Impfwillige noch gelassen

Impfung beim Hausarzt: Großer Patienten-Ansturm bleibt in Soester Praxen aus

Eine Spritze liegt auf einem Impfpass.
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Ab sofort darf in NRW jeder einen Impftermin vereinbaren.

Seit Montag darf sich jeder gegen das Corona-Virus impfen lassen. Diese Nachricht sorgte im Vorfeld für Befürchtungen in den Hausarztpraxen, dass sie nun überrannt werden könnten. Tatsächlich aber hielt sich der Ansturm in Grenzen.

Soest - „Die Stimmung bei den Patienten ist überwiegend ungereizt“, meinte Christina Torregroza von „Medizin am Markt“ in Soest. In der Praxis von Sara Schürmann habe es zwar am Montag mehr Anrufe gegeben als sonst, der ganz große Ansturm sei aber ausgeblieben.

„Viele Patienten haben ja längst mitbekommen, dass es einfach noch nicht so viel Impfstoff gibt“, so Torregroza weiter. Gleichwohl nutzten die Patienten „in ganz erheblichem Maß“ die Möglichkeit, sich per Mail zu registrieren, um dann von der Praxis kontaktiert zu werden.

Impfung beim Hausarzt: „Total im Rahmen“

Ein ähnliches Bild zeichnet Joan Pleßer aus der Hausarztpraxis Schüürmann und Kahl in der Marktstraße. „Total im Rahmen“ seien die Anfragen per Telefon gewesen. Die Mehrheit lasse sich aber auch hier nach einer Mail an die Praxis registrieren, so dass das Team sich mit den Menschen in Verbindung setzen könne, sobald es wieder ausreichend Impfstoff gibt.

„Der Ansturm nach der Freigabe von Astrazeneca war deutlich größer“, so Pleßer. „Das ändert aber nichts an dem grundlegenden Problem, dass die Hausarztpraxen einfach zu wenig Impfstoff haben“, meinte Jörg Schüürmann. Bei 20 Impfdosen pro Woche und 1400 Patienten auf der Warteliste sei doch ein deutliches Ungleichgewicht zu erkennen, so der Mediziner.

Viele Patienten haben ja längst mitbekommen, dass es einfach noch nicht so viel Impfstoff gibt.

Christina Torregroza, Medizin am Markt

„Zum Glück nur drei Telefonleitungen“ hat das Team in der Praxis von Tobias Samusch am Klinikum. Dort habe zwar den ganzen Vormittag das Telefon geklingelt, so Melissa Zupanic, doch die Anfragen habe man alle bearbeiten können. Die Impfwilligen seinen alle auf eine Liste gesetzt worden – und von einem Ansturm könne nicht die Rede sein.

Dr. Wolfgang Oder zeigte sich am Montagmittag relativ kurz angebunden. Und das nicht, weil alle Patienten einen Impftermin haben wollten, sondern weil ihn das ganz normale Patientenaufkommen in Atem hielt. „Wir machen die Termine nur per Telefon und da hat sich das in Grenzen gehalten“, so Oder.

Neue Online-Registrierung

Über die KVWL erhielten die heimischen Mediziner am Montag den Hinweis auf ein Internet-Angebot zur Impf-Registrierung und

-Vermittlung. Auf der Seite www.sofort-impfen.de können sich Impfwillige registrieren lassen, um dann ein Impfangebot aus der Region zu bekommen. Auf Nachfrage konnte allerdings keine der heimischen Praxen angeben, bisher mit diesem Angebot zu arbeiten. Vielmehr geht die Praxis dahin, die Patienten in den Praxen zu registrieren und sie zu kontaktieren, sobald ein Impfstoff verfügbar ist.

In Grenzen hielt sich auch der Ansturm auf die Hausarztpraxis am Brüdertor von Detlef Sonten. „Nicht übermäßig viele Anrufe“ registrierte Bianca Brasse. Mit den bisherigen Anfragen jedenfalls könne man gut umgehen.

Das Land NRW hat am Montag die Impfpriorisierung aufgehoben. Ab sofort darf jeder einen Termin vereinbaren – unabhängig von Alter, Vorerkrankungen oder Beruf. Nach Angaben der Landesregierung werde im Verlauf des Sommers ausreichend Impfstoff bereitstehen, damit jeder geimpft werden kann, der das möchte. Die bestehenden Lieferengpässe der Firma Biontech sollen sich in den nächsten beiden Wochen auflösen. Dann würden auch die ausgefallenen Lieferungen nachgeholt, sodass wieder ein breites Impfangebot möglich sei.

Im Impfzentrum wird der vom Bund zur Verfügung gestellte Impfstoff im Juni beinahe ausschließlich für Zweitimpfungen genutzt.

Aktuelle Impfzahlen für den Kreis Soest finden Sie täglich hier.

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