Kaum noch Hoffnung für Schwimmbad der Blindenschule

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Hier schwimmt keiner mehr: Das Lehrschwimmbecken der Soester Blindenschule.

Soest - Eltern, Lehrer, Behindertenvereine, einzelne Parteien und Verbände haben in den vergangenen Wochen intensiv für den Erhalt des Lehrschwimmbeckens in der Soester Blindenschule gekämpft. Doch es hat offensichtlich nichts bewirkt: Vor der gemeinsamen Sitzung des Schul- und des Bauausschusses des Landschaftsverbands zeichnet sich eine breite Mehrheit für das Aus des Lehrschwimmbeckens ab.

CDU und SPD, die über eine Dreiviertel-Mehrheit in der Landschaftsversammlung und den weiteren Gremien verfügen, wollen nach Anzeiger-Informationen dem Vorschlag des Landschaftsverbands folgen, aus wirtschaftlichen Gründen das Bad aufzugeben. Der Verband ist Träger der Blindenschule und somit Eigentümer des Bads. 170 000 Euro, so heißt es in den Sitzungsunterlagen, kostet der laufende Betrieb jährlich. Aktuell stehen vier kurzfristige Reparaturen an. Um das Bad langfristig zu sichern, müsste knapp eine Million Euro in die Hand genommen werden.

Die Zahlen sind seit Herbst vergangenen Jahres bekannt, die Politiker hatten die Entscheidungen wegen unbeantworteter Fragen und Ungereimtheiten vertagt. So hatte der Anzeiger Anfang März berichtet, dass ein Angebot eines Soester Investors, das Bad zu sanieren und zu übernehmen, den Ausschüssen erst gar nicht bekanntgemacht worden ist.

Den Ausschlag, das Bad jetzt aufzugeben, dürfte die Zusage der Stadt Soest begünstigt haben, den sehbehinderten und blinden Kindern und Jugendlichen zehn Stunden pro Woche im Lehrschwimmbecken der Hansa-Realschule als Ersatz anzubieten.

„Für viele Politiker auch in meiner Fraktion ist damit klar: Der Schwimm-Unterricht ist gesichert, und der Landschaftsverband kann viel Geld sparen“, sagt Inga Schubert-Hartmann. Die Soester SPD-Politikerin ist Mitglied im Schulausschuss des Landschaftsverbands. Die von Behinderten-Vereinen und anderen Betroffenen vorgetragenen Argumente – etwa der besondere Aufwand für die blinden Schüler bei der An- und Abfahrt zu externen Schwimmbädern – würden angesichts der Zahlen hinten angestellt. Tatsächlich will die Stadt für die zehn Wochenstunden der Blindenschule jährlich „nur“ 7605 Euro in Rechnung stellen – ein Bruchteil gegenüber dem Aufwand eines eigenen Bads.

„Die Zahlen sind zu eindeutig“, sagt Rolf Meiberg; der Soester vertritt die CDU in den Gremien des Landschaftsverbands. „Aus Soester Sicht wäre es sicherlich schön, das Bad zu erhalten.“ Doch in der Gesamtbetrachtung auf Westfalen-Lippe, wo es nur noch ein einziges Lehrschwimmbecken in Münster gebe, sei ein solches Bad nicht zu halten. „Ich rechne am Dienstag mit einer breiten Mehrheit.

Das wäre das vorletzte Wort. Das letzte spricht der Landschaftsausschuss am 11. Mai. Danach wäre nach 37 Jahren Betrieb das Blindenschul-Bad Geschichte.

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