Angst um die Hochzeit

Soester Paar will heiraten, kann aber nicht - das ist der Grund

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Die Zeit bis zum reservierten Termin drängt: Können Jeanine Schütte und Herbert Koppenhöfer wohl doch heiraten?

Soest – Damit haben Jeanine Schütte und Herbert Koppenhöfer nicht gerechnet: Sie möchten heiraten und haben im Rathaus vor Wochen auch schon einen Trau-Termin reservieren lassen. Doch nun steht die Hochzeit auf der Kippe. Der Grund: In Belgien, Herkunftsland der Braut, gibt es seit dem Frühjahr nur noch digitale Geburts-Urkunden aus dem Computer. Das Soester Standesamt sagt Nein.

Die Halle ist gebucht, das Essen bestellt. Mit gut 80 Gästen möchte das Paar den besonderen Tag im Leben feiern. Ob daraus etwas wird, und ob sie in wenigen Tagen strahlend viele Glückwünsche entgegennehmen, wissen die beiden Soester nicht. Sie stecken in der Zwickmühle: In Belgien gehören Geburtsurkunden auf Papier und mit Tinte jetzt endgültig der Geschichte an. Alle Akten sind in einer zentralen Datenbank gespeichert und dort abrufbar.

In Soest aber hören die Hochzeiter, dass sie den Vorschriften entsprechend Siegel und Unterschrift vorlegen müssen. Der QR-Code lasse sich hier nicht entschlüsseln, um die Echtheit zu überprüfen.

"Wir leben in der EU. Wer soll das verstehen?" 

Die künftigen Eheleute haben auch schon viel versucht, können die gewünschten Unterlagen mit Stempel jedoch von Amts nicht besorgen, wie sie schildern. 

Herbert Koppenhöfer erkundigte sich bei der Botschaft des benachbarten Königreiches und erfuhr von einer Mitarbeiterin dort, ein Dokument zur Anerkennung belgischer Abschriften sei an die Soester Verwaltung geschickt worden. „Dies sollte den Vorgang beschleunigen oder klären“, schreibt die Dame „met vriendelilijke groeten“. 

Doch es nützt nichts: Der 60-Jährige und die 54-Jährige wissen immer noch nicht, ob sie wie geplant Ja zueinander sagen dürfen. 

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Sie hängen in der Schwebe und staunen: „Wir leben in der EU, im Mai waren Wahlen, im grenzenlosen Europa sollte doch alles einfacher werden. Wer soll das verstehen?“ Was Jeanine Schütte besonders verwundert: Sie hat bereits einmal – vor mehr als 30 Jahren – in Soest die Ehe geschlossen und seinerzeit alle erforderlichen Unterlagen vorgelegt, auch ihre Geburtsurkunde, und zwar in der herkömmlichen Form. 

Die Zeit drängt - doch es bleibt nichts als Abwarten

„Was sollen wir noch tun?“, fragt Herbert Koppenhöfer. Dabei ist ihm klar: „Wir müssen abwarten, was bleibt uns übrig?“ Die Zeit drängt. Verständlich, dass die Soester endlich wissen möchte, wie es weitergeht. Inzwischen sei bereits das Innenministerium zur Klärung eingeschaltet, schildert Thorsten Bottin, Pressesprecher der Stadt. 

Die Verärgerung des Paares, das heiraten möchte – aber nicht weiß, ob es das kann –, sei verständlich. Die neuen Urkundenmuster aus Belgien stellten nicht nur das Soester, sondern viele andere Standesämter in der Bundesrepublik vor Probleme.

Das sagt die Stadt:

Der städtische Pressesprecher sagt sagt: „Belgien hat zum 1. April 2019 die Ausstellung neuer Urkunden digitalisiert. Diese Urkunden tragen keine Siegel und Unterschriften mehr, wie es bisher in Belgien vorgegeben war. Damit entsprechen sie auch nicht den bundesweiten Vorgaben an Urkunden, wonach diese Art von Dokument gesiegelt und unterschrieben sein muss. Die neuen Urkunden sind für die deutschen Behörden schwer zu verifizieren.“ Das Soester Standesamt habe den Landesfachverband kontaktiert sowie auch das belgische Konsulat und die Deutsche Botschaft in Brüssel. Bottin: „Kenntnisstand in Soest ist, dass auch in anderen Standesämtern die digitalen belgischen Dokumente nicht als Grundlage für die Beurkundung von Personenstandsfällen dienen können.“ Auf eine für das deutsche Personenstandsrecht rechtskonforme Geburtsurkunde könne nicht verzichtet werden.

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