Frauen als Fahrlehrer: Sie holen auf

+
Die Soester Fahrlehrerinnen Judith Stutte (rechts) und Jacky Furchert,

Soest. Noch gehören Judith Stutte und Jacky Furchert zu den wenigen Fahrlehrerinnen im Land. Doch die Frauen holen auf, immer mehr entscheiden sich für diese Branche. Das stellen die beiden schon aus eigener Erfahrung fest. Denn sie kennen einige weibliche Ausbilder, die, genau wie sie selbst, mit ihrem Beruf – lange eine Männerdomäne – super fahren. „Man kann den Menschen etwas beibringen, verschafft ihnen Erfolgserlebnisse und macht sie glücklich“, meint die 45-jährige Judith Stutte. 

Sie weist auf die komfortable Situation des 1:1-Unterrichtes hin – ein Lehrer widmet sich in der Fahrstunde einem einzigen Schüler. „Wir richten uns ganz nach seinem Lerntempo“, erklärt Judith Stutte. Sie macht junge Leute – ab und zu auch ältere, die bereits das Rentenalter erreicht haben – in Theorie und Praxis fit, mit dem Kraftfahrzeug sicher durch den Verkehr zu kommen und mobil zu sein. Dazu gehört auch, ihnen hin und wieder Mut zuzusprechen.

 „Wir motivieren sie, positiv zu denken“, geht Jacky Furchert auf die erforderlichen pädagogischen Fähigkeiten ein. Durch die Prüfung gefallen? Kein Beinbruch! „Das wird schon“, muntert die 33-Jährige die Führerschein-Anwärter auf, „du kannst das. Nur nicht aufgeben. Das klappt schon.“ Fahrlehrerinnen sitzen oft im Auto, einfach nur durch die Gegend kutschieren lassen sie sich jedoch nicht. Judith Stutte und Jacky Furchert sprechen von einer verantwortungsvollen Aufgabe, die viel Kenntnisse – etwa in den Bereichen Regeln und Technik – erfordert, aber auch eine hohe soziale Kompetenz. An seine Fahrschule erinnert man sich ein Leben lang, wissen die beiden Fachfrauen, die wir im Unterrichtsraum am Soester Granweg treffen. Dort steht auch der Fahrsimulator für die ersten entspannten Trocken-Übungen. Schüler erproben mit diesem System stressfrei, was bald real auf der Straße auf sie zukommt. Fühlen sie sich sicher, geht’s nach draußen.

 „Ihr müsst nicht alles sofort können“, geben Judith Stutte und Jacky Furchert Anfängern mit auf den Weg, wenn diese zunächst den Sitz ausrichten, den Spiegel einstellen, gucken, wo sich Gaspedal, Bremse, Kupplung, Schalthebel befinden, dann starten und vorsichtig losrollen, später trainieren, rückwärts einzuparken und sich richtig in die Kolonne einzufädeln.

 Die Fahrlehrerinnen stehen jeden Tag vor besonderen Herausforderungen. Vor allem heißt es: Jede Sekunde aufpassen! Judith Stutte: „Wenn in der ersten Stunde Fehler passieren, ist es ein Fehler des Fahrlehrers.“ „Ich bin total autoaffin“, sagt Jacky Furchert. Sie ist Kfz-Mechatronikerin und schätzt an ihrer Tätigkeit als Fahrlehrerin vor allem die flexiblen Planungen. „Ich kann meine Termine selber festlegen. Das kommt mir als junge Mutter natürlich sehr entgegen.“ 

Auf die Idee, umzusatteln, kam sie, als sie den Motorradführerschein machte und ihr heutiger Chef, Lars Stutte, sie ansprach, ob sie sich vorstellen könne, in seinem Beruf zu arbeiten. Dann dauerte es nicht mehr lange, und sie meldete sich zum Besuch der Fachschule an. Judith Stutte, bislang als Referentin einer Stiftung unterwegs, entschloss sich vor neun Jahren, neu zu starten in den Familienbetrieb einzusteigen. Beide Frauen haben den Wechsel nie bereut: Zu den immer wieder schönen Momenten in ihrem Alltag gehört es, zu sehen, wie die Schüler strahlen, wenn sie endlich den lang ersehnten „Schein“ in der Hand halten. Sie freuen sich jedes Mal mit ihnen. Trifft man sich später in der Stadt, wird hinter der Windschutzscheibe fröhlich gewunken

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare