Gartenserie

Jetzt ist die Zeit für Kürbis, Zucchini und Co.

„In der zweiten Aprilhälfte säe ich Kürbisse, Gurken, Zucchini und Melonen einzeln in Töpfe aus. Ins Freie kommen sie erst nach den Eisheiligen“, sagt Klaus Fischer.
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„In der zweiten Aprilhälfte säe ich Kürbisse, Gurken, Zucchini und Melonen einzeln in Töpfe aus. Ins Freie kommen sie erst nach den Eisheiligen“, sagt Klaus Fischer.

Kürbisse haben sich in den vergangenen Jahren in der Küche zu einem echten Trendgemüse entwickelt - und sind zurecht Hauptdarsteller der jüngsten Folge der Gartenserie.

Soest - Kürbisse haben sich in den vergangenen Jahren in der Küche zu einem echten Trendgemüse entwickelt. Bei Bauernmärkten im Herbst sind die bunten Kugeln der Hingucker. Und aus dem eigenen Garten schmecken sie natürlich doppelt so gut. Jetzt ist die Zeit gekommen, Kürbisse, Gurken Zucchini und Co auf der Fensterbank auszusäen. Das ist keinesfalls zu spät, wie mancher glauben mag. Zum einen dürfen diese Sonnenanbeter ähnlich wie Tomaten oder Paprika nicht vor dem 15. Mai ins Freiland; Stichwort Eisheilige. 

Diese Frostnächte sind vom 11. bis 15. Mai und basieren auf jahrhundertelangen Erfahrungen. Schlaue mögen jetzt einwenden, in Zeiten des Klimawandels fallen die Eisheiligen inzwischen aus oder sind viel früher im Jahr. Das mag in der Tendenz stimmen. Aber denken wir an das vergangene Jahr zurück. Pünktlich vom 11. bis 15. Mai hatten wir Frostnächte in der Börde. Danach war es vorbei mit den zu früh ausgesetzten Kürbissen, Tomaten und Co. Das gilt für alle frostempfindlichen Blumen wie Fuchsien, Geranien, Petunien, Dahlien und, und, und... 

Zum anderen sind die Kürbisgewächse wahre Wachstumssprinter. Sie keimen schnell nach drei bis fünf Tagen und legen danach ein enormes Tempo vor. Wer zu früh aussät, kämpft später mit meterlangen empfindlichen Ranken. 

Es gibt ‘zig Kürbissorten. Den „gelben Zentner“, Standard in deutschen Gärten, baue ich nicht mehr an – zu groß und zu nichtssagend im Geschmack. Ich pflanze ein bis zwei Hokkaido und einen Butternut, mit denen habe ich beste Erfahrungen gemacht. Sie schmecken am besten und sind leicht zu verarbeiten, der Hokkaido sogar mit der Schale. Empfehlenswert im Geschmack sind die Moschus- oder Muskat-Kürbisse. 

Ich säe zwei Samenkerne in einen Blumentopf aus mit mindestens zwölf Zentimetern Durchmesser. Die Blumenerde habe ich mit Kompost angereichert. Denn sobald die Kürbisse gekeimt sind, wollen sie Futter haben. Sollten beide Kerne keimen, kann ich sie nach einigen Tagen entweder vereinzeln und den einen verschenken, oder ich entferne den schwächeren Spross. 

Im Garten brauchen Kürbisse viel Platz und viel Kraftstoff im Boden. Am Zaun oder an einer Mauer kann man sie ranken lassen, rund um den Komposthaufen finden sie ein ideales Plätzchen. Die Ranken können locker fünf Meter lang werden. 

Zucchini gehören zu Gärtners Lieblingen durch ihr überbordendes Wachstum und ihre enorme Fruchtbarkeit. Deshalb reicht eine Zucchini locker aus, um eine Familie in der Saison mit Früchten zu versorgen. Das funktioniert, weil eine Pflanze sowohl männliche als auch weibliche Blüten hat. Sie brauchen ebenfalls viel Platz, 1,5 bis zwei Quadratmeter muss man rechnen. Zucchini gibt es in dunkelgrün (Standard), hell-dunkelgrün gestreift, gelb, hellgrün und rund wie Kanonenkugeln. Wir bauen nur noch die hellgrünen und die runden an. Die runden lassen sich am besten und vielfältigsten verarbeiten. Die hellgrünen haben die zarteste Schale, die gelben dagegen die härteste. 

Zucchini benötigen ebenfalls viel Kompost. Sie neigen leider in der zweiten Sommerhälfte zu massivem Mehltaubefall. Das ist ein Pilz, der sich auf der Blattoberseite absetzt wie Mehl und die Pflanze nach einiger Zeit zum Absterben bringt. Wer im Spätsommer/Herbst Zucchini ernten will, der sollte Anfang Juni aussäen und im August/September die alte, kranke Pflanze austauschen gegen den gesunden Nachwuchs, der Früchte bis in den Oktober bringt. 

Gewürzgurken werden nach dem 15. Mai ins Freiland direkt ins Gurkenbeet ausgesät. Schlangengurken hingegen, die meisten Sorten sind fürs Gewächshaus bestimmt, werden jetzt auf der Fensterbank ausgesät, ähnlich wie Kürbisse. Selbstverständlich kann man alle diese Pflanzen fertig in der Gärtnerei kaufen. Schlangengurken in den Formaten Mini, Midi und Maxi werden veredelt angeboten. Sie wachsen auf einer Kürbisunterlage, was besonders vorteilhaft für die Gesundheit und den Ertrag sein soll. Das kostet entsprechend mehr. Ich habe allerdings keinen großen Unterschied zwischen normalen und veredelten Gurken festgestellt. 

Alle diese Jungpflanzen gehören zur Lieblingsspeise der Schnecken. Sie sollten also in diesem Wachstumsstadium vor den gierigen Schleimern geschützt werden. Allen diesen Gewächsen ist außerdem zu eigen, dass sie regelmäßig Dünger und viel Wasser brauchen. In einem trockenen Sommer heißt das, dass wir jeden Tag gießen müssen. 

Und noch ein Tipp: Während Kürbisse und Gurken an der Pflanze bis zur Endgröße heranwachsen sollen und somit eine gewisse Zeit bis zur Reife benötigen, müssen Zucchini beizeiten geerntet werden. Sie sollten nicht größer als mittlere Schlangengurken sein, schmecken sie am besten. Deshalb muss man spätestens jeden zweiten Tag nachschauen und gegebenenfalls die Früchte ernten. Lässt man sie weiter wachsen, entwickeln sie sich zu enormen Keulen mit bis zu 70 Zentimetern Länge und 15 Zentimetern Durchmesser und mehr. Das schafft selbst eine Großfamilie nicht – und sie schmecken auch nicht mehr gut. 

Ein letztes Wort zum Samen. Ich kaufe ihn mir jedes Jahr. Dann habe ich die Garantie, dass er sortenrein ist. Man kann natürlich die Samenkörner aus den geernteten Früchten im nächsten Jahr verwenden. Aber es gibt da ein Problem. Da ich Zierkürbisse anbaue und alle diese Kürbisgewächse nicht wählerisch sind, was die Befruchtung angeht, kann es passieren, dass ein Kürbis oder eine Zucchini durch einen Zierkürbis befruchtet wurde – und in den Samen dieser „Bastarde“ sich Zierkürbis-Erbgut befindet. Ich kann die Früchte zwar unbeschadet essen. Aber die Nachkommen aus diesem Samen im nächsten Jahr können vom Zierkürbis-Vater Bitterstoffe erben, die für Menschen gefährlich werden können. Einen Todesfall gab es vor einigen Jahren deshalb.

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