Doch es gibt ein Happy End

Kein Platz für Soester Schülerin: Eltern holen sich eine Absage nach der anderen

+
Jede Menge los. Wer an einer weiterführenden Soester Schule als Wechsler einen Platz bekommen will, muss sich ranhalten.

Soest – Teil 1 der Geschichte ist schon schlimm genug: Eine Zwölfjährige muss die Realschule in Soest verlassen, weil die Leistungen nicht ausreichen. Doch für die Familie kommt noch eine weitere Belastung hinzu: Sie läuft von Schule zu Schule und bekommt überall zu hören: Wir sind voll.

„Vor lauter Verzweiflung“ hat die Familie sogar in Möhnesee angeklopft. Aber auch dort zunächst mal Fehlanzeige. 

Die Familie ist erst vor drei Jahren von Italien nach Soest gezogen – hier gibt es Arbeit für den Vater, und hier lebt bereits ein Teil der Verwandtschaft. Die Tochter hat seither die Klassen 3 und 4 in der Wieseschule absolviert; danach gab es die Empfehlung für die Realschule. Doch es klappt dort leider nicht.

"Einige schaffen es nicht"

Trotz aller Förderung und Zuwendung – „einige schaffen es nicht“, sagt Schulleiterin Iris Epperlein. Viermal habe die Erprobungsstufen-Konferenz getagt. Jetzt am Ende der Klasse 6 sei es das Beste für das Kind, die Schule zu verlassen. „Angst bei jeder Klassenarbeit zu haben“ sei kein Dauerzustand, „unter so etwas leiden die Kinder unendlich.“

Die Familie hat das akzeptiert und ist gleich im Mai bei der Sekundarschule vorstellig geworden. An der Ganztagsschule lernen Kinder mit ganz unterschiedlichen Stärken: Die einen hätten genauso gut auch ein Gymnasium besuchen können, die anderen wären auf einer Real- oder Hauptschule gut aufgehoben. Doch die letzte Soester Hauptschule biegt gerade auf die Zielgerade ein: 2020 wird sie geschlossen. 

Die Zwölfjährige ist kein Einzelfall

Weil die Zwölfjährige kein Einzelfall ist, sondern im Lauf des Jahres Kinder durchaus in zweistelliger Zahl die Schule nach der Erprobungsphase (Klassen 5 und 6) verlassen, hat die Sekundarschule bereits für den Siebener-Jahrgang zweimal zusätzliche Klassen eingerichtet, berichtet Schulleiter Jörg Fitzian. Mit allen Begleiterscheinungen: Damit die „Wechsler“ nicht geschlossen in der Extra- Klasse lernen, sind die drei Parallelklassen aufgelöst worden und die gesamte Schülerschar der Stufe neu sortiert worden. 

Inzwischen ist die vierte Klasse pro Jahrgang sogar Standard an der Sekundar. Mit diesem Schritt wollten Politik und Verwaltung das Problem des großen Zulaufs zu den Ganztagsschulen eigentlich beseitigt haben. Doch es wird wieder eng. In der Sekundarschule ist die Zwölfjährige auf die Warteliste gesetzt worden. Seit dieser Woche wissen die Eltern: Es klappt nicht.

"Es sollte doch eigentlich selbstverständlich sein.."

Der Ratschlag, es in Körbecke auf der Möhneseeschule zu versuchen, hat leider auch nicht zum Erfolg geführt. „Es sollte doch eigentlich selbstverständlich sein, dass eine Stadt für ihre Schulkinder sorgt“, heißt es aus der Familie. 

Thomas Nübel, der Abteilungsleiter für Schule im Rathaus versichert: „Unser Ziel bleibt: Soester Kinder sollen in Soest aufgenommen werden.“ Zum aktuellen Fall bemerkt er: „Noch sind nicht alle Gespräche abgeschlossen.“ Das klingt nach Hoffnung und wäre gut für die betroffene Familie: Sie selber hat bereits von den Schulen eine gegenteilige Auskunft erhalten.

Doch es gibt ein Happy End

Donnerstag Morgen dann doch noch das Happy End: Nach den Anzeiger-Recherchen hat es schließlich ein Gespräch zwischen dem Soester Schulamt und der Körbecker Schule gegeben, berichtet die Familie: Das Kind bekommt einen Platz an der Möhneseeschule. Nur eine Stunde später ein weiterer Anruf: Jetzt ist auch noch ein Platz an der Soester Gesamtschule freigeworden. 

Nübel kündigt für den Herbst Vorschläge an, die das Problem beseitigen sollen. Details mag er noch nicht nennen. Nur so viel: „Die Rückläufer sind für uns eine echte Herausforderung.“ 

Es wird auf eine weitere Klasse hinauslaufen, sagt Anne Richter, Grünen-Ratsfrau und Vorsitzende des Schulausschusses. Sie ist nicht sonderlich überrascht über den Engpass; der habe sich irgendwie abgezeichnet. Umso energischer mahnt sie eine verlässliche Lösung an. „Diese Odyssee, wie sie gerade die Soester Familie durchgemacht hat, muss nicht sein.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare