Jugendkammer des Landgerichts Arnsberg tagt unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Prozess gegen mutmaßlichen Messerstecher vom Aldegrever-Gymnasium hat begonnen

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Soest/Arnsberg - Der Prozess gegen einen jungen Soester, der vor etwas mehr als zwei Jahren am Aldegrever-Gymnasium in Soest einen Schulkameraden niedergestochen und lebensgefährlich verletzt haben soll, hat vor dem Landgericht in Arnsberg begonnen.

Für den Prozessauftakt hatte das Gericht die Aussagen des inzwischen 18-jährigen Angeklagten sowie des zur Tatzeit 17-jährigen Opfers und eines ehemaligen Mitschülers eingeplant, der die Tat als Zeuge mitbekommen hatte. Das Opfer, das derzeit eine Schule in Lippstadt besucht, tritt in dem Verfahren auch als Nebenkläger auf. Begleitet wurde er am ersten Verhandlungstag von einer Therapeutin und seinem Anwalt. 

Bevor der junge Mann im Gerichtssaal zum ersten Mal seit der Tat am 17. Februar 2017 wieder auf seinen ehemaligen Mitschüler und heutigen Angeklagten traf, gab er Medienvertretern freimütig Interviews. Er betonte dabei, wie belastend die lange Wartezeit für ihn gewesen sei und wie schwer es auch für ihn sei, jetzt wieder seinem Angreifer Auge in Auge gegenüber zu stehen. 

Die beiden Gutachter, die den Angeklagten in den vergangenen zwei Jahren psychiatrisch untersucht hatten, sollen in Teilen zu unterschiedlichen Bewertungen gekommen sein. Der erste hatte eine Tat im Affekt nicht ausgeschlossen und die Möglichkeit einer verminderten Steuerungsfähigkeit gesehen.

Darauf hin hatte die Staatsanwaltschaft einen zweiten Gutachter mit einer Untersuchung beauftragt. Der hatte erst nach über einem Jahr und mehrfacher Aufforderung durch die Staatsanwaltschaft sein Gutachten vorgelegt, das nun ebenfalls in das Verfahren einfließen wird. Auch er, so hieß es nach dem Abschluss des ersten Verhandlungstages am Mittag von Prozessbeteiligten, hält es aber grundsätzlich für möglich, dass der Messerstich im Affekt ausgeführt wurde. 

Fünf weitere Verhandlungstermine stehen im Kalender des Gerichts, das als Jugendkammer unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagt. Zum Auftakt des Verfahrens schilderte zunächst der Angeklagte seine Erinnerungen an die Tat, anschließend kamen das Opfer und der als Zeuge geladene Mitschüler zu Wort. 

An den nächsten Verhandlungstagen ist eine ganze Reihe weiterer Zeugen vorgeladen, die Aussagen zum Ablauf des Angriffs vor über zwei Jahren machen sollen.. 

Rechtsanwalt Constantin Kirschbaum (links), der das Opfer (rechts) als Nebenkläger vertritt.

Mit einem Urteil wird frühestens Anfang Juli gerechnet.

Wir berichten weiter.

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