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Kamelien: Schön und sensibel - Experte gibt Tipps zur Haltung

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Von: Klaus Fischer

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An Kamelien scheiden sich die Geister. Viele Hobby-Gärtner finden die Pflanze wunderschön. Anderen ist sie zu anspruchsvoll. Garten-Experte Klaus-Fischer gibt Tipps.

Soest - Kamelien polarisieren die Gemeinschaft der Gartenfreunde. So mancher gerät ins Schwärmen, wenn die Sprache auf diese exotischen Pflanzen kommt. Denn die Blüten der Kamelien können es locker mit der Blütenpracht der Rosen aufnehmen, die gemeinhin als die Königinnen der Blütenpflanzen gelten. Kamelien werden auch gerne als die „Rosen des fernen Ostens“ bezeichnet.

PflanzeKamelie
NutzpflanzeTeestrauch (Camellia sinensis)
SchmuckpflanzeJapanische Kamelie (Camellia japonica)

Kamelien im Garten: Anspruchsvolle Pflanze - das müssen Sie beachten

Andere Gartenfreunde wenden sich eher ab mit der Bemerkung, Kamelien seien viel zu schwierig und anspruchsvoll, um sie im Garten zu halten. Das hängt wohl damit zusammen, dass diese Gewächse nicht oder nur bedingt winterhart sind. Und sie sind sehr empfindlich, was ihre Blüten angeht. Werden sie falsch behandelt während der Blühperiode, die je nach Sorte schon im Dezember beginnen und bei späten Sorten bis zum Mai andauern kann, dann werfen sie kurzerhand ihre Knospen ab, und wir schauen „in die Röhre“.

Eine Augenweide sind alle Kamelienblüten, diese hier besticht durch ihre mathematisch-geometrische Harmonie.
Eine Augenweide sind alle Kamelienblüten, diese hier besticht durch ihre mathematisch-geometrische Harmonie. © Fischer

Zunächst einmal: Kamelien kommen aus Ostasien, und fast jeder von uns hat schon mehr oder weniger Bekanntschaft mit einem Kamelien-Produkt gemacht. Der Teestrauch (Camellia sinensis) ist die chinesische Variante der Kamelien und eine der bedeutendsten Nutzpflanzen, wird aus seinen Blättern doch der Tee (schwarz oder grün) gewonnen. Die Schmuckform mit den schönen Blüten heißt botanisch Camellia japonica, die japanische Kamelie.

Kamelien: Garten-Liebhaber begeistert von größter Kamelie in Europa

Im Schnitt können Kamelien sechs Meter hoch werden, in ihrer Heimat gibt es auch Exemplare bis zu elf Metern Höhe. Außerdem sind sie sehr langlebig, in China soll es über tausend Jahre alte Kamelien geben. Die älteste und größte Kamelie in Europa steht im Schlosspark Pillnitz bei Dresden. Sie ist zwölf Meter breit, neun Meter hoch, 250 Jahre alt und hat von Februar bis April an die 35.000 Blüten. Damit sie auch harte Winter übersteht, wird sie durch ein fahrbares Gewächshaus während der kalten Jahreszeit geschützt. Momentan steht sie in voller Blüte, ein unbeschreibliches Ereignis, das alljährlich Scharen von Gartenfreunden anlockt.

Die ersten Lebensjahre verbringt die Kamelie im Topf, bevor sie im Garten ausgepflanzt wird. Diese hier hat jede Menge Blütenknospen angesetzt, die sich schon bald öffnen werden.
Die ersten Lebensjahre verbringt die Kamelie im Topf, bevor sie im Garten ausgepflanzt wird. Diese hier hat jede Menge Blütenknospen angesetzt, die sich schon bald öffnen werden. © Fischer

In unseren Gärten geht es natürlich viel bescheidener zu. Wenn wir uns eine oder mehrere Kamelien anschaffen wollen, gibt es einiges zu bedenken.

Kamelien im Garten: Jungpflanze für einige Jahre im Kübel halten

Zunächst einmal sollten wir die Jungpflanzen für einige Jahre im Kübel halten. Das klappt natürlich auch auf Dauer, aber wenn sie einen Platz in unserem grünen Paradies bekommen sollen, ist es trotzdem besser, wenn sie zuvor fünf, sechs Jahre im Kübel stärker und größer geworden sind.

Als Pflanzsubstrat bevorzugen Kamelien die Rhododendronerde, denn sie lieben es, wenn der Boden leicht sauer ist – wie eben auch die Rhododendren, Ph-Wert zwischen 5 und 6. Im Kübel müssen wir unten unbedingt eine Drainageschicht aus Kies (kein Kalkstein) einbauen, denn Staunässe vertragen die Kamelien überhaupt nicht. Auch müssen wir darauf achten, dass die Jungpflanze keinesfalls zu tief in die Erde kommt, besser ist es, wenn ihr Wurzelballen ein klein wenig aus der umgebenden Erde im Kübel herausschaut.

Kamelien im Garten: So viel Sonne verträgt die Pflanze

In der warmen Saison stehen Kamelien draußen am liebsten im Halbschatten. Pralle Mittagssonne bekommt ihnen nicht. Das gilt natürlich auch für den Platz im Garten, an dem wir die Kamelie später auspflanzen wollen. Temperaturen um die 30 Grad im Sommer sind aber durchaus erwünscht, weil sie die Knospenbildung anregen.

Kommt der Winter, sollten wir den Kübel möglichst lange draußen stehen lassen. Ich habe in diesem Winter meine Kamelie immer draußen auf der Terrasse stehen gehabt, wo sie auch vor Wind geschützt gestanden hat. Sinken die Temperaturen aber unter minus zehn Grad, holen wir den Kübel besser herein, jedoch an einen kühlen Standort unter plus zehn Grad. Das könnte etwa eine Garage oder ein Hausflur sein. Wohnzimmertemperaturen im Winter vertragen Kamelien überhaupt nicht.

Kamelien im Garten: Regelmäßig und vorsichtig gießen

Zeitig geht es mit dem Kübel wieder ins Freie, und dann sollten die Gefäße während der gesamten Blühsaison nicht mehr bewegt werden. Ansonsten kann es passieren, dass eine Blütenknospe nach der anderen herunterfällt, noch bevor sie aufgeblüht ist. Der Wurzelballen darf nicht komplett austrocknen, also gießen wir regelmäßig und vorsichtig.

Entschließen wir uns endlich nach einigen Jahren, unsere Kamelie im Garten auszupflanzen, dann wählen wir einen halbschattigen geschützten Standort, am besten nahe am Haus. Besonders vor den kalten, trockenen Ostwinden im Winter müssen die Kamelien geschützt werden. Bei Temperaturen unter minus 10 Grad können die immergrünen Blätter erfrieren. Normalerweise treibt die Pflanze aber im Frühjahr wieder kräftig aus. Machen wir alles richtig, dann können unsere Garten-Kamelien locker 100 Jahre und älter werden.

Auch Rosen im Garten sind schön anzusehen. Damit sie prachtvoll bleiben, lohnt sich ein zeitiger Schnitt. Auch im Monat März gibt es im Garten allerhand zu tun. Und wussten Sie eigentlich, dass Sie die Gartenarbeit von der Steuer absetzen können?

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