Am Rande der Fehde

Köln und Soest schließen Frieden

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Unterzeichnung, von links: Stephan Prinz zur Lippe (seit 2015 Oberhaupt des Fürstlichen Hauses Lippe, Laschet, Ruthemeyer, Theo Bovens, Gouveneur der Provinz Limburg

Zur Vertragsunterzeichnung kamen hohe Gäste in den Rittersaal des Burghofmuseums

Eigentlich. Eigentlich ist Armins Laschet nach dem Einzug und der Huldigung des Jungherzogs Johann von Kleve, dessen Vater der NRW-Ministerpräsident wenige Minuten zuvor verkörperte, ja nur noch rasch mit ins Burghofmuseum gekommen, um sich ins Goldene Buch der Stadt Soest einzutragen. Aber dann, natürlich ganz spontan, spricht ihn Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer darauf an, dass es ja nach der Soester Fehde niemals einen offiziellen Friedensvertrag zwischen Soest und Köln gegeben habe. 

Denn zum Ende der Fehde wurde 1449 lediglich durch einen Schiedsspruch in Maastricht (heute die niederländische Provinz Limburg) ein Waffenstillstand geschlossen. Doch als Ministerpräsident sei Laschet ja nun einmal der rechtliche Nachfolger des damaligen Landesherrn Dietrich von Moers. Da könne man das doch jetzt nachholen.

Ganz spontan

Tja, liest Laschet nicht minder spontan von seinem Spickzettel ab, „mit Köln Frieden zu schließen, ist auch nicht ganz einfach. Uns in Düsseldorf gelingt das bisheute nicht.“ Da müsse er sich erst mit dem heutigen Erzbischof abstimmen. Naja, der sei der Einladung nach Soest nicht gefolgt, entgegnet Ruthemeyer, natürlich auch ganz aus dem Bauch heraus. Tja, liest Laschet wieder aus dem Lamäng heraus ab, „in dem Falle ist der Ministerpräsident in der Rechtsnachfolge der damaligen Fürstbischöfe befähigt, die Entscheidung zu treffen, die seinerzeit versäumt wurde. Daher schlage ich vor, den Frieden von Maastricht 1449 heute zu ersetzen durch den Frieden von Soest.“

Ein Glück, dass Künstler Fritz Risken, offenbar in weiser Voraussicht, bereits einige Urkunden vorbereitet und sie mit den nötigen Siegeln versehen hat. Dabei hat es Laschet eilig. Um 6 Uhr morgens ist er vonseinem Urlaubsort am Bodensee nach Frankfurt geflogen, ist von dort nach Soest gefahren worden. Im Pilgrimhaus hat er gefrühstückt und sich die Gewandung umgeworfen, am Umzug und der Huldigung teilgenommen, noch im Museum wird er sich wieder den neuzeitlichem Anzug anziehen und schon am frühen Nachmittag die Rückreise antreten.

Huldigung kürzer als sonst

Weil er einen Zug bekommen musste, war die Huldigungsszene sogar um den Auftritt des Patrokli-Dekans Milinchusen gekürzt worden. Wie auf dem Markt, merkt man Laschet den Spaß an dem ungewohnten Auftritt an. Und er überrascht die Gäste im Rittersaal des Burghofmuseum mit einem Grußwort in altertümlicher Sprache – damit rechnete auch Ruthemeyer nicht. Dennoch: Die Zeit drängt, und das gemeinsame Feiern, zu dem Laschet in seinem Grußwort einlädt, muss er doch seinen Gastgebern überlassen.

Doch auch, wenn nun zwischen Soestern und Kölnern alles im R(h)einen ist, einen Einwand konnte sich Wolfgang Ehlers aus den Reihen der Gewandeten und unter allgemeinem Gelächter nicht verkneifen: „Herr Bürgermeister, das Versprechen müssen Sie uns aber dennoch geben: Dass wir in zwei Jahren wieder gegen die Kölner kämpfen dürfen!“ 

Stephan Prinz zur Lippe ist Nachfolger des damaligen Verbündeten der Stadt Soest, Bernhard VII. Spaßhafter Grund seiner Unterzeichnung war die Befürchtung, die Kölner könnten ihm sonst erneut die Burg niederbrennen. Theo Bovens war natürlich dabei wegen des Friedens von Maastricht, aber auch, weil er ein Freund Laschets ist und von ihm dazu überredet wurde.

Der Friedensvertrag im Wortlaut

Mit Gottes Hilf erklären Wir, Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, kraft Unseres Amtes an Statt und in der Rechtsfolge der vormaligen Fürstbischöfe des Erzbistums Köln die im Jahr 1444 mit der Stadt Soest begonnene Fehde für beendet. Wir erklären weiterhin, dass der seit acht Generationen in Unserem Land währende Frieden auch fürderhin für Unsere Stadt gelten soll und diese dessen folglich gewiss sein kann. Mit Gottes Hilfe erklären Wir, Doktor Eckhard Ruthemeyer, Bürgermeister der Stadt Soest, für die Stadt Soest, auch künftig aller feindseligen Handlungen gegen die Rechtsnachfolger der vormaligen Fürstbischöfe von Köln zu entsagen, mit dem Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Herrn Armin Laschet, in der Folge der Hoheit des Herzogs von Kleve, fürderhin Frieden halten und diesen in einer der Würde der Stadt angemessenen Weise gestalten zu wollen. Zum Bezeugen des Vertrags haben Theo Bovens, Gouveneur der Provinz Limburg, und Stefan Prinz zur Lippe ihr Siegel angebracht. Gegeben und besiegelt zu Soest A. D. 2019 am 3. August.

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