Deutlich über dem normalen Maß

Darum liegen im Soester Norden so viele Bomben

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Detlef Märte (rechts) und Olaf Grebe von der Stadt Soest arbeiten auf Hochtouren: Bombenfunde auf dem Baugebiet Soest-Nord übersteigen das normale Maß deutlich.

Soest - Bei der Bombardierung der Stadt Soest herrschte im zweiten Weltkrieg starker Westwind. Die Markierungsbomben der Alliierten, die eigentlich rund um den Bahnhof einschlagen sollten, trieben ab. Auch das anschließende Bombardement traf nicht vollends. Die Folge: Dort, wo das Baugebiet Soest-Nord entstehen soll, werden regelmäßig Blindgänger gefunden.

„Wir sitzen jeden Tag auf gepackten Taschen“, sagt Detlef Märte, Leiter der Abteilung für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten der Stadt Soest.

Erst vor wenigen Tagen wurden gleich vier 50-Kilo-Fliegerbomben von Mitarbeitern des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Westfalen-Mitte erfolgreich entschärft – eine Granate musste sogar gesprengt werden. „Das war auch für uns eine Premiere“, erklärt Detlef Märte, der sich seit der Erschließung des Baugebiets intensiv mit der Bombenentschärfung auseinandersetzen musste.

Verdachtspunkte und Verdachtsmomente: Der Unterschied

Bei der Suche nach Kampfmitteln unterscheidet der Kampfmittelräumdienst zwischen Verdachtspunkten und Verdachtsmomenten. Was ist der Unterschied? Verdachtspunkte ergeben sich aus den vorhandenen Luftbildern. Im Fall des Baugebiets im Soester Norden waren es alleine 33. 

„Jeder dritte Punkt ist ein Fund“, erläutert Olaf Grebe, Leiter der Arbeitsgruppe Ordnungsangelegenheiten. 19 Punkte wurden mittlerweile schon bearbeitet – „Acht oder neuen Bomben haben wir dabei gefunden“, so Grebe.

"Dieses Jahr war es das erste Mal.."

Verdachtsmomente ergeben sich aus der Suche mit einem Bodenradar. „Wir suchen nach metallischen Gegenständen im Boden“, sagt Olaf Grebe: „Das kann im Endeffekt natürlich alles sein.“ 340 Verdachtsmomente wurden im Baugebiet festgestellt – 100 wurden bereits bearbeitet. Reine Zufallstreffer, sagt Olaf Grebe: „Dieses Jahr war es das erste Mal, dass wir so etwas gefunden haben.“

Im Regelfall, so erklärt es Detlef Märte, musste der Kampfmittelbeseitigungsdienst höchstens ein oder zwei Mal im Jahr für eine Entschärfung anrücken. Im letzten Jahr sei die Zahl der Einsätze auf sieben gestiegen. Allein in diesem Jahr sind es bereits 14 Entschärfungen.

Die Spezialisten von der Bezirksregierung aus Arnsberg entschärfen und beseitigen die Funde. Suche und Räumung werden dabei vom Land NRW finanziert. Die Stadt kümmert sich um die Evakuierung. Eigentümer können ebenfalls an den Kosten beteiligt werden, „dass versuchen wir aber zu vermeiden“, erklärt Grebe.

Am Ende soll ein "weißes Blatt Papier" übrig bleiben

Der Aufwand für eine Evakuierung ist im Normalfall immens, hält sich aufgrund der Lage des Baugebiets derzeit aber noch in Grenzen. Pro Kilogramm, so die Faustformel, beträgt der Evakuierungsradius einen Meter. „Wird also eine ein tonnenschwere Bombe in der Stadt gefunden, müssen wir im Radius von einem Kilometer evakuieren“, veranschaulicht Olaf Grebe, ergänzt, dass man immer versucht Rücksicht auf Schulen und Kindergärten zu nehmen.

„Am Ende wollen wir ein weißes Blatt Papier haben“, sagt Märte mit Blick auf das Baugebiet, dass bis zum Sommer vollständig geräumt werden soll.

Aber was passiert, wenn an anderer Stelle unter einem Haus Kampfmittel gefunden wird? „Da Gefahr für die öffentliche Sicherheit besteht, müssen wir tätig werden“, erklärt Märte: „Und sicherlich möchte auch niemand auf einer Bombe wohnen.“ Für die Entschärfung bohren die Spezialisten zur Not auch die Bodenplatte des Hauses auf. Es gilt: Sicherheit geht vor.

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