Fahrradstraße entstehen.

Soest - Die Diskussion um den mittig geführten Fahrradstreifen auf der Jakobistraße ist um eine weitere Facette reicher: Die Bundesanstalt für Straßenwesen hat der Stadt mitgeteilt, dass die geplante Untersuchung der Effekte des Fahrradstreifens nicht durchgeführt wird.

Die Stadt wurde aufgefordert, einen Termin zur Entfernung des Streifens zu nennen. An den Plänen, die Jakobistraße in eine Fahrradstraße umzuwidmen, ändert sich aber nichts. Auch der Streifen in der Nöttenstraße muss weg.

Es ist wie immer in den vergangenen Monaten: Das Rechtsfahrgebot der Straßenverkehrsordnung bleibt das wesentliche Argument in der Diskussion. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt mit dem NRW-Verkehrsministerium abgesprochen, im Rahmen eines Verkehrsversuches die Auswirkungen des 2008 auf die Straße gemalten und 2013 mit dem Deutschen Fahrradpreis ausgezeichneten Mittelstreifens zu überprüfen. 

Daraus wurde aber zunächst nichts: Der Bund schaltete sich ein und pochte auf die Entfernung des Streifens. Anfang des Jahres einigte man sich dann darauf, eine Fahrradstraße einzurichten und die Umstellung wissenschaftlich zu begleiten. Für diese Untersuchung wäre nicht die Stadt, sondern die Bundesanstalt für Straßenwesen zuständig gewesen.

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Seit dem vergangenen Jahr sei aber nichts passiert, sagt Stadtsprecher Thorsten Bottin gegenüber unserer Zeitung. Und nun weiß die Stadt, dass es auch keine weitere Erhebung geben wird. Die Bundesanstalt teilte mit, dass der Streifen wegen des nicht beachteten Rechtsfahrgebotes verkehrsrechtswidrig sei und eine Untersuchung daher nicht möglich ist.

„Das ist sehr bedauerlich. Wir hätten uns gewünscht, dass es diese Untersuchung gegeben hätte“, so Bottin. Die Stadt hatte darauf gehofft, in der Untersuchung die positiven Erfahrungen mit dem Fahrradstreifen darstellen zu können, um in der Zukunft eine Alternative für die bestehenden Regelungen zu schaffen. Soest hätte Vorbildcharakter haben können.

Wie die Stadt nun darauf reagiert, ist noch unklar. Ein Antwortschreiben werde vorbereitet, erklärte Bottin. Die weitere Absprache soll aber eingehalten werden. Die Stadt muss den jetzigen Streifen entfernen. Danach wird die Straße offiziell in eine Fahrradstraße umgewidmet, und aus aktuell zwei Streifen wird nur noch ein breiter Streifen einen Meter vom rechten Straßenrand entfernt. Nur links vom Streifen dürfen Autos und Fahrräder fahren.

In der Praxis wird sich für Radfahrer nicht viel ändern: Sie dürfen weiterhin in der Mitte der Straße fahren. Eine Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen beider Modelle wird es jetzt aber nicht geben.

Wie der Fahrradstreifen aufgetragen wurde, zeigt das Video:

Kommentar: Totschlagargument von Paragrafenreitern

Der preisgekrönte Mittelstreifen in der Jakobistraße muss entfernt werden, ein neuer Streifen soll die Sicherheit der Radfahrer gewährleisten. Das ist schon seit einigen Monaten klar und schon hier lässt sich über die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme streiten.

 Dass es nun die abgesprochene wissenschaftliche Untersuchung der Umstellung nicht geben wird, mag da auf den ersten Blick nur eine Randnotiz sein. Aber dennoch wundere ich mich über die Absage. 

Egal ob mittiger Fahrradstreifen oder Fahrradstraße mit nur noch einer Markierung am rechten Rand – im Mittelpunkt sollte immer die Sicherheit der Radfahrer stehen. Mit einer wissenschaftlichen Untersuchung hätte überprüft werden können, mit welchem Modell die Radfahrer sicherer durch die schmale Straße kommen. Für zukünftige Regelungen auch in anderen Städten wären diese Ergebnisse wichtig gewesen. 

Stattdessen wird nun wieder mit dem Rechtsfahrgebot argumentiert – dem Totschlagargument der Straßenverkehrsordnung: Die jetzige Regelung ist rechtswidrig und daher eine Untersuchung nicht möglich. Es soll nicht sein, was nicht sein darf.

Einleuchtend ist diese Paragrafenreiterei nicht und es stellt sich die Frage, ob eine Untersuchung überhaupt jemals ernsthaft in Erwägung gezogen wurde. Daten zur aktuellen Situation hätte man schließlich längst sammeln können. Man hätte eine Grundlage für einen späteren Vergleich mit der zukünftigen Fahrradstraße gehabt.

Anscheinend wollen die Verantwortlichen in den Ministerien aber nicht riskieren, dass sich herausstellt, dass die Soester Regelung eigentlich die bessere Lösung gewesen wäre. Denn diese entscheidende Frage wird nun ungeklärt bleiben.

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