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Sprayer an Telefonzelle: Wo endet die künstlerische Freiheit?

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Von: Marcel Voß

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Es sieht eher nach Schmiererei aus. Doch es war der Wille der beteiligten Jugendlichen, die Zelle so zu gestalten. © Jutta Niggemeier

Soest - Die Gelegenheit, legal zu „sprayen“, bekamen am Freitag einige Jugendliche an der Skateanlage im Soester Stadtpark. Dabei wurde ihnen vom Lions Club Soest-Hellweg eine Telefonzelle zur Verfügung gestellt, die gleich zwei Zwecke erfüllt.

Einerseits bietet das Gehäuse den Teenies den Raum, ihre Kreativität zu entfalten und bindet sie bei der Gestaltung „ihres“ Skateparks mit ein.

Außerdem dient die ehemalige Telefonzelle zukünftig als Lagerraum für verschiedene Utensilien wie einem Erste-Hilfe-Kasten für den Notfall oder Besen für den Säuberungsdienst. Bei der „Übergabe“ durch den Präsidenten des Lions Club Soest-Hellweg, Andreas Acconci, bekamen die Kids die Möglichkeit, ihre bereits erlernten Graffitifähigkeiten auszuprobieren. 

Jugendliche haben mit Farbdosen geübt

Jonas Behrendt, Streetworker vom Jugendamt der Stadt Soest, erklärt: „Die Jugendlichen sind allesamt Besucher des Zentrums Treffpunkt Süd und hatten im Rahmen eines Workshops schon mit den Farbdosen geübt.“ 

Die drei „Haupt-Künstler“ waren Serkan Gökce (14), Dominik Luka (17) und Manu Denon (16). Während die einen ihre Künstlernamen (zum Beispiel „King Snacks“) auf der Glasfläche verewigten, sprühten andere ein blaues Skateboard in Raketenoptik an das Metall der Telefonzelle. 

"Genau das fehlte noch im Skatepark"

Die Skaterbahn im Soester Stadtpark wurde 2016 eröffnet, dient seitdem als Begegnungsstätte für Jugendliche. „Genau das fehlte noch im Skatepark“, freuten sich die Teenager über die Spende. „Man merkt, dass sie das Angebot gern nutzen, sie sind natürlich heiß auf legale Stellen für Graffiti“, ergänzt Behrendt. 

Dabei ist ihnen vollkommen selbst überlassen, was sie aus dem Häuschen machen. So sieht die alte Telefonzelle nach der Fertigstellung eher verunstaltet als bemalt aus. Doch „die künstlerische Freiheit bleibt unberührt“, meint Tim Neumann. 

„Trotzdem sind wir ein bisschen enttäuscht darüber, dass die Beteiligten nicht mit einem künstlerischen Konzept vorgegangen sind“, fügt das Vorstandsmitglied beim Lions Club Soest-Hellweg hinzu. Und korrigieren könne man das Werk durch Übersprühen ja auch noch. 

Unter anderem beschrifteten die Teenager die Fläche auch mit der Abkürzung „ACAB“ (All Cops Are Bastards). „Das geht natürlich gar nicht, das werden wir entfernen lassen. Da steht der Lions Club Soest-Hellweg keineswegs hinter“, stellt Neumann klar.

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