Jürgen Schultz schlichtet als Schiedsmann: Wenn Nachbarn sich nicht grün sind

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Jürgen Schultz versucht als Schiedsmann zu schlichten, wenn Nachbarn sich in den Haaren liegen.

Soest - Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. „Stimmt“ , wissen Schiedsleute aus Erfahrung, denn oft müssen sie sich mit Zwistigkeiten beschäftigen, die munter und mit Vehemenz über die Gartenmauer hinweg ausgetragen werden. 

„Schlichten statt richten“, das ist auch das Anliegen von Jürgen Schultz, der in seinem Ehrenamt für den Bezirk Soest-Nord zuständig ist. Häufig fliegen nach seiner Erfahrung aus nichtigem Anlass die Fetzen. Die verzankten Parteien beharken sich dermaßen, dass sie es nicht mehr alleine schaffen, ihre Fehde beizulegen und Frieden zu schließen. 

Die Hecke ist zu hoch, die Äste des Baumes hängen über der Grundstücksgrenze, Fallobst von drüben türmt sich auf den eigenen, gut gepflegten Beeten, das parkende Fahrzeug des anderen steht ständig im Weg – und schon bricht der dickste Streit vom Zaun. 

Oft schwele der Konflikt schon geraume Zeit, schildert Jürgen Schultz, die brenzlige Situation spitze sich immer mehr zu, manchmal führe dann schon ein winziger Funke zur Explosion. Es komme zum endgültigen Bruch, der Riss sei ohne Hilfe nicht mehr zu kitten. Im wüsten Wortwechsel fallen Beleidigungen, weil sich geballter und über Jahre hinweg aufgestauter Groll entlädt. Dabei wäre es doch sinnvoller und einfacher, beizeiten miteinander zu reden, um die Sache zu klären so der 72-Jährige. Durch ein ruhiges Gespräch lasse sich Ärger und Aufregung meistens vermeiden. Zu Schiedspersonen kommen Menschen, die sich (noch) nicht vertragen können. 

Einfacher im Zusammenleben wäre es, meint Schultz, wenn jeder den Grundsatz „Was du nicht willst, was man dir tut, das füg auch keinen anderen zu“ beherzige. Doch im Alltag erleben die vereidigten und zur Verschwiegenheit verpflichteten Mittler immer wieder zerrüttete Verhältnisse von Menschen, die zunächst eigentlich ganz gut miteinander ausgekommen, sich nun aber nicht mehr grün sind. Irgendwann habe irgendeiner von ihnen irgendwas getan oder gesagt, was dem anderen nicht passte. Dann sei es schnell vorbei mit der vormals guten Stimmung. „Wir entlasten die Gerichte“, hebt Jürgen Schultz hervor und und reagiert damit auf den Bericht im Anzeiger über die extreme Belastung der Justiz (Ausgabe 7. August). Die Termine mit den Widerparten auf beiden Seiten seien auf die Beilegung des Zerwürfnisses ausgelegt. Sei dies nicht möglich, sollen sie sich wenigstens wieder respektvoll begegnen. Das gelinge in vielen Fällen auch, erzählt der Soester Ruheständler aus zehnjähriger Praxis. 

„Gesunder Menschenverstand“, antwortet er auf die Frage, was für den Dienst im Schiedsamt erforderlich ist. „Man muss keine Gesetzestexte auswendig kennen“, fügt er hinzu. Vernunft, Menschenkenntnis und natürliche Urteilskraft reichten völlig aus.

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