Girlanden aus Buchs- und Lebensbaum

Viel Arbeit für den Küster und sein Team, damit es Ostern im Dom schön wird

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Georg zur Heiden ist Küster im Soester Dom. Vor der Osternacht wartet auf ihn und ein Team von Helfern viel Arbeit.

Soest – Georg zur Heiden ist handwerklich geschickt, halbwegs schwindelfrei, festen katholischen Glaubens und hat ein weiches Herz. Und deshalb wird sich der Küster des Patroklidoms in der Osternacht um kurz nach 21 Uhr erst einmal darum kümmern, dass die Messe wie vorgesehen abläuft und sich mit der Gemeinde über das festlich geschmückte Gotteshaus freuen – und dann erst daran erinnern, wie viel Arbeit dafür nötig gewesen war. 

Hinter ihm und seinem Team von Mitarbeitern, alles Ehrenamtliche aus der Kirchengemeinde St. Patrokli, liegen nämlich nicht nur Stunden oder Tage, sondern sogar Wochen, in denen sie sich darum gekümmert haben, dass die Geschichte des Osterfestes sich auch im Ambiente der Kirche spiegelt. 

Dafür wurde, analog zur Leidensgeschichte Jesu, zunächst aller Schmuck entfernt oder verhüllt – Kerzen, Blumen, Bilder und auch Kreuze – bevor am Karfreitag nach der Liturgie am Nachmittag die Türen fürs Publikum geschlossen werden. Und dann geht´s los. 

„Weihnachten ist schön, mit der Krippe und den Bäumen. Aber Ostern ist noch viel schöner im Dom“, verteilt Beate Klatt, Kirche und Küster zugetan und aktives Mitglied des Einsatzteams, Platz 1 und 2 in ihrer persönlichen Hitliste der Lieblingsfeiertage. Und warum? „Weil Ostern eine wahnsinnig berührende und positive Stimmung unter den Besuchern zu fühlen ist“, erklärt sie. 

Deshalb hat sie in den vergangenen Tagen meterweise Girlanden aus Buchs- und Lebensbaum gebunden – insgesamt fast 12 Meter. Die schmücken jetzt unter anderem das Taufbecken und den Osterkerzenleuchter. Dabei war es in diesem Jahr gar nicht so einfach, an den grünen Rohstoff dafür zu kommen: Der gemeine Buchsbaumzünsler hat den Beständen arg zugesetzt. Dank großzügiger Spenden von Gemeindemitgliedern konnte aber genügend Material gesichert werden. 

Am Nachmittag nach der Karfreitagsliturgie holt Georg zur Heiden auch wieder die große Stehleiter aus der Kulisse, steigt dem Herrgott knapp sechs Meter entgegen und enthüllt das große Kreuz über der Altarinsel wieder, das er vor der Karwoche verhüllt hatte. Freigelegt werden auch die anderen, ebenfalls verhüllten, Kreuze und Bilder. Und natürlich dürfen Blumen nicht fehlen, wenn es festlich und freudig wird: 12 Gestecke werden in diesem Jahr strategisch platziert. 

Und natürlich dreht sich in der Osternacht ab 21 Uhr auch wieder vieles ums Licht. Dabei wird es erst einmal komplett dunkel – nachdem außerhalb der Kirche, im Kreuzgang, die große Osterkerze, am Feuer entzündet und dann in die Kirche hineingetragen wird. Wenn alle Platz genommen haben, wird das Licht gelöscht, nur die Osterkerze brennt und dient dann als Lichtquelle für die kleineren Kerzen der Messdiener, die es dann wiederum mit den Gemeindemitgliedern teilen. 

Ihren Platz findet die große Osterkerze, fürs Fest frisch angeliefert und bis Pfingsten fester Bestandteil des Kirchenschmucks, dann auf der Altarinsel. Und damit sie da auch sicheren Halt auf dem Leuchter hat, war erneut Georg zur Heiden fleißig: Mit einem speziellen Bohrer hat er die Aufnahme für den Dorn millimetergenau vorbereitet, da wackelt nichts mehr. 

Und so wird es in der Osternacht nach und nach Licht und freudvoll werden im Dom: in der Kirche, in den Augen der Besucher und, ja, auch in einem weichen Küsterherz.

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