"Wichtig ist immer, dass die Sprache schnell gelernt wird"

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Minderjährige Flüchtlinge brauchen eine spezielle Beratung und Begleitung.

Soest - Die Diakonie Ruhr-Hellweg bietet im Kreis Soest Hilfe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an. Ein Jahr danach spricht Fachbereichsleiterin Irene Düring über diese Arbeit.

Im November 2015, als eine große Gruppe an Flüchtlingen auch hier im Kreis Soest ankam, wurden diese jungen Flüchtlinge unter anderem auch im Lippe-Berufskolleg oder im Studieninstitut untergebracht, wobei die Diakonie die Kommunen in der Betreuung unterstützte. Wie ist die Situation heute, ziemlich genau ein Jahr danach? Mit der Fachbereichsleitung für Erziehung und Bildung, Irene Düring, sprach Petra Krause.

Um welche Personengruppe handelt es sich bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen? 

Düring: Für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge gelten die gleichen gesetzlichen Regelungen wie für deutsche Jugendliche. Sie werden in Obhut genommen und bekommen einen Vormund. Diese jungen Menschen leben auch nicht in Sammelunterkünften, sondern häufig in Jugendhilfeeinrichtungen oder auch bei Pflege- und Gastfamilien

Wie sieht die Hilfe vor Ort aus? 

Düring: Mit den jungen Menschen sind wir im Kreisgebiet zum Beispiel an den Schulen durch unsere Schulsozialarbeiter in Kontakt. Viele Flüchtlinge gehen in die Auffangklassen der einzelnen Schulen. Wichtig ist es, die richtigen Bildungswege zu finden. Zum einen kann es sein, dass die Jugendlichen nicht alphabetisiert sind, zum anderen kann es aber auch sein, dass sie eine sehr gute Ausbildung mitbringen. Die Diakonie knüpft Kontakte und kann zum Teil auch über den 18. Geburtstag hinaus helfen, wenn die Voraussetzungen gegeben sind.

Welche Themen sind für die Jugendlichen, außer Bildung, noch wichtig? 

Irene Düring

Düring: Das sind zum einen Fragen zum Asylverfahren, zur Aufenthaltsgestattung und zum Nachzug der Familie. 

Wie erleben Sie die Jugendlichen? 

Düring: Sie sind oft sehr selbstständig, haben oft große Strapazen hinter sich, schreckliche Dinge erlebt. Andererseits sind es aber ganz normale Jugendliche. Wichtig ist die Verbindung nach Hause, worauf alle großen Wert legen. Darauf reagieren wir auch in den Einrichtungen. Die Jugendlichen halten etwa über Skype Kontakt. 

Wie alt sind die unbegleiteten Flüchtlinge? 

Düring: Die meisten sind zwischen 16 und 18 Jahre alt, es kommen meistens junge Männer, junge Frauen selten. 

Wie ist das Miteinander mit den jungen Menschen? 

Düring: Probleme sollten nicht verschwiegen werden. Natürlich gibt es im Bereich der Trauma-Bewältigung oft Bedarf. Das ist wegen der fehlenden Sprachkenntnisse auf beiden Seiten ein Problem. Hier gibt es kaum psychologisch-therapeutische Angebote. Natürlich gibt es auch Missverständnisse über die Regeln, die es in Deutschland einzuhalten gilt. Aber generell kann man sagen, dass die Jugendlichen etwas erreichen wollen und vor allem in Frieden leben wollen. Meist haben die Familien ihr Geld gespart, um dem Jugendlichen die Flucht zu ermöglichen. Das ist ein großes Thema für die Jugendlichen. Bisher haben wir sehr gute Erfahrungen mit den jungen Menschen gemacht. Wichtig ist aber immer, dass die Sprache schnell gelernt wird. Es fehlen gut ausgebildete Dolmetscher. Aber es gibt auch ein großes ehrenamtliches Engagement. 

Wie ist der Ausblick auf das Jahr 2017? 

Düring: Bis zum Ende 2017 kann die Diakonie über das Angebot „Soziale Arbeit an Schulen“ die Schulsozialarbeit im Kreis an verschiedenen Schulen, hauptsächlich Berufskollegs anbieten, dann wird geschaut, wie es weiter geht. Schön wäre, mehr Berufspraktika anbieten zu können. Und es wäre schön, wenn der Umgang mit diesem Thema normaler würde, eine normale Diskussionebene erreicht werden könnte.

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