Stadt und Besitzerin 

Keine Baugenehmigung? Streit um Blöcke in Adam-Kaserne entbrennt

Die Blöcke der Adamkaserne werden mehr und mehr zum Streitfall zwischen Stadt und Besitzerin, die sie aufwendig sanieren will und muss.
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Die Blöcke der Adamkaserne werden mehr und mehr zum Streitfall zwischen Stadt und Besitzerin, die sie aufwendig sanieren will und muss.

Liegt noch gar keine Baugenehmigung für die Sanierung der alten Blöcke im belgischen Viertel vor? Zwischen Besitzerin und Stadt ist nun ein offener Streit entbrannt.

Soest – Ein innovatives Wohn- und Arbeitskonzept in den ziemlich alten Mauern von drei Blöcken auf dem ehemaligen Gelände der Adamkaserne – wie das miteinander harmonieren könnte, darüber haben Politik und Verwaltung auf der einen und die Eigentümerin auf der anderen Seite offenbar sehr unterschiedliche Vorstellungen. Unterschiedlich genug jedenfalls für die Stadt, um die Baugenehmigung für das Projekt zu versagen – zumindest vorerst. 

Rückblick

Im März 2018, also vor über zwei Jahren, erwarb eine Unternehmerfamilie aus dem Rheinland die drei Blöcke 4, 5 und 7 und gründete die „Armand Adam GmbH“ mit Sitz in München. Dort machte sich ein Projektteam unter Leitung von Geschäftsführer Christoph Hommerich an die Arbeit und entwickelte in Absprache mit interessierten späteren Mietern ein Konzept für zwei Wohnblöcke (4 und 5) und den ehemaligen Block 7, in dem unter anderem Arbeitsplätze und eine Kita entstehen sollten. Teil des Konzeptes sind auch große Gemeinschaftsflächen im Außenbereich. 

Am 27. März diesen Jahres wurde der Bauantrag bei der Stadt eingereicht, seit einigen Tagen steht fest: In seiner aktuellen Form wird der Antrag abgelehnt. Es gibt aber die Möglichkeit einer Anhörung für die Eigentümerin, um Argumente gegen die Ablehnung vorzutragen oder Änderungsvorschläge zu unterbreiten. 

Die Stadt 

Sprecher Thorsten Bottin weist gleich auf mehrere Konflikte zwischen den Planungen der Eigentümerin und dem geltenden, und „seinerzeit in Abstimmung mit dem Investor erarbeiteten Bebauungsplan“, sowie Vorgaben des Denkmalschutzes hin, die für die Blöcke gelten. 

Als Beispiele nennt er ein von der Eigentümerin geplantes Parkhaus, das der Bebauungsplan nicht vorsieht: Der geht von einer Tiefgarage aus. Und: Im vorgelegten Bauantrag seien, so Bottin, nicht genügend Stellplätze für Autos vorgesehen. Er stellt klar: Eine Änderung des Bebauungsplanes werde seitens der Stadt „nicht angestrebt“. Nicht genehmigungsfähig sei auch die „Zahl der vorgesehenen Arbeitsplätze“ im Block 7, die sei „mit einem Wohngebiet nicht verträglich“. Gegenüber der Eigentümerin wird in dem Zusammenhang auf Belastungen durch den zu erwartenden „An- und Abfahrtsverkehr“ verwiesen. 

Zudem gebe es „noch zahlreiche denkmalschutzrechtliche und weitere ungelöste Aspekte“, die eine Genehmigung des Antrages verhinderten, erklärt Bottin, ohne Details zu nennen. 

Die Eigentümerin 

„Bei der Berechnung der nötigen Pkw-Stellplätze haben wir uns an dem für NRW geltenden Schlüssel orientiert“, erklärt Sabrina Rahtgens, Mitglied des Projektteams, für die Eigentümerin. Der sehe einen Stellplatz pro Wohnung vor. Die Stadt fordere dagegen 1,5 Stellplätze pro Wohnung. Die Idee einer ursprünglich vorgesehenen Tiefgarage sei „intensiv geprüft worden“, habe sich aber sowohl aus ökonomischen wie ökologischen Gründen als nicht sinnvoll erwiesen. Daher werde nun ein „grünes Parkhaus“ favorisiert, das allen Bewohnern des Viertels zugänglich sein solle. 

Seit einigen Wochen mache außerdem ein deutlich gestiegener Grundwasserpegel Probleme. Im benachbarten Block 2 stehe der Keller bereits voller Wasser. 

Generell werde bei den Planungen Wert darauf gelegt, den Außenbereich zwischen den Blöcken nach Möglichkeit nicht für Parkplätze zu nutzen, sondern so zu gestalten, dass Bewohner hier eine hohe Aufenthaltsqualität genießen könnten. Im ehemaligen Block 7 seien, so Rahtgens, ausdrücklich keine lärmintensiven Arbeitsplätze oder „störenden Events“ mit entsprechendem Verkehr vorgesehen. „Lärm ist das, was wir reduzieren, weil es die Gesundheit von Menschen beeinträchtigt“, verweist sie auch auf andere Planungskomponenten, die darauf ausgerichtet seien, motorisierten Verkehr möglichst weit vom Wohnbereich wegzuhalten. 

Dissenz in Sachen Denkmalschutz gibt es nach Angaben von Rahtgens unter anderem beim Thema Außenaufzüge: In denen sieht die Stadt eine „Beeinträchtigung des Baudenkmals“, die Eigentümerin dagegen „eine wunderbare Aufwertung“. 

Wie geht’s weiter? 

„Wir sammeln Unterlagen und Belege für unsere Argumentation und setzen uns ein weiteres Mal mit dem Bauamt zusammen“, erklärt Rahtgens. Eine Einigung mit der Stadt, und damit die Baugenehmigung, hält sie für möglich – und damit auch eine Fertigstellung der Bauarbeiten im kommenden Jahr. Auf welcher Grundlage so eine Einigung erfolgen könnte, ist für die Stadt klar: „Die Abteilung Stadtentwicklung hat konkrete Hinweise gegeben, welche Veränderungen für eine Baugenehmigung nötig sind“, beschreibt Thorsten Bottin die Grenzen des Spielraumes für weitere Gespräche.

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