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Impfen: Überlastete Praxen, verunsicherte Patienten, frustrierte Hausärzte

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Von: Gökcen Stenzel

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Hausarztpraxis am Jakobitor: Ute Friedrich-Pagels und Markus Adler
Hausarztpraxis am Jakobitor: Ute Friedrich-Pagels und Markus Adler sehen sich und ihre Kollegen „am Limit“. © Friedrich-Pagels

Hausärzte fühlen sich von der Politik in Bund und Land im Stich gelassen. „Wertschätzung sieht anders aus“, sagt Dr. Ute Friedrich-Pagels von der Praxis am Jakobitor. Sie könne sogar inzwischen Kollegen verstehen, die Impfungen in ihren Praxen nicht mehr anbieten wollen.

Soest – Erst fordere NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann die Ärzte auf, zu impfen statt zu golfen. Dann kommuniziere Bundesgesundheitsminister Jens Spahn so „unglücklich“, dass die Hausärzte es jetzt mit einer Unzahl von verunsicherten Patienten zu tun hätten. Aus ganz Deutschland hagelte es am Wochenende Kritik auf Spahn, der in jede Praxis nur noch 30 Biontech-Impfdosen pro Woche liefern lassen will. Stattdessen sollen die Arztpraxen den Moderna-Impfstoff anfordern, denn der laufe bald ab.

„Herr Spahn hat so getan, als müsse hier ,Zeug weg’, das erschwert unsere Arbeit über Gebühr“, sagt Friedrich-Pagels, die nicht nur für ihre Praxis, sondern auch für fünf weitere aus Soest spricht. „Das Telefon steht nicht mehr still, wir beraten von morgens bis abends und haben eigentlich nicht die Zeit, jeden Tag aufs Neue Diskussionen zu führen. Wir sind definitiv am Limit.“ Allein in ihrer Praxis würden pro Woche 300 Dosen verimpft, in erster Linie bisher Biontech. Die Ärzte vor Ort hätten erst am Freitag erfahren, dass es in diesem Punkt eine Veränderung gibt.

Impfen: Praxen überlastet, Hausärzte frustriert

Ohnehin gibt es immer wieder Überraschungen, die den Betrieben viel Improvisationstalent abverlangen. So hoffen die niedergelassenen Ärzte darauf, am Mittwoch zu erfahren, ob und wann es zugelassenen Impfstoff für Kinder unter zwölf Jahren geben wird – mit den entsprechenden Konsequenzen für ihren jeweiligen Praxisbetrieb. Apropos Praxisbetrieb: Wie Friedrich-Pagels argumentieren auch die Praxis Am Isenacker, Krömer, Ebbinghaus, Sonten und Schürmann.

Anders als von Spahn suggeriert, handele es sich bei dem Impfstoff Moderna „um einen sehr guten Impfstoff mit hoher Verträglichkeit“, sagt die Soester Ärztin. „Moderna ist kein Impfstoff zweiter Klasse, sondern ein hervorragender mRNA-Impfstoff, ebenso wie Biontech, und bietet als Booster eine 95-prozentige Wirksamkeit.“ Viele Patienten hätten jedoch den Eindruck, dass nun verimpft werden solle, was noch herumliegt, „und das ist nicht zielführend“. Friedrich-Pagels und ihr Kollege Markus Adler haben einige Punkte, die ihnen unter den Nägeln brennen, zusammengetragen.

Auch die Arzthelferinnen arbeiten seit Monaten am Limit, um Impftermine zu organisieren. „Manche kommen morgens schon mit Magenschmerzen“, sagt Friedrich-Pagels, die an Patienten appelliert, auf die Lage Rücksicht zu nehmen.

Der Kreis Soest hat an der Adresse des ehemaligen Impfzentrums wieder eine ständige Impfstelle eingerichtet. Die aktuelle Coronalage behalten wir in unserem Newsticker im Blick.

Diese Praxen impfen samstags

Um der wachsenden Nachfrage nach der Corona-Impfung weiter gerecht zu werden, bieten mehr als 100 Praxen in Westfalen-Lippe jetzt extra Impftage in der Vorweihnachtszeit an. An allen vier Samstagen im Advent (27. November, 4. Dezember, 11. Dezember, 18. Dezember) öffnen die Ärzte dafür zusätzlich ihre Praxen. Auch in Soest machen drei Praxen mit.

27. November: Die Facharzt Praxis für Chirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie, Krummel 1, bietet am Samstag, 27. November von 9 bis 12 Uhr Boosterimpfungen mit Biontech ohne Termin an. Kontakt: Impfenbrinkmann@outlook.de.

4. Dezember: Praxis für Urologie, Krummel 1. Kontakt: info@dr-pankewitz.de.

11. Dezember: Praxis Erna Petrischtschewa, Siegmund-Schultze-Weg, 2. Kontakt: 02921/769333.

18. Dezember: Praxis für Urologie, Krummel 1. Kontakt: info@dr-pankewitz.de.

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