Nachwuchs kocht im Soester Börde-Berufskolleg um die Wette

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Lust aufs Drei-Gänge-Menü machen die Azubis Alex Surdyka, Philip Siede, Thomas Klawitter und Marcel Heß (von links).

Soest - Blitzartig zerlegt das Messer eine Möhre in winzige Späne, mit Schwung landet eine Pfanne mit Wirsingbällchen auf dem Herd, filigran wandeln sich frische Erdbeeren in eine dickflüssige Soße: Wer beim Anblick der vier Koch-Azubis im Soester Börde-Berufskolleg keine Lust aufs Festmenü bekommt, ist selber schuld.

Die Stimmung ist entspannt. Und das, obwohl sich das Quartett aus dem dritten Lehrjahr am Dienstagnachmittag in einem Wettbewerb befindet. Der Sieger des „Rudolf-Achenbach-Preises“, einem Wettkampf des Verbandes der Köche Deutschlands, darf Mitte Mai auf Landesebene antreten, danach geht es auf Bundesebene. Klar ist: Einer aus dem Quartett wird das Rennen machen. 

„Die Prüflinge haben einen Warenkorb und knapp sechs Stunden Zeit, um daraus ein dreigängiges Menü zu machen“, sagt Klaus Topp. Der Küchenchef des Restaurants „An der Rosenau“ in Bad Sassaendorf ist heute Prüfer. 

Gemeinsam mit drei Kollegen wertet er in Kategorien wie Geschmack, Anrichtung oder Zubereitung. Ob‘s am Abend gut wird, weiß er noch nicht. „Man muss sich das Endprodukt anschauen.“ 

Die Speisekarten jedenfalls machen Lust aufs Menü: Forellentartar an Roter Beete mit mariniertem Wildkräutersalat steht da als Vorspeise, gefolgt von geschmorter Rehkeule mit Wirsingbällchen und Kartoffelroulade im Strudelteig im Hauptgang – und abgeschlossen mit Schokokuchen an Erdbeersauce und gehackter Minze. 

Zeit für kulinarische Vorfreude hat eine Etage tiefer niemand. Da wirbelt Dr. Rita Brand mit 15 Hotelfachazubis und vier Restaurantfach-Nachwuchskräften. Buchungen werden veranlasst und storniert, in einem vorbereiteten Zimmer müssen Fehler bei der Herrichtung für den Gast gefunden werden. 

Parallel entstehen aus Brot und Lachs Kanapés, aus Früchten und Saft Cocktails – manchmal sticht eine Flamme beim Flambieren besonders hoch. Rita Brand ist ein Fan des Jugendwettbewerbs ihrer Schule, der seit Jahren in Kooperation mit dem Köcheclub Lippstadt steigt. 

Und auch die Auszubildenden seien gerne dabei. „Manche haben in den Betrieben schon eine Frühschicht gemacht, kommen aber gerne und bleiben heute noch bis mindestens 21 Uhr“, schwärmt sie. Gegen Abend steigt die Spannung: Die Menüs sind bereit, der Service muss 30 Gäste stilecht bedienen. Guten Appetit.

Gerade einmal sieben Auszubildende zum Koch haben in diesem Jahr kreisweit das dritte Lehrjahr erreicht. Im nächsten Jahr dürften es immerhin zwölf sein. Damit liegt die Zahl der Berufsanfänger weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau. „Vielleicht haben wir demnächst Roboter, die für uns kochen“, sagt Klaus Topp. Erste Versuche dafür gebe es bereits.

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