Gartenserie mit Klaus Fischer

Paprika und Tomaten: Keimlinge jetzt pikieren - Garten-Experte sagt, wie es geht

Wer rechtzeitig sehr frühe Saaten ausgebracht hat, etwa Paprika, der erfreut sich sicher an dem frischen Grün, das dort sprießt. Allerdings wird es jetzt Zeit, die Keimlinge zu pikieren.

Je nachdem, wie wir ausgesät haben, stehen sie teils sehr dicht. Ich habe mir deshalb angewöhnt, das Saatgut möglichst einzeln auszubringen, damit das Pikieren hinterher leichter fällt.

PflanzengattungPaprika
FamilieNachtschattengewächse
VerwendungGemüse, Gewürz

Egal aber, ob die Jungpflanzen sehr dicht stehen oder auch mit Abstand in Reih und Glied, sie müssen jetzt trotzdem umgepflanzt werden, nichts anderes ist das Pikieren. Denn wir haben damals in so genanntem Anzuchtsubstrat ausgesät, das ist eine spezielle Blumenerde, die nicht, wie die „normale“, aufgedüngt worden ist, sondern die nährstoffarm ist.

Keimlinge pikieren: Suche nach Nahrung

Das macht man auch, damit die Keimlinge von Anfang an ein kräftiges Wurzelwerk ausbilden auf der Suche nach Nahrung. Allerdings sind inzwischen die wenigen Vorräte in dem Anzuchtsubstrat aufgebraucht. Wir könnten jetzt zwar beginnen, mit dem Gießwasser Dünger auszubringen.

Auf Dauer ist das aber keine Lösung. Denn bis wir die Gewächse ins Freiland auspflanzen, vergehen noch acht bis zehn Wochen, da Paprika & Co als Südgewächse keinen Frost vertragen und die sicher frostfreie Zeit erfahrungsgemäß erst nach den Eisheiligen beginnt (12. bis 15. Mai).

Keimlinge pikieren: Raum für Entwicklung

Stehen die Keimlinge zu dicht, werden sie in dieser Zeit zu einem wahren Urwald heranwachsen, den wir später kaum noch entwirren können. Aber auch, wenn sie einzeln wachsen, benötigen sie Raum für ihre weitere Entwicklung, und zwar nicht nur oben, sondern auch unten im Erdreich.

Im kleinen Gewächshaus stehen bereits pikierte Jungpflanzen. Vor Sonne schützt ein grünes Gewebe. Bei Frostnächten im Frühling wärmt nachts ein kleiner Heizlüfter (links) oder ein Petroleumöfchen für Gewächshäuser (rechts) die zarten Pflanzen.

Zum Pikieren brauchen wir passende Töpfe – ich bevorzuge inzwischen rechteckige Töpfe, weil man damit den Platz besser ausnutzen kann – und gute Blumenerde. Diese kann man noch mit etwas organischem Vorratdünger (Langzeitdünger) anreichern. Außerdem brauchen wir ein Pikierholz.

Vor sechs Wochen wurden auf der Fensterbank ausgesät Paprika (oben links) und Artischocke (unten links). Sie müssen dringend pikiert werden. Die Tomaten rechts, vor zwei Wochen ausgesät, haben gerade erst gekeimt.

Das kann etwa ein Mundspachtel sein, auch Plastikteile oder kleine Metalllöffel sind geeignet. Damit heben wir vorsichtig die Jungpflanzen aus dem Anzuchtkasten und trennen sie gleich vorsichtig, wenn mehrere herausgekommen sind. Pro Topf wird eine Jungpflanze genommen. Für Paprika nehme ich Töpfe mit etwa zehn Zentimeter Kantenlänge, größere Gewächse wie Tomaten und Artischocken bekommen größere Töpfe, kleinere sind auch mit 8er- oder 6er-Töpfen zufrieden.

Meistens haben wir viel mehr Jungpflanzen, als wir später zum Auspflanzen benötigen. Wir suchen uns deshalb fürs Auspflanzen die kräftigsten aus, vielleicht noch ein halbes Dutzend mehr zur Sicherheit und zum Verschenken oder Tauschen. Den Rest können wir auf dem Kompost entsorgen. Manche Keimlinge kann man übrigens essen (Sprossen).

Keimlinge pikieren: Platz auf der Fensterbank

Die umgetopften Gewächse lassen wir noch einige Tage auf der Fensterbank stehen, bis sie gut eingewurzelt sind, zu erkennen daran, dass sie weiterwachsen. Dann können wir sie umräumen. Damit wird auf der Fensterbank der Platz frei für neue Aussaaten. Wer ein Gewächshaus (Kalthaus) besitzt, stellt sie dort hinein, muss aber für eine Beschattung sorgen. Denn auch die Frühlingssonne kann im Glashaus schon sehr hohe Temperaturen erzeugen, die so manch zartes Gewächs schädigen können oder sogar zum Absterben führen.

Ein Balkon oder eine Terrasse sind als Standort für die Umgetopften ebenfalls geeignet, auch hier sollten wir darauf achten, dass sie nicht von der Sonne zu lange und stark beschienen werden. Bei all diesen Standorten aber gilt, dass wir darauf achten müssen, dass unsere Jungpflanzen keinen Frost abbekommen.

Keimlinge pikieren: Heizlüfter im Gewächshaus

Wir müssen also täglich den Wetterbericht genau verfolgen. Im Gewächshaus können wir bei Bedarf heizen mit einem Heizlüfter (benötigt einen Stromanschluss) oder einem Petroleumöfchen für Gewächshäuser (kommt ohne Strom aus). Auf der Terrasse oder dem Balkon können wir bei leichtem Frost (0 bis -1 Grad) mit Vlies abdecken. Gegebenenfalls müssen wir die Töpfe über Nacht ins Haus räumen.

Jetzt wird es Zeit, dass wir den Garten fit für den Frühling machen. Auch wenn es nachts immer noch Bodenfrost gibt, so haben doch die meisten Stauden schon die ersten frischen Triebspitzen aus dem Boden geschoben. Unser Garten-Experte Klaus Fischer kennt viele Tipps und Tricks fürs Gartenjahr. Viele weitere Garten-Tipps von Klaus Fischer finden Sie auf unserer Themenseite.

Rubriklistenbild: © Niklas Fischer

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